**Martina Senghas** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen Ende der 1960er Jahre setzt sich eine Psychiaterin in einem Krankenhaus in Chicago an die Betten von Schwerkranken und fängt an, etwas Ungewöhnliches zu tun. Sie redet mit ihnen über Sterben und Tod.
**Elisabeth Kübler-Ross** (0:18)
Ich glaube, die Einsamkeit, die Isolierung der Sterbenden hat mir am meisten Eindruck gemacht.
Und ich habe einfach einen Dialog geführt mit diesen Leuten. Ohne Vorbereitung, ohne die Leute auszuwählen.
**Martina Senghas** (0:32)
Der Name der aus der Schweiz stammenden Psychiaterin, Elisabeth Kübler-Ross.
1969 macht sie aus diesen Interviews mit Sterbenden ein Buch und entwickelt darin ein sogenanntes Trauerphasenmodell. Es soll sie später weltberühmt und zur Pionierin der Sterbeforschung machen.
**Elisabeth Kübler-Ross** (0:51)
Ich habe die Mediziner eingeladen, die Medizinstudenten, die Krankenschwässer, die Fürsorgerinnen und Seelsorger, damit sie einfach zuhören, damit der Kranke zum Lehrer wird. Und die lernen sie natürlich viel, nicht nur über das Sterben, aber auch über das Leben.
**Martina Senghas** (1:08)
Allerdings stößt die Sterbe- und Trauerforscherin von Anfang an auch auf Kritik.
**Martina Senghas** (1:14)
Sterbeforschung– wie die Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross ein Tabu brach von Martina Senghas.
**Martina Senghas** (1:21)
Am 8 Juli 2026 wäre Elisabeth Kübler-Ross 100 Jahre alt geworden.
Gestorben ist sie bereits 2004, aber auch mehr als 20 Jahre nach ihrem Tod ist die Psychiaterin offensichtlich populär. In einem Duden-Abreißkalender für das Jahr 2026, in dem es jeden Tag eine Frage zum Thema Allgemeinbildung gibt, heißt es auf einem Blatt im Monat März, die schweizerisch-amerikanische Psychiaterin Elisabeth Kübler-Ross legt 1969 ein fünfphasiges Modell zum Verhalten Sterben davor.
**Martina Senghas** (1:56)
Welche idealtypische Reihenfolge beschrieb Kübler-Ross?
**Martina Senghas** (1:59)
Genannt werden fünf Begriffe, die man in die richtige Reihenfolge bringen soll. Auf der Rückseite des Kalenderplatz dann die Auflösung.
**Martina Senghas** (2:08)
Leugnen, Wut, Verhandeln, Depression, Annahme.
**Martina Senghas** (2:12)
Das ist das Fünf-Phasenmodell, das laut Dudenredaktion zur Allgemeinbildung zählt.
Mehr als 20 Bücher hat Elisabeth Kübler-Ross rund um das Sterben und Trauern geschrieben. Die meisten davon waren Bestseller und wurden, nach Angaben der Kübler-Ross-Stiftung, in 44 Sprachen übersetzt. Bis heute spenden Kübler-Ross Gedanken vielen Menschen beim Abschiednehmen Trost. Auf die Kritik an ihrem Modell kommen wir später zu sprechen. Aber das Fünf-Phasenmodell ist so zentral für Kübler-Ross Denken und Arbeiten, dass wir es zumindest kurz erklären müssen.
Wer von seinem nahen Tod erfährt, will das zuerst nicht wahrhaben. Das ist, laut Kübler-Ross, Phase 1 In Phase 2 kommt die Frage nach dem Warum, die in der Regel mit Wut einhergeht. Und dann, so die Psychiaterin in einem Interview aus den 1970er Jahren, dann kommt eine Stufe des Verhandelns.
**Elisabeth Kübler-Ross** (3:10)
Das kann mit dem Arzt sein, das kann auch mit der Familie sein. Das ist meistens mit Gott. Dann kommt die Depression. Zuerst eine reaktive Depression, wo die Leute traurig sind um all die Dinge, die sie schon verloren haben.
Und dann kommt die schwierigste Zeit für die Familie und für das Spitalpersonal. Das ist eine ruhige Depression.
**Martina Senghas** (3:33)
Schließlich Phase 5 Das Loslassen und das Annehmen der Situation. Mit der Zeit hat Kübler-Ross die These entwickelt, dass diese Phasen nicht nur auf Sterbende zutreffen, sondern auch auf Trauernde und ganz allgemein auf Menschen, die mit Verlust umgehen müssen. Außerdem war sie eine wichtige Impulsgeberin für den Aufbau von Hospiz- und Palliativ-Einrichtungen.
Doch wie relevant ist Kübler-Ross heute? Welche Rolle spielt sie noch in der Sterbe- und Trauerforschung und in der Hospiz-Bewegung? Darauf wollen wir Antworten finden in dieser Folge von Das Wissen und natürlich erfahren, wer diese schillernde Figur war.
Eine der Personen, die dazu etwas sagen können, ist Miriam Sitter. Sitter ist Sozialwissenschaftlerin, leitet ein privates Trauerforschungsinstitut in Hannover und ist dort außerdem Professorin an der Internationalen Hochschule.
**Heidi Müller** (4:28)
Also wenn man sich mit Trauer und Trauerbegleitung auseinandersetzt, dann kommt man natürlich nicht an den Trauerphasen oder an den Trauerphasenmodellen vorbei.
**Martina Senghas** (4:38)
Das Modell, das Kübler-Ross entwickelt hat, sah immer noch bekannt, aber Sitter weiß darauf hin, dass es inzwischen auch etwas überholt ist.
**Heidi Müller** (4:46)
Also diese Verdrängungsphase, die sie nicht wahrhaben wollen, das glaube ich in der Tat, dass wir das zu Beginn haben, dass wir auch wütend sind und zornig sind und dass wir auch versuchen zu begreifen vor allem, was da mit uns passiert. Der einzige Haken an der Sache, und das ist ja die große Kritik an diesen Trauerphasen oder an diesen Modellen, dass sie zu statisch sind und deshalb neigt man sich eher ab von diesen Trauerphasenmodellen.
**Martina Senghas** (5:13)
Dennoch findet die Wissenschaftlerin, dass die Psychiaterin für ihre Arbeit gewürdigt werden muss. In einer eher konservativen und schulmedizinisch geprägten Zeit habe sie den Mut gehabt, auf einen Bereich zu blicken, der geradezu tabuisiert wurde.
Zusätzlich zu der Frage, wie man Menschen helfen kann, gut zu leben, hat sie die Frage gestellt, wie man Menschen helfen kann, gut zu sterben.
17 more minutes of transcript below
Try it now — copy, paste, done:
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
https://spoken.md/transcripts/1000651996090
Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.
From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire.
Using your own key:
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
https://spoken.md/transcripts/1000775808442