**SPEAKER_1** (0:05)
Alles Geschichte, Der History-Podcast.
**Thomas Morawetz** (0:11)
Herzlich willkommen zu einer ungewöhnlichen Folge von Alles Geschichte.
Wir machen heute ein Gespräch zum neuen Blockbuster von Christopher Nolan, die Odyssee. Wir, das ist mein Kollege Florian Kummert.
**Florian Kummert** (0:25)
Hallo, ich war schon als Autor für Alles Geschichte unterwegs und bin vor allem MBR-Kinoexperte, zuständig für unsere Sendung Kino Kino.
**Thomas Morawetz** (0:34)
Und ich bin Thomas Morawetz, bin Redakteur bei Alles Geschichte und vor allem ein passionierter Fan von antiken Themen.
Bevor wir loslegen, müssen wir allerdings gleich einen Spoiler Alert setzen. Es ist leider völlig unmöglich, über den Film zu sprechen, ohne zu viel davon zu verraten, was ihn auch wirklich besonders macht. Deswegen unsere Empfehlung gleich am Anfang, wenn ihr, wenn sie den Film sehen wollen, wenn ihr ihn sehen wollt, hört euch das hier danach an, aber nicht vorher.
**Florian Kummert** (1:05)
Der Film läuft ja jetzt in den deutschen Kinos, in allen möglichen Varianten. Am besten sollte man das Ding in einem ganz großen Kino erleben, also auf der ganz großen Leinwand mit dem möglichst großen Sound und möglichst nicht einfach später auf dem Handy streamen.
**Thomas Morawetz** (1:21)
Florian, wie hat dir der Film gefallen?
**Florian Kummert** (1:24)
Ich war sehr angetan. Also Christopher Nolan schleudert uns, kann man sagen, mit einem sinjastischen Kraftakt zurück ins alte Griechenland und lässt uns teilhaben an den Irrfahrten des Odysseys in der Odyssee. Das ist wuchtiges Kino. Für mich war das ein ganz immersives Erlebnis, wie man es wirklich nur selten im Kino erlebt. Der Film ist einerseits technisch ein Quantensprung und gleichzeitig ganz wohltuend altmodisch. Was meine ich? Also er ist mit IMAX-Kameras gedreht. Er ist in der Filmgeschichte der erste Film, der komplett mit IMAX-Film gedreht wurde. Das ist ein riesiger 70-Millimeter-Film mit gigantischer Auflösung, mit Farbtiefe, mit neuartigen Kameras. Aber diese Kameras sind irre, irre laut. Also wenn uns beide jetzt hier in diesem Raum jemand filmen würde mit den Kameras, dann würden die so laut rattern, dass man unser Gespräch gar nicht hören würde. Und das war bis jetzt immer das Problem. Und für den Film wurden extra neuartige Hüllen entwickelt, die die Lautstärke gedämpft haben. Und so konnten sie auch die leisen Dialogszenen mit den tollen IMAX Kameras drehen. Und gleichzeitig ist es ein altmodischer Film in der Hinsicht, dass Nolan so viel wie möglich versucht, wirklich gleich live im Bild zu drehen. Möglichst ohne Computereffekte, die sind natürlich drin. Aber hier gibt es keine super totalen mit Computer generierten Schiffen, wie das so in Filmen wie Wolfgang Petersons Filmadaption Troyer der Fall war, sondern hier ist man irgendwie ganz, ganz nah dran.
Hier sitzt man mit Odysseus und seinen armen Gefährten mit im Boot, wenn der Zorn des Poseidon über einen hinweg gischt und die Sturm losbricht. Und das ist die volle Wucht des Kinos. Der fängt wirklich die Dramatik der Abenteuer ein. Aber ich finde, es ist gerade recht, um die Wucht der literarischen Vorlage umzusetzen. Das Buch zum Film sozusagen. Und das ist ja, wie wir beide wissen, ein Werk, das die Literaturgeschichte wirklich auf entscheidende Weise beeinflusst hat, für viele der Urtext des modernen Erzählens.
Und ja, Thomas, was würdest du sagen? Was ist denn die Magie dieser epischen Vorlage oder der Vorlagen? Was hat dich daran fasziniert?
**Thomas Morawetz** (3:28)
Deswegen sitzen wir zu zweit hier. Ich habe jetzt praktisch den Filmexperten angehört und das wusste ich auch nicht, wie das mit den Kameras funktioniert. Ich war zunächst im Grunde erschlagen. Also ich saß ja wirklich erst mal mit einem Block da im Dunkeln und habe mir gedacht, ich passe jetzt genau auf, wo sich die Verfilmung irgendwie von der homerischen Vorlage entfernt, wo sie sich was eigenes ausdenkt und so. Und ich bin da nicht reingekommen am Anfang. Ich habe erst gedacht, da passt ja gar nichts zu dem, was ich so kenne. Und dann kam noch relativ am Anfang in einer der ersten Szene eine geradezu dystopische Vorstellung von einem großen, weiten Sandstrand, aus dem so halb heraus ein riesiges Pferd ragt. Klar, das Trojanische Pferd, das hat man natürlich sofort verstanden, aber es war so anders alles als erwartet, so komplett unerwartet und alles so gigantisch groß, dass ich an der Stelle das erste Mal so erschlagen war, dass ich gedacht habe, das mit dem Blog kann ich jetzt mal vergessen. Ich muss jetzt mal gucken, was hier eigentlich passiert. Was passiert sozusagen in dem Film von Nolan mit dieser Vorlage von Homer? Homers Vorlage ist ja, auch wenn es ein langes Gedicht ist, ein Gedicht. Er hat ungefähr 12 Verse. Homer hat es geschrieben ungefähr 700 vor Christus. Das sagt einem natürlich überhaupt nichts, wenn man das nicht irgendwie versucht einzuordnen.
Um 700 vor Christus. Das ist so der Beginn einer Epoche, die man in der griechischen Geschichte die Archei nennt. Das heißt so was wie, ja hier beginnt alles von neuem. Das ist so der Sinn dieses Begriffs.
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