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Songs als Protest – Was Musiker bewirken können

Das Wissen | SWR

July 4, 2026

Musik emotionalisiert und verbindet die Zuhörer mit den Künstlern und anderen Fans. Politische Texte sollen argumentativ überzeugen und im Idealfall motivieren, sich zu engagieren.
Speakers: Christoph Drösser, Taina Asili, Wolfgang Niedecken, Absalon, Valerie Knöpker, Johannes Müske, Pete Cronowitz, David Robb
**Christoph Drösser** (0:02)
ARD Sounds Das Wissen 31 März 2026 Der US-amerikanische Sänger Bruce Springsteen tritt in Minneapolis auf, der statt in der Agenten der Einwanderungsbehörde ICE zwei Menschen getötet haben. Der Rockstar und Boss hat schon öfter gegen die Politik von Donald Trump das Wort erhoben. Heute aber präsentiert er ein Lied, das er gegen die Regie der Einwanderungspolitik und ihre Folgen komponiert hat.
Nicht nur in den USA werden die Stimmen von Musikern lauter, die sich für politische Ziele engagieren. Auch in Deutschland singen und sangen Künstler politische Texte. Aktuell vor allem gegen rechts oder für Frieden.
Wie sich der musikalische politische Protest in den letzten Jahrzehnten verändert hat, welche Rolle die sozialen Medien spielen und wen die Musikerinnen und Musiker erreichen wollen, darum geht es in dieser Folge von Das Wissen. Und natürlich um die ganz große Frage, können Lieder die Welt verändern?

**Taina Asili** (1:14)
Songs als Protest, was Musiker bewirken können, von Christoph Drösser.

**Wolfgang Niedecken** (1:20)
Ich habe ihn ja kennengelernt vor über 20 Jahren.
Bruce ist wirklich ein politisch sehr interessierter Mensch. Und er ist einer aus dem Volk und dem Ungerechtigkeiten. Da muss er drüber schreiben und das will der auch. Und er hat ja auch die Möglichkeit, an viele Leute ranzukommen. Also das ist ja sehr selten, dass sich ein Künstler dermaßen auch positioniert.

**Christoph Drösser** (1:44)
Das ist Wolfgang Niedecken, der Sänger und Songschreiber der Kölner Band BAP, in einem Interview mit dem WDR.
Niedecken und Bruce Springsteen kennen sich, sind befreundet. Sie teilen die gleichen politischen Ansichten.

**Wolfgang Niedecken** (1:57)
Ich glaube, der Bruce weiß, was die Stunde geschlagen hat. Wenn das noch weitergeht, dann irgendwann haben wir keine Freiheiten mehr. Weil das schrappt natürlich auch auf Europa über. Ich meine, bei uns ist die AfD die zweitstärkste Partei. Da muss man sich auch gegensteigen.

**Christoph Drösser** (2:18)
Wolfgang Niedecken hat gemeinsam mit dem deutsch-türkischen Musiker Nedim Hazar und Musikmanager Karl-Heinz Pütz vor 34 Jahren in Köln eine Initiative gegen Neonazis und Fremdenfeindlichkeit gegründet. Arsch-hu zeng-use-nanda heißt sie und bedeutet Arsch hoch, Zähne auseinander. Bis heute setzt sich das breite Bündnis gegen Rassismus und Fürtholeranz ein.
Mit BAP hat Niedecken in Liedern wie Kristallnach und Ruhe vor dem Sturm klar gegen Rechtsextremismus angesungen. Noch gibt's kein Niedeckenlied zur AfD, aber deutsche Künstler und Künstlerinnen singen und sagen deutliche politische Worte. Die Schlagersängerin Helene Fischer hat sich gegen die Partei ausgesprochen, Heino verklagt die AfD, weil sie seine Heimatlieder bei ihren Veranstaltungen eingesetzt hat. Der Eurovision Song Contest wird politisiert wie nie zuvor, etwa wenn gefordert wird, Israel vom Wettbewerb auszuschließen. Es gibt zwar keine präzisen Zahlen und Statistiken, aber es ist deutlich hörbar, in politisch heißen Zeiten fühlen sich auch Künstler herausgefordert, Positionen zu beziehen.
Die USA feiern im Juli 2026 250 Jahre Unabhängigkeit. Das Land ist gespalten. Seit Monaten demonstrieren Menschen, wie hier in San Francisco, unter dem Motto No Kings gegen Donald Trump. Und immer ist Musik dabei.

**Absalon** (3:49)
Yo, was's up San Francisco!

**Christoph Drösser** (3:54)
Heute findet man politischen Aktivismus in fast allen Stilrichtungen, zum Beispiel rhythmisch mit reißende Latin-Musik.

**Taina Asili** (4:15)
Danke.

**Christoph Drösser** (4:16)
Musik in der Schnittstelle von Liebe und Befreiung, so beschreibt Taina Asili ihre Musik. Die Künstlerin aus New York, die wie Pete Cronowitt auf der No Kings Demo in San Francisco singt, hat puertorikanische Wurzeln und das hört man natürlich in ihren Songs.

**Taina Asili** (4:35)
Das erste Lied, das ich singen werde, heißt No Es Mi Presidente. Ein Song aus dem Jahr 2017, kurz nach Trumps erster Wahl. Das bedeutet nicht mein Präsident.
Ich hatte den Song schon aus dem Programm genommen, aber nun ist er wieder aktuell und letztes Jahr habe ich ihn neu veröffentlicht.

**Christoph Drösser** (4:54)
Taina Asili ist keine Musikerin, die nur ab und zu mal ein Lied mit einem kritischen Text macht. Für sie sind die Prioritäten ganz klar.

**Taina Asili** (5:05)
Ich sehe mich in erster Linie als Aktivistin. Die Musik, die ich mache, ist verbunden mit den Bewegungen, zu denen ich mich zähle. Natürlich könnte ich den ganzen Tag Liebeslieder schreiben, aber meine Berufung ist, Musik für unsere Bewegungen zu schreiben.

**Christoph Drösser** (5:22)
Taina Asili singt für die schon überzeugten und für die, die noch am Rand stehen und zuschauen.

**Taina Asili** (5:29)
Ich spreche ständig mit Andersdenkenden. Musik kann beides. Wir können unsere sozialen Bewegungen mit Energie versorgen.
Ich habe aber auch unzählige Erfahrungen gemacht, wo Leute mir erzählt haben, dass ein Lied ihre Meinung zu einer Sache geändert hat. Da ist Musik auch ein wichtiges Mittel.

**Christoph Drösser** (5:57)
Musik kann also sogar argumentativ überzeugen. Vor allem aber ist sie ein emotionales Instrument in Protestbewegungen. Hier setzt die Wissenschaft an.

**Valerie Knöpker** (6:06)
Ich bin Valerie Knöpker. Ich bin PhD-Kandidatin an der Nijmegen Universität in den Niederlanden und ich bin in einem Forschungsprojekt zu Protestmusik und dabei schauen wir dann auf die progressive Klimabewegung und auf die Bauernproteste, die auch auf Klimagesetze reagieren.

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