Rosa Roderigo (Rosa kocht grün) – Wie schmeckt Zuhause, wenn man seine Wurzeln sucht? artwork

Rosa Roderigo (Rosa kocht grün) – Wie schmeckt Zuhause, wenn man seine Wurzeln sucht?

Hotel Matze

August 26, 2026

Rosa macht Essen zugänglich, pflanzlich, tröstlich – und erzählt hier, warum Kochen für sie viel mehr ist als Geschmack. Wir sprechen über ihre Adoption, weiße Eltern, Rassismus in der eigenen Familie, Queerness, Therapie und Heimat.
Speakers: Rosa Roderigo, Matze Hielscher

Topics: Society & Culture

**Rosa Roderigo** (0:06)
Erstmal finde ich, dass Essen immer politisch ist. Also immer, immer, immer.
Weil das, was du isst, du unterstützt ja damit eine bestimmte Brand oder einen Betrieb. Ich finde, es hat ganz viele politische Aspekte, was man isst, wo man kauft und so weiter und so fort. Ich habe mir als ich klein war im Kindergarten gewünscht, dass ich meine Haut umoperieren kann, damit ich halt weiß aussehe und so aussehe wie meine Eltern. Und ich dachte halt, das funktioniert auch, weil ich habe mal gehört, Michael Jackson hat das gemacht als Kind. Und ich war so, dann kann ich das doch bestimmt auch machen. Das ist mein größter Wunsch. Bitte erfüllt mir den jetzt. Und seitdem ich klein bin, musste ich mich damit auseinandersetzen, weil klar war, okay, ich bin anders als die anderen. Ich finde zum Beispiel, wenn man kocht und jemand nimmt sich nach und ist irgendwie nicht bescheiden, das ist irgendwie für mich das Krasseste, weil ich mir denke, ja schön, dass du dich so wohlfühlst, dass du nicht denkst, okay, ich kann mir jetzt hier nicht nachnehmen. Man hat so das Gefühl, man ist schon verbunden und Essen verbindet einen ja auch. Und das hat irgendwie auch was Familiäres, das hat was Liebevolles. Es war so, okay, Rosa, das ist die Lesbe hier aus dem Dorf, ein bisschen merkwürdig, aber auch witzig.
Das war dann wie so ein bissel Paradiesvogel. Ich fühle mich immer wie so ein Vogel, der aus dem Nest gefallen ist.

**Matze Hielscher** (1:16)
Du bist aus dem Nest gefallen. Wo fliegst du gerade hin?
Willkommen zur Hotel Matze Sommerfrische. Ich bin diesen Sommer wieder unterwegs und sitze nicht im grauen Studio, sondern treffe meine Gäste zu Hause, im Garten, im Kloster oder hier im Spreewald in der Bleiche. Mein heutiger Gast ist Rosa Roderigo. Ich hoffe, ihr kennt ihren fantastischen Instagram-Kanal Rosakochtgrün. Ich wollte mit ihr übers Kochen sprechen, über pflanzliche, naturverbundene Ernährung, weil sie das mit einer wunderbaren Leichtigkeit macht und ich davon nicht so viel Ahnung habe. Dann wurde es aber viel, viel tiefer als ich es erwartet hätte. Rosa erzählt, wie es ist, als adoptiertes Kind in einer weißen Familie aufzuwachsen und dass für sie Sichtbarkeit nichts mit Eitelkeit zu tun hat, sondern mit Selbstbehauptung. Mich hatte Rosa sehr überrascht, weil sie über Schmerz sprechen kann, ohne bitter zu werden. Und ihr werdet vermutlich überrascht sein, wie schlecht ich wirklich kochen kann. Weil das werdet ihr am Ende sehen, wenn ihr diese Folge auf YouTube schaut. Ich wünsche euch viel Vergnügen bei der Hotel Matze Sommerfrische mit Rosa Roderigo.
Rosa, wie schmeckt für dich der Sommer?

**Rosa Roderigo** (2:32)
Boah, der Sommer schmeckt frisch, knackig.
Vielleicht ein bisschen nach Passionsfrucht. So in die Richtung.

**Matze Hielscher** (2:41)
Hast du ein Lieblingssommergericht?

**Rosa Roderigo** (2:44)
Ich glaube Zucchini-Zitronenpasta. Das ist so seit Jahren mein Alltime-Favorit im Sommer.
Definitiv.

**Matze Hielscher** (2:51)
Und wie wird etwas Lieblingsgericht?

**Rosa Roderigo** (2:54)
Ja, ich glaube, indem man es immer wieder wiederholt und da auch permanent Lust drauf hat, nie ein Nein sagen würde. Ich würde sagen, dann geht es Richtung Lieblingsgericht.

**Matze Hielscher** (3:04)
Und hat das auch was damit zu tun, ein Lieblingsgericht? Ist das nur Geschmack oder ist das auch dann Geschichte? Ist das dann auch mit wem man das gegessen hat?

**Rosa Roderigo** (3:13)
Ja, auf jeden Fall. Also Essen hat ja super viel damit zu tun. Wer ist um dich herum, was für Erinnerungen weg ist und so weiter und so fort. Also das auf jeden Fall.
Es spricht ja total alle Rezeptoren in meinem Gehirn an. Also wenn ich gute Gesellschaft habe und es richtig gut schmeckt, die Atmosphäre ist schön, so ungefähr wie hier. Wir können jetzt auch gut Zitronenpasta essen. Würde ich mich freuen.

**Matze Hielscher** (3:36)
Was verrät das? Also glaubst du, dass es was verrät über einen Menschen, was sein Lieblingsessen ist?

**Rosa Roderigo** (3:44)
Das ist aber deep. Ich würde jetzt sagen, nein, das kann ja alles sein.
Ich würde schon sagen, okay, gut, die Person ist vielleicht bodenständig oder die Person ist ja auch vom ersten Gefühl her, wenn jetzt jemand sagen würde, ja mein Comfort Food ist Kaviar, würde ich mir vielleicht erstmal denken, okay, also komm mal ein bisschen runter. Aber ich glaube so generell, nee, ich würde da nicht zu schnell urteilen eigentlich, obwohl ich es ja gerade selber getan habe. Aber ich glaube, ich würde mich vielleicht dann nochmal zurücknehmen und denken, wieso hat die Person das früher irgendwie, weiß ich nicht, mit dem Opa rausgeholt aus den Tieren und da voll die Core Memory, was weiß ich was, vielleicht war es gar nicht abgehoben so, deswegen schwierig, nee.

**Matze Hielscher** (4:26)
Ich habe gelesen, dass dein Lieblingsessen Königsberger Klopse ist.

**Rosa Roderigo** (4:29)

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