**SPEAKER_1** (0:04)
Wir schreiben das Jahr 1902 Angst geht um in Europa.
**SPEAKER_2** (0:08)
Die Handelspolitik der Gegenwart wird beherrscht von den Vereinigten Staaten.
**SPEAKER_1** (0:13)
Der deutsch-österreichische Industrielle Alexander von Petz hält vor den Mitgliedern des industriellen Clubs in Österreich-Ungarn eine flammende Rede.
**SPEAKER_2** (0:22)
Die Gefahren, von denen ich spreche, kommen gegen uns heran. Nicht in Gestalt von Heeren und Kriegsflotten. Nicht in Gestalt von neuen religiösen oder politischen Lehren. Sondern in Form von Warenballen und Preislisten.
**SPEAKER_1** (0:37)
Nur ein wirtschaftlich geeintes Europa könne der Welthandelsmacht USA etwas entgegensetzen. Auch, weil die USA in jenen Jahren ihr Territorium erweitern.
**Mirko Drotschmann** (0:48)
Newlands Resolution. Über die Annexion der Hawaii-Inseln durch die Vereinigten Staaten. 7 Juli 1898
Gezeichnet William McKinley.
**SPEAKER_1** (0:59)
Unter der Führung von US-Präsident William McKinley annektieren die Vereinigten Staaten eine Reihe von Überseeterritorien in der Karibik und im Pazifik. Anfang des 20 Jahrhunderts sind die USA die neue imperiale Weltmacht.
**Mirko Drotschmann** (1:25)
Ich bin Mirko Drotschmann, ihr hört Terra X History, der Podcast. Und in dieser Folge geht es mal wieder um etwas sehr Aktuelles, nämlich um die Geschichte des Imperialismus. Nach dem Ende des Kalten Kriegs sah es in den 1990er Jahren so aus, als sei das Zeitalter der Imperien und des Imperialismus tatsächlich Geschichte. Frieden und Abrüstung standen an erster Stelle. Die globale Weltwirtschaft hat sich entwickelt. Aus einzigen Feinden wurden Staaten, mit denen man Handel trieb, Kulturbeziehungen pflegte oder in die man in den Urlaub gefahren ist. Aber diese Zeiten scheinen vorbei zu sein. Russland will unter Putin wieder zu alter Größe aufsteigen. Spätestens seit Beginn der zweiten Amtsperiode von Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika Anfang 2025 positioniert sich die Außenpolitik der USA unverhohlen imperialistisch. Am 2 April 2025 verkündete der US-Präsident in einer Pressekonferenz neue Einfuhrzölle für fast alle Staaten der Welt. Trump sprach von einem Tag der Befreiung und davon, dass Amerikas Schicksal zurückgewonnen werde. Amerika werde wieder zu etwas Großartigem aufsteigen. Großartiger als jemals zuvor.
Donald Trump hat ein historisches Vorbild, auf das er sich immer wieder bezieht, nämlich den ehemaligen US-Präsidenten William McKinley, Der von 1897 bis 1901 die USA als 25 Präsident regierte. Er stand für eine Politik des Protektionismus und der Expansion. Während der Amtszeit McKinley's annektierten die USA Hawaii, Puerto Rico und Guam und wurden zur Kolonialmacht. Als sich in den spanischen Kolonien Kuba und den Philippinen Unabhängigkeitsbewegungen bildeten, griffen die USA mit Waffengewalt in beiden Ländern ein. Nach dem spanisch-amerikanischen Krieg 1898 regierten die Amerikaner für eine kurze Zeit Kuba und sicherten sich im sogenannten Platt Amuntment das Recht, jederzeit in Kuba militärisch eingreifen zu können. Kuba musste an die USA auch Land verpachten, auf dem die Vereinigten Staaten Militärstützpunkte errichten durften. Guantánamo ist ein Relikt aus dieser Zeit. Die US-Besatzung der Philippinen dauerte sogar bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs. Das Ziel der USA war es, nicht nur ihre sogenannten Hinterhöfe wie Nicaragua, Chile oder Kuba zu kontrollieren, sondern auch im Pazifik zur Supermacht zu werden. Nach dem amerikanischen Bürgerkrieg in den 1860er Jahren und der sogenannten Reconstruction-Phase hatten sich die USA Ende des 19 Jahrhunderts zur Welthandelsmacht in Landwirtschaft und Industrie entwickelt. Den wirtschaftlichen Erfolg sicherten sie sich mit einer Hochzollpolitik. 1890 hat der US-Kongress den sogenannten McKinley-Terror verabschiedet. Ein Gesetz, das der spätere US-Präsident McKinley als Kongressabgeordneter federführend vorangetrieben hatte. Bis zu 50% Zölle auf importierte Industrieprodukte wurden aufgeschlagen. Kein Wunder, dass Donald Trump von McKinley begeistert ist und ihn den Tariff King, also den Zollkönig, nennt. Man versuchte mit den hohen Zöllen vor allem die einheimische Industrie vor Exporten aus dem Ausland zu schützen. Die Produkte, die die USA damals nicht selbst produzieren konnten und die sie trotzdem importieren mussten, wurden allerdings teuer. Deshalb setzte William McKinley später auf freieren Wettbewerb und Handelsverträge. Die Zölle auf ausgewählte Produkte wurden gesenkt. Waren made in USA wurden in aller Welt verkauft. 1901 sagte McKinley, Handelskriege sind unrentabel. Eine Politik des guten Willens und der freundschaftlichen Handelsbeziehungen wird Repressalien verhindern. Gegenseitigkeitsverträge entsprechen dem Geist der Zeit, Vergeltungsmaßnahmen nicht. Vielleicht hätte es einen echten Kurswechsel gegeben, aber nur ein paar Tage nach seiner Rede wird McKinley angeschossen und erliegt wenige Tage später seinen Verletzungen. Sein Nachfolger Theodore Roosevelt hatte weniger Interesse an einer offenen Handelspolitik. Unter seiner Regierung wurde 1914 der Panama-Kanal eröffnet. Die USA planten panamerikanische Verkehrsprojekte für Schiene und Straße. Anfang des 20 Jahrhunderts waren die USA die neue Weltmacht, die weite Teile des Globus direkt oder indirekt militärisch oder wirtschaftlich beherrschte.
**SPEAKER_2** (5:58)
Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter sagte einmal, Die beste Art, die Freiheit zu stärken ist, zu zeigen, dass unser demokratisches System nachahmenswert ist.
**Mirko Drotschmann** (6:07)
Dazu hat man auch das genutzt, was man heute Softpower nennt, etwa Entwicklungshilfe. USAID, die amerikanische Entwicklungsorganisation, wurde schon 1961 gegründet. Das offizielle Ziel war es, demokratische und widerstandsfähige Gesellschaften zu unterstützen. Das gilt im Übrigen für viele Entwicklungsorganisationen, ob sie jetzt aus Japan stammen, der Europäischen Union oder Russland. Man stärkte damit immer auch den eigenen Einfluss. Bis heute streiten sich Historikerinnen und Politikwissenschaftler darüber, was denn nun ein richtiges Imperium und was Imperialismus wirklich sei. Es gibt unzählige Definitionen. Einigkeit besteht darüber, dass Imperien keine definierten Grenzen haben. Also keine Staaten im modernen Verständnis sind, sondern großräumige Gebiete, die hierarchisch gegliedert sind. Denkt etwa an Großbritannien, das zu Zeiten des Empire auch Mutter- oder Kernland genannt wurde und seine abhängigen Kolonien in Indien oder Südafrika, in denen verschiedene Völker mit eigener Kultur, eigene Religion und Sprache lehnten. Der US-amerikanische Literaturkritiker Edward Williams Said hat einmal gesagt, Jedes Empire behauptet von sich selbst und vor der Welt, dass es ganz anders als alle anderen Empires sei und dass seine Mission nicht darin bestehe, zu plündern, sondern zu erziehen und zu befreien. Wie ein Imperium tatsächlich regiert wurde, welche Rechte es hatte, wie viel militärische Macht eingesetzt wurde, um das Imperium zu sichern und in welcher Maße die abhängigen Regionen ausgebeutet wurden, das war in der Geschichte über die Jahrtausende verschieden. Auch die Gründe, warum Imperien irgendwann niedergingen, konnten ganz unterschiedlich sein. Seien es Eroberungen durch andere Imperien, interne Aufstände und Konflikte oder auch wirtschaftliche Probleme. Fest steht, bisher hat es in der Geschichte noch kein Imperium geschafft, ewig zu existieren. Zentral für ein Imperium, schreibt der Politologe Herfried Münkler, sei aber die Sicherung des Friedens. Imperien sorgten eher für einen stabilen und verlässlichen Frieden in der Welt, da man nicht mit anderen Staaten in permanenter Konkurrenz um die Führungsrolle streiten müsse. Das galt zum Beispiel lange für das Römische Reich und auch für das Britische Empire, die Friedensperioden ihren Namen gaben. Pax Romana und Pax Britannica.
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