Topics: Science
**Jenny** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen.
**Sonja Ernst** (0:07)
Fast jede zweite Frau und 40 Prozent der Männer haben schon einmal psychische Gewalt in einer Partnerschaft erlebt.
**Jenny** (0:16)
Ein Mensch, den man ja liebt, dann so zu behandeln und auch so zu beleidigen und so fertig zu machen, das habe ich nicht verstanden. Das kannte ich so einfach nicht. Ja, ich war einfach so verletzt und ich habe mich einfach nicht wertvoll gefühlt mehr.
**Sonja Ernst** (0:32)
Demütigen, bloßstellen, anschreien, kontrollieren.
Von außen ist psychische Gewalt oft schwer zu erkennen. Sie hinterlässt jedoch häufig tiefe Spuren. Wie bei Jenny, die in dieser Folge von Das Wissen, von den psychischen Verletzungen durch ihren Ex-Partner erzählt und davon, wie sie es geschafft hat, auszubrechen.
**Jenny** (0:55)
Die Angst war natürlich immer noch da, aber ich hab gedacht, wenn ich jetzt nicht gehe, irgendwann bringt dieser Mann mich um. Das hab ich mir immer wieder gedacht.
Ja, ich wollte mich einfach auch nicht mehr so wertlos fühlen.
**Sonja Ernst** (1:09)
Psychische Gewalt. Wie sie krank macht und was schützt.
**Christian Rösler** (1:13)
Von Sonja Ernst.
**Sonja Ernst** (1:16)
Psychische Gewalt geschieht nicht allein in Paarbeziehung, sondern auch in Familien. Wenn Eltern ihre Kinder immer wieder beschimpfen, anprüllen oder sie ignorieren. Immer geht es darum, die Gefühle der anderen Person zu verletzen. Anders als körperliche Gewalt hinterlässt emotionale Gewalt jedoch keine sichtbaren blauen Flecken oder Knochenbrüche. Das macht sie für Außenstehende teils schwer erkennbar. Zudem wird sie stärker verharmlost, sagen viele Fachleute.
Wo also beginnt psychische Gewalt? Welche Folgen hat sie für die Opfer? Und wie lassen sich diese krank machenden Verhaltensmuster in Familienunpartnerschaften verhindern oder durchbrechen? Darum geht es in dieser Folge. Zunächst schauen wir auf psychische Gewalt bei Paaren, dann zwischen Eltern und Kindern.
Dass ihr Partner gewalttätig ist, behält Jenny lange für sich. Zu groß war die Scham und manchmal auch die Hoffnung, dass es doch wieder gut werden könnte. Denn die Partnerschaft begann sehr schön.
**Jenny** (2:21)
Er war sehr aufmerksam, sehr charmant und hat mir auch gezeigt, dass er mich wirklich sehr gerne hat. Es war eigentlich eine sehr harmonische, schöne Zeit, wo wir viel unternommen haben.
**Sonja Ernst** (2:34)
Jenny ist heute um die 30 Wir nennen hier nur ihren Vornamen. Als sie sich in ihren damaligen Partner verliebt, ist sie Anfang 20
Schon bald wird Jenny schwanger. Beide wollen das Kind und eine Familie gründen. Doch das Miteinander verändert sich. Jennys Partner wird die Schwangerschaft zunehmend egal. Er hilft nicht im Haushalt und fängt an, sie zu kontrollieren.
**Jenny** (2:56)
Ich hab mir aber für mich selber eingeredet, okay, vielleicht nehme ich das zu ernst in dem Moment.
**Sonja Ernst** (3:01)
Doch es wird viel schlimmer.
**Jenny** (3:03)
Ja, es ist ja extrem eskaliert. Es fing immer an mit dem Streit und diese emotionale Abpressungen, Beleidigungen und wenn er dann komplett ausgeflippt ist.
**Sonja Ernst** (3:13)
Neben der psychischen Gewalt kommt es auch zu körperlicher und sexualisierter Gewalt.
**Jenny** (3:17)
Die Beleidigungen wurden einfach immer schlimmer, wenn er mir nicht körperlich geworden ist und er ausgeflippt ist. Er hat mich so angeschrien, er hat mich an die Wand gedrängt und mir laut ins Ohr geschrien und mich fertig gemacht, fürs für ein dreckiger Mensch ich einfach immer wieder sei.
**Sonja Ernst** (3:33)
Zwischendurch entschuldigt sich Jennys Partner und bittet sie um Verzeihung, Dynamiken wie sie oft bei häuslicher Geweihd vorkommen. Jenny zweifelt zunehmend an sich selbst und bleibt zunächst. Wie es ihr gelingt, die Beziehung zu beenden, hören wir später noch.
Im Februar 2026 veröffentlichten die Bundesregierung und das Bundeskriminalamt die Dunkelfeld-Studie Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag. Es geht um Fälle, die nicht angezeigt wurden. Dazu gehört auch psychische Gewalt in aktuellen sowie Ex-Partnerschaften.
In den sozialen Medien ist häufig auch von toxischen Beziehungen die Rede, doch psychische Gewalt geht darüber hinaus. Fachleute sprechen oft auch von emotionaler Gewalt. Die Dunkelfeld-Studie unterteilt psychische Gewalt in Bedrohung, Kontrolle, ökonomische und emotionale Gewalt. Die Erhebung zeigt, in den vergangenen fünf Jahren erlebten mehr als 20 Prozent der Frauen mindestens einmal emotionale Gewalt in einer Partnerschaft und knapp 18 Prozent der Männer. Frauen sind jedoch häufiger Opfer und die Gewalt ist massiver. Nur etwa ein Prozent der Frauen und Männer erstatten Anzeige.
Wie äußert sich psychische Gewalt durch den Partner, die Partnerin? Darüber sprechen wir mit Christian Rösler. Er ist Professor für klinische Psychologie an der katholischen Hochschule in Freiburg, forscht unter anderem zu Gewalt in Partnerschaften und arbeitet als Partherapeut.
**Christian Rösler** (5:11)
Ein wichtiger Aspekt von psychischer Gewalt ist auch Kontrolle, also dass man die Person sehr stark kontrolliert, zum Beispiel den Zugang zu Freunden beschränkt und dass man auf diese Weise eben auch die Freiheit, die Handlungsmöglichkeiten der Person einschränkt.
**Sonja Ernst** (5:25)
Streit gibt es in fast jeder Partnerschaft, manchmal schreien Paare sich dabei auch an und sagen gehässige Dinge.
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