**SPEAKER_1** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen Das Kapital ist ein scheues Reh.
**SPEAKER_2** (0:13)
Mit dieser Warnung vor Regulierung und Besteuerung beginnt die Free Cities Conference in Prag. Eine Konferenz über die Zukunft von Privatstädten.
Privatstädte? Ja, davon träumen nicht nur Elon Musk, Peter Thiel und Donald Trump. In einem eleganten Saal im Art-Dekostil eines Prager Hotels hat sich im November 2025 ein internationales und recht betuchtes Publikum eingefunden.
**Quince Lobodian** (0:42)
Kapital ist ein scheues Reh, das wissen sie.
Und deshalb schauen wir uns zunächst an, wie Millionäre abwandern. Denn sie sind die Ersten, die abwandern. Und es ist aufstoßreich zu untersuchen, wohin sie gehen und welche Orte sie verlassen.
**SPEAKER_2** (0:57)
Gemeint sind Menschen, die dem Staat misstrauen, keine Steuern zahlen wollen und am liebsten abwandern würden. Sie machen sich bereit, ihre libertären Ideen zu verwirklichen. Privatstädte– Libertäre Utopie als Geschäftsmodell von Kai Laufen und Florian Barth von der SWR Recherche Unit Das bekannteste Projekt an der Privatstadt ist Próspera auf der Karibikinsel Roatan, die zu Honduras gehört. Der Tech-Milliardär Peter Thiel fördert die Unternehmung. Eine Stadt würden US-Milliardäre ebenfalls gerne auf Grünland gründen. Aber es gibt diese Projekte auch in Europa. Liberland– ein Scheinstaat auf einer Insel im serbisch-kroatischen Grenzgebiet will zum Beispiel ein steuerfreies Paradies für Krypto-Enthusiasten und Start-ups werden.
Was steckt, außer viel Geld, hinter diesen Ideen? Das ist das, was uns an diese Recherche interessiert. Wie weit sind die Pläne dafür? Wer will mitmachen und wer sind die Ideengeber? Deshalb haben wir in Prag die Free-Cities-Konferenz besucht und mit Gründern, Investoren und selbst ernannten Präsidenten gesprochen.
Rund 300 Gäste sitzen im Saal, fast alles Männer. Elegante Anzüge, goldene Krawattennadeln, teure Schuhe.
Er wisse, dass nicht alle hier Millionäre seien, scherzt Gastgeber Titus Gebel mit seinem Publikum. Aber alle seien sehr mobil und würden über diese Dinge nachdenken, deshalb seien sie schließlich hier.
Titus Gebel ist ein deutscher Unternehmer, geboren 1967 Er hat in Heidelberg Jura studiert und promoviert, schreibt er auf seiner Homepage. Sein Buch über freie Privatstädte wurde von der Wirtschaftswoche und der neuen Züricher Zeitung wohlwollend besprochen. Mit einigen Mitstreitern hat Gebel die Free Cities Foundation gegründet. Die Stiftung veranstaltet die Konferenz in Prag als Vernetzungstreffen einer kleinen, aber internationalen und finanzstarken Szene.
**Mark Felix Otto** (3:08)
In der Free Cities Bewegung bin ich eigentlich ein Unterstützer vom Titus Gebel.
**SPEAKER_2** (3:12)
Sagt Mark Felix Otto. Der deutsch-schweizerische Unternehmensberater sitzt im Stiftungsrat der Free Cities Foundation. Er erläutert die Grundidee der Privatstadt.
**Mark Felix Otto** (3:22)
Unser Ansatz sagt, wenn wir menschliches Zusammenleben vertragsbasiert aufgebaut bekommen, anstatt einer Verfassung, die einseitig aufgesetzt wird, wirklich ein expliziter Vertrag, quasi eine Verfassung, die ich selber unterschreibe, die auch dann eigentlich nicht geändert werden kann von einer Seite, sondern nur im beiderseitigen Einvernehmen. Ich denke, das könnte ein Schritt vorwärts sein, so wie damals auch der liberale Verfassungsstaat ganz kleinen Schritt vorwärts gegenüber dem Absolutismus war.
**SPEAKER_2** (3:45)
Demokratie ist für die Anhänger der Privatstadtbewegung nur eine Form, wie eine Gesellschaft zu Entscheidungen kommt, und zwar nicht die beste. Konsens könne auch auf andere Weise entstehen, etwa durch vertragsbasierte Beziehungen zwischen Anbietern und Kunden. Dann würden sich beide Seiten freiwillig für eine Geschäftsbeziehung verabreden.
Wichtiger Teil der Idee, demokratische Mitsprache würde so überflüssig werden.
**Mark Felix Otto** (4:12)
Solange die Gesellschaft funktioniert und der Vertrag eingehalten wird, gibt es dafür nur sehr wenig Masse, was zu entscheiden wäre. Die Idee ist ja schon, dass es grundsätzlich privatwirtschaftlich organisiert wird, das Zusammenleben, weil es eben eine vertrauensbasierte Gesellschaft ist, funktioniert ohne Zwang, das ist das Ziel.
**SPEAKER_2** (4:28)
Mark Felix Otto spricht die Sprache der Libertären. In ihrem Weltbild sind Regierungen und Staaten überflüssig und sogar kriminell.
Denn sie wenden Zwang an, um Steuern einzutreiben. Wir haben das genauer beschrieben, in unserer Das Wissen Folge, wie Libertäre Staat und Demokratie bedrohen. So heißt das Credo der Libertären, Steuern sind Raub. Diese Grundüberzeugung lässt sich bis zu Thomas Jefferson zurückverfolgen, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika.
**Mark Felix Otto** (4:59)
Jefferson und so, die hatten alle eigentlich super Recht, in dem was sie versucht haben mit dem liberalen Verfassungsstaat, der eine Konstruktionsfehler ist, dass die Institution selbst sich finanziert und auch basiert irgendwo auf einem gewissen Maß an Zwang. Wenn jemand eben nicht einverstanden ist, kann er aus dem Gemeinwesen nicht austreten.
**SPEAKER_2** (5:15)
Thomas Jefferson vertrat als dritter Präsident der USA die Ansicht, der Staat solle möglichst niedrige Steuern einnehmen und seine Ausgaben stattdessen über die Einnahmen aus Zöllen finanzieren. Das erinnert an die Politik des heutigen US-Präsidenten Donald Trump, für den Jefferson zur kulturellen DNA der Vereinigten Staaten gehört.
Auf der Privatstadtkonferenz in Prag können wir mit einem weiteren Libertären sprechen, mit Vít Jedlitschka, Gründer und Präsident der Freien Republik Liberland.
**Vít Jedlitschka** (5:48)
Mein Name ist Vít Jedlitschka, ich bin der Founder und Präsident der Freien Republik Liberland.
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