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Presseklub: Wie sich trotz Klimakrise (über-)leben lässt

Apokalypse & Filterkaffee

July 18, 2026

Die Klimakrise ist in Deutschland inzwischen Alltag: Hitzetage, überhitzte Wohnungen, Städte, die sich wie Backöfen anfühlen – und gleichzeitig mehr als 5.000 hitzebedingte Todesfälle allein im ersten Halbjahr 2026.
Speakers: Markus Feldenkirchen, Leonie Sontheimer, Sven Plöger, Morten Freidel, Walter Kreuzfeld, Friedrich Merz
**Markus Feldenkirchen** (0:00)
Es ist Samstag, der 18 Juli.

**SPEAKER_2** (0:14)
Apokalypse und Filterkaffee. Der Presseklub mit Markus Feldenkirchen.

**Markus Feldenkirchen** (0:24)
Friedrich Merz geht zufrieden mit sich in die Sommerpause. Die Bilanz ist positiv, sagt er, über die Arbeit der von ihm geführten Bundesregierung. Und es stimmt ja, dass die Koalition zuletzt einige Kompromisse für Reformen finden konnte als ihre Vorgängerinnen. Trotzdem war es lange krampfig und mühsam. Und das lag stark an Merz selbst. Wohl nie zuvor ist ein Kanzler so unvorbereitet, ungeschult ins Amt gekommen, als seien ihm die normalsten politischen Vorgänge unbekannt. Als echter Arbeitnehmer hätte er die Probezeit kaum überstanden. Man kann nur hoffen, dass die Einarbeitungszeit nun abgeschlossen ist. Jens Spahn und sein Partner sind Papas geworden. Das ist schön, herzlichen Glückwunsch und Gottes Segen für den kleinen Georg. Nicht ganz so schön ist die Bigotterie dahinter. Über das Prinzip Leihmutterschaft hat Spahn einst gesagt, als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden. Als nicht schwuler Mann und Christ kann ich dem nur zustimmen. Unglücklich ist dann nur, wenn man als Politiker eine ethisch fragwürdige Dienstleistung in Deutschland zurecht ablehnt und verhindert, sie aber selbst für viel Geld im Ausland einkauft. Das Private ist politisch, hier ganz besonders. In dieser Woche hat sich die Flutkatastrophe im Ahrtal zum fünften Mal gejährt. Die Überschwemmung hat viele Existenzen verwüstet, sie hat 156 Menschen das Leben gekostet und Armin Laschet nur die Kanzlerschaft. Viele Mitbürger begriffen damals zum ersten Mal, dass der Klimawandel nicht nur positive Folgen hat. Von wegen ist doch herrlich, da müssen wir nicht mehr extra nach Mallorca, sondern brandgefährlich ja tödlich ist.
Ja, die Hitzewellen werden intensiver. Allein bis Ende Juni sind in Deutschland laut jüngsten Zahlen vom RKI über 6.8 Menschen an den Folgen von Hitze gestorben. Das Statistische Bundesamt geht für diesen Sommer von bis zu 13 hitzebedingten Todesfällen aus.
Europa erwärmt sich dabei doppelt so schnell wie der Rest der Welt und Experten sprechen schon von einem anstehenden Super El Nino, der kurz vor der Tür steht. Medien und Gesellschaft scheinen sich derweil immer weniger für den Klimawandel und seine Folgen zu interessieren, obwohl er längst unseren Alltag beeinflusst. Wir wollen das ändern, heute zumindest. Und auch wenn das Wort Apokalypse in unserem Namen steckt, wollen wir dabei nicht dem Fatalismus verfallen, sondern darüber sprechen, was sich konkret tun lässt, um unser Leben trotz allem so lebenswert wie möglich zu erhalten. In unseren Städten, unseren Wohnungen, im Urlaub.
Oder anders gefragt, wie gestalten wir unser Leben, unsere Gesellschaft, unseren Alltag, um trotz Erderwärmung halbwegs zurechtzukommen. Der Apofika Presseklub mit diesen Gästen.
Leonie Sontheimer, freie Klimajournalistin, Mitgründerin des Netzwerk Klimajournalismus in Deutschland. Sie arbeitet unter anderem für Zeit Online oder den Deutschlandfunk. Sie kritisiert, dass Medien beim Klima zu oft auf Schock und selten auf Lösungen setzen und fordert, Klima nicht als eigenes Ressort, sondern als ständig mitzudenkende Dimension in allen Themen zu behandeln. Morten Freidel, stellvertretender Chefredaktor der NZZ Deutschland, zuvor langjähriger Politikredakteur bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Autor des Buches So rettet ihr das Klima nicht, indem er die deutsche Energiewende als Lebenslüge der Politik bezeichnet. Er erkennt den Klimawandel an, hält aber die bisherige Klimapolitik für zum Teil ideologisch, teuer und falsch aufgesetzt und plädiert für Technologieoffenheit statt Verbots- und Verzichtsrhetorik. Und Sven Plöger, Diplom, Meteorologe, ARD, Wetterexperte und Bestsellerautor von Büchern wie Zieht euch warm an, es wird noch heißer. In dem er verständlich erklärt, wie unser Klimasystem funktioniert und warum die aktuelle Krise vor allem ein Handlungs- und weniger ein Wissensproblem ist. Er warnt, dass sich Hitzewellen in Europa massiv häufen werden und wirbt zugleich für einen begründeten Optimismus. Worin der besteht, wird er uns hoffentlich gleich verraten. Herzlich willkommen euch dreien. Schön, dass ihr dabei seid. Ja, hallo.

**Leonie Sontheimer** (4:43)
Vielen Dank. Danke auch.

**Markus Feldenkirchen** (4:45)
Wir wollen mit etwas beginnen, das viele gerade beschäftigt. Dem Sommerurlaub und der Frage, wie viel Hitze man sich eigentlich noch freiwillig antut. In Südeuropa sind 40 Grad und mehr. Inzwischen keine Ausnahme mehr. Reisetrends gehen Richtung Coolcation. In kühlere Regionen verreisen klassische Mittelmeerziele geraten unter Druck. Ich fange mal bei dir an, Sven. Wohin geht es bei dir diesen Sommer?

**Sven Plöger** (5:09)
Bei mir geht es tatsächlich ins Baltikum und zwar direkt übermorgen. Heute ist Samstag, also übermorgen geht es los. Und da habe ich schon nachgeguckt, 2021 vielleicht später 25, 26 Grad. Die hatten aber Ende Juni auch schon 37

**Markus Feldenkirchen** (5:26)
Ja, aber klar, eher nördlich von Deutschland bist du unterwegs. Leonie, wenn du in diesem Sommer deinen Urlaub machst, zieht es dich doch noch in den Süden oder gehen in deine Planung Temperaturüberlegungen mit ein?

**Leonie Sontheimer** (5:39)
Ich bin vor knapp drei Jahren von Berlin in den Süden von Deutschland gezogen, in die Berge. Und jetzt bin ich so nahe an Italien und Kroatien, dass es uns bisher eher noch dorthin zieht. Und mit der Hitze rechnen wir dann aber trotzdem.

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