**Markus Feldenkirchen** (0:00)
Es ist Samstag, der 11 Juli.
**SPEAKER_2** (0:14)
Apokalypse und Filterkaffee. Der Presseklub mit Markus Feldenkirchen.
**Markus Feldenkirchen** (0:24)
Kai Wegner, Berlins regierender Bürgermeister, noch, wie Jürgen Klopp sagen würde, zieht seine Kandidatur für die Wahl im September zurück. Und das nur, weil er der inzwischen dritten Lüge über sein Krisenmanagement nach dem großen Stromausfall überführt wurde. Zuletzt kam heraus, dass er in der Krise nicht nur Tennis spielen war und gewisse Telefonate erst zu einem späteren Zeitpunkt führte, sondern, dass er vor der Tennisstunde eigentlich gar nicht telefonierte.
Ich finde den Rückzug zwei Tage vor dem Wimbledon-Finale deutlich verfrüht. Für mich wäre er erst reif gewesen, wenn herausgekommen wäre, dass Wegner gar nicht Tennis, sondern dieses verfluchte Paddle gespielt hat. Vor dem NATO-Gipfel in Ankara hat Donald Trump wieder mal rumgewütet wie ein Vollpflege.
Die heftigsten Tiraden bekam Spanien ab. Ein schrecklicher Partner sei das.
Aber das Gute ist, die anderen NATO-Vertreter haben sich von diesem Irrsinn weder beeindrucken, noch erpressen lassen und am Ende sogar mit Trump vernünftige Beschlüsse gefasst. Natürlich ist es ein bisschen unwürdig, wenn sich alle Erwachsenen im Raum nach dem einzigen verhaltensauffälligen Kleinkind ausrichten müssen. Aber so ist die Lage nun mal, wenn in diesen Zeiten Weltpolitik gemacht wird. Ganz anders reagierte Gianni Infantilo auf Trump, nämlich unterwürfig wie immer. Auf Trumps Drängen beim FIFA-Boss wurde tatsächlich eine Rotsperre gegen einen Spieler der US-Mannschaft ausgesetzt. Wenn das so einfach ist, muss man Friedrich Merz eigentlich absolutes Führungsversagen vorwerfen, dass er die Aberkennung des Tators einfach so hingenommen hat.
Ja, es war der Eklat dieser laufenden WM. Donald Trump griff zum Telefon und auf einmal wirkte der mächtigste Fußballverband der Welt wie der Erfüllungsgehilfe des US-Präsidenten. Das stelle alles in Frage, kommentierte der neue Alleskönner im deutschen Fußball Jürgen Klopp. Und tatsächlich liegt nun ein gewaltiger Schatten über der noch laufenden Weltmeisterschaft. Bei jeder heiklen Entscheidung schwingt plötzlich der unschöne Gedanke mit, wer hat denn da die Finger im Spiel? Seit Jahren umranken die FIFA und ihre Chefs Skandale. Es geht um Stimmenhandel, Profit- und Geldgeilheit, Deals mit Diktatoren. Am Ende dieser irren Woche sprechen wir heute über einen Verband, der nicht ohne Grund von vielen als korruptester Verein der Welt beschrieben wird. Viel Geld, viel Macht, viel Abhängigkeiten, wenig Kontrolle. Wie kaputt ist die FIFA? Wie sehr schadet sie dem wundervollen Sport? Und könnte sich der Fußball überhaupt von ihr befreien? Der Apofika-Presseklub mit diesen Gästen.
Thomas Kistner, Sportredakteur der Süddeutschen Zeitung, von manchen das schlechte Gewissen des deutschen Sportjournalismus genannt. Er ist der Fachmann zu unserem Thema. Sein Buch FIFA Mafia dokumentiert, wie sich rund um den beliebten Sport ein globales Patronage-Netzwerk etabliert hat. Schmiergelder, gekaufte WM-Vergaben, Verflechtungen mit organisierter Kriminalität. Kaum jemand in Deutschland kennt die Schattenseiten dieses Sports so genau. Und kaum jemand schreibt darüber so unerbittlich. Arnd Zeigler, seit 2001 Stadionsprecher bei Werder Bremen und seit vielen Jahren Moderator der wunderbaren WDR-Sendung Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs. Außerdem ist er Mitglied der Deutschen Akademie für Fußballkultur. Er weiß, wie sich das alles für jemanden anfühlt, der einfach ins Stadion gehen möchte, Fußball liebt und seit Jahren sich trotzdem fragt, wann ihm die FIFA auch diesen Raum noch kaputt macht. Und Alina Schwermer, freie Journalistin, schreibt vor allem für die Taz, aber auch für andere Medien über die politischen und ökonomischen Strukturen des Fußballs. Ihr Buch Futopia stand auf der Shortlist zum Fußballbuch des Jahres und stellt eine unbequeme Frage. Ist ein besser Fußball überhaupt noch möglich? Hörerinnen des Presseklubs wissen, dass Alina gerade auf einem Roadtrip von Mexiko nach New York City ist und sich gerade in Kansas City befindet. Und dort die WM aus nächster Nähe verfolgt. Herzlich willkommen euch dreien. Schön, dass ihr dabei seid.
**Thomas Kistner** (4:37)
Hallo. Hallo. Hallöchen.
**Markus Feldenkirchen** (4:39)
Ja, ein einziger Anruf, der nicht nur zeigt, wie dreist Donald Trump ist, sondern auch wie unseriös die FIFA unter Gianni Infantino. Es war ein Moment, der zum Präzedenzfall werden könnte. Ein Moment, in dem die Grenze verwischt zwischen sportlicher Entscheidung und politischer Einflussnahme. Die Empörung darüber ist riesig. Donald Trump rechtfertigte seine Intervention bezüglich der Rotsperre eines US-Spielers genau so.
Er forderte, man solle sich einfach da so eine umstrittene Szene nochmal anschauen. Also das Foul des US-Spielers Balogun und die anschließende Sperre für ein Spiel. Woher also diese große Empörung? Ist doch keine große Sache, oder?
**Arnd Zeigler** (5:50)
Ja, ich finde den Ruto, den du da gespielt hast, der geht ja glaub ich noch weiter. Und ich glaube, er sagt ja noch, dass er überhaupt nicht kapiert hat, dass die rote Karte irgendwas zu bedeuten hat. Er hat nur gedacht, rote Karte, okay, gar nicht so schlimm. Und dann hat er kapiert, dass es eine Sperre gibt. Und das fand er dann plötzlich ungerecht. Das Ding ist, wir reden ja hier nicht über Formalien, wir reden darüber, dass Donald Trump seiner Meinung nach eingreifen wollte, weil er sagte, das ist kein Faul. Und das ist natürlich eine Ebene, die ist viel schlimmer als ohnehin schon. Also viel schlimmer als wenn wir nur einen Politiker hätten, in Anführungsstrichen, der ins Reglement in irgendeiner Form eingreift. Aber wenn der jetzt schon da sitzt und sagt, so schlimm war das doch nicht, deswegen greife ich mal ein. Das hat natürlich eine Qualität, die uns alle geschockt hat und die natürlich auch für uns diese WM auf ein negatives Level gehoben hat, was wir uns vorher gar nicht hätten vorstellen können.
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