**Markus Feldenkirchen** (0:00)
Es ist Samstag, der 25
**Nikolaus Blome** (0:02)
Juli.
**SPEAKER_3** (0:14)
Apokalypse und Filterkaffee. Der Presseklub mit Markus Feldenkirchen.
**Markus Feldenkirchen** (0:25)
Donald Trump würde FIFA-Boss Gianni Infantilo gerne zum UN-Generalsekretär machen, heißt es aus dessen Umfeld. Das böte der Welt ganz neue Möglichkeiten. Die Zahl der Länder würde erst mal verdoppelt und der Sitz der Vereinten Nationen vermutlich nach Saudi-Arabien verlegt. Die Sanktionen gegen Nordkorea und andere Schokenstaaten würden einkassiert und Lionel Messi könnte Annalena Baerbock als Chef der Generalversammlung ablösen. Ganz nebenbei hätte die FIFA die Chance, doch noch ein seriöser, ehrenhafter Fußballverband zu werden.
Habemus Kloppo, der prominenteste Animateur Deutschlands, ist endlich Bundestrainer und bereit, den deutschen Fußball zu retten. Den deutschen Fußball? Ach was, das ganze Land. Er habe ein paar Mal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann, sagte Klopp bei seiner Präsentation am Freitag, um dann zu ergänzen. Und ich bin mir sicher, dass erfolgreicher Fußball auch ein ganzes Land verändern kann.
Jetzt geht es also doch noch aufwärts mit unserem Land, zumindest in Sachen Hybris.
Der andere Bundestrainer, Friedrich Merz, ist plötzlich in einem derartigen Alles muss raus, alles muss sich ändern-Modus. Wenn ich Charlotte Merz wäre, würde ich mir langsam Sorgen machen. Nichts bleibt so, wie es war in seinem Umfeld, zumindest in seinem Politischen. Der Fraktionschef? Neu. Die Kanzleramtschefin? Neu. Der Gesundheitsminister?
**Nikolaus Blome** (1:51)
Neu.
**Markus Feldenkirchen** (1:51)
Der Generalsekretär?
**Nikolaus Blome** (1:53)
Neu.
**Markus Feldenkirchen** (1:53)
Weitere Ministerinnen und Minister werden auch noch gefeuert. Wenn es jetzt noch einen frischen Bundeskanzler gäbe, okay, jetzt geht die Fantasie mit mir durch. Tja, eigentlich hatten wir uns mit Beginn der Sommerpause für heute eine ausgeruhte Rückschau auf dieses erste Halbjahr 2026 in der deutschen Politik vorgenommen. Aber dann kam uns Jens Spahn dazwischen. Das Spahn-Beben und seine beträchtlichen Folgen.
Wir nehmen am Freitagabend auf und ich kann euch nicht sagen, wer bis zum Erscheinen dieses Podcasts sonst noch alles amt- und würdelos ist. Mit seiner Entscheidung, per Leihmutterschaft Vater zu werden, brachte Jens Spahn ein wahres Personalkarussell in Gang. Ausgang ungewiss. Aber wie kam es überhaupt zu dieser Eruption? Was genau? Erhofft sich der Kanzler vom großen Umbau?
Und was bedeutet all das möglicherweise für die Landtagswahlen im September, bei denen es der AfD in Sachsen-Anhalt zumindest gelingen könnte, die erste Staatskanzlei in Deutschland zu erobern? Der Apofika-Presseklub mit diesen Gästen.
Nikolaus Blome, der Leiter des Ressorts Politik und Wirtschaft bei RTL und NTV, sagt über die Causa Jens Spahn, dieser Rücktritt schmeckt sehr fade. Und er sagt auch, Spahn wird in die Politik zurückkehren. Seine Wette mit dem Kollegen Gabor Steingart, bis Spahns frischgeborener Sohn Kjork eingeschult ist, ist Jens Spahn auch wieder in großen Ämtern. Anna Lehmann, sie ist Leiterin des Parlamentsbüro der TATS und eine der pointiertesten linken Stimmen im politischen Berlin. Sie meint, mit der Nominierung von Thorsten Frei als Fraktionschef knüpft Merz sein eigenes politisches Schicksal an den Erfolg von Frei. Wenn der an den komplexen Aushandlungen mit dem Koalitionspartner SPD scheitert, wäre auch Merz gescheitert. Und Christoph Hickmann, er ist Leiter des Hauptstadtbüros des Spiegel in Berlin.
Noch im Mai mahnte er den Kanzler, dass demokratische Politik keine Netflix-Serie sei, sondern ein zähflüssiger Prozess, der seriöses und politisches Handwerk brauche. Nach den Kanzlermoves der letzten Tage frage ich mich jetzt natürlich, ist das gerade mehr Netflix oder seriöses Handwerk? Hallo euch dreien, schön, dass ihr heute im Presseklub seid, in unserer letzten Sendung vor der Sommerpause.
**Christoph Hickmann** (4:13)
Hallo.
**Anna Lehmann** (4:14)
Hallo, sei gegrüßt.
**Christoph Hickmann** (4:15)
Guten Tag, Markus.
**Markus Feldenkirchen** (4:16)
Ja, es gibt gerade nach dieser Woche so viel einzuordnen, zu erklären, zu sortieren. Deshalb ist es gut, dass gerade ihr hier seid. Wir gehen mal der Reihe nach vor. Letzte Woche ging ja dann doch alles überraschend schnell. Am Mittwochnachmittag machte Jens Spahn sein Babyglück per Selfie und schwülstigster Begleitlörik in der Bild bekannt. Drei Tage später drängt ihn dann der Bundeskanzler persönlich zum Rücktritt. In seiner Abschieds-Mail an die Kollegen aus der Fraktion schrieb Jens Spahn, der Spagat zwischen meiner privaten Entscheidung zu einem Kind durch Leihmutterschaft und der nachvollziehbaren Erwartung an mich als Vorsitzenden unserer Fraktion sei größer geworden, als ich es erwartet hatte. Kanzler Merz kommentierte das Ende von Spahn kühl. Die Entscheidung ist richtig und war unvermeidlich. Glaubwürdigkeit ist in der Politik das höchste Gut.
Christoph, jetzt hat Friedrich Merz den Rücktritt ja für eine riesige Personalrochade genutzt. Da gehen wir gleich auch die Personen im Einzelnen durch. Es scheint fast so, als hätte er nur auf diese Gelegenheit gewartet. Was meinst du? Kam dieser Rücktritt von Jens Spahn Friedrich Merz auch ganz gelegen?
**Christoph Hickmann** (5:26)
Ja, ich habe mich da, man muss dazu sagen, ich sitze hier an meinem Urlaubsort in Dänemark, guck das alles also so ein bisschen aus der Kulisse an. Und das macht alles noch ein bisschen surrealer. Also das Stichwort Netflix Serie, was wir vorhin hatten.
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