Topics: Science
**SPEAKER_1** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen.
**Wilhelm Hüffer** (0:07)
Der Kabarettist Florian Schröder ist das bei einem Auftritt im Mainzer Unterhaus.
**Florian Schröder** (0:11)
Herzlich willkommen zu endlich glücklich zu Mainz. Und ich darf sagen, ich bin glücklich, heute Abend hier zu sein und das sage ich nur heute Abend in Mainz.
**Wilhelm Hüffer** (0:19)
Schröder legt sich mit Corona-Leugnern an, mit Rechtsextremen und Rechtspopulisten. Ich treffe ihn später in seiner Garderobe. Dort erzählt er mir, dass er oft beschimpft wird. Zum Beispiel als Vaterlandsverräter.
**Florian Schröder** (0:30)
Ständig kommt jemand und sagt, dass ich ein grauenhafter Geselle bin, der nicht in der Lage ist, die deutsche Nation oder das, was uns ausmacht, so zu verteidigen, wie sich das eigentlich gehört.
**Wilhelm Hüffer** (0:42)
Damit meint Florian Schröder Nationalismus. Also nicht einfach stolz auf die eigene Nation, sondern das Bedürfnis, andere runterzumachen. Für Nationalisten zählen andere Nationen oder Völkern nicht. Immer nur die eigene Heimat.
**Florian Schröder** (0:56)
Ich sehe eigentlich nur nationalistische Bestrebungen, die zugleich in irgendeiner Form mit einer Feindschaft einhergehen. Sie braucht immer etwas vorrauf, sie reagiert und wovon sie sich absetzen kann und was sie tendenziell zum Feind machen kann.
**Wilhelm Hüffer** (1:14)
Nationalisten brauchen Feinde, das stimmt. Doch wie steht es um Patriotismus? Gehört auch zum patriotischen Gefühl? Immer ein Feind, habe ich mich gefragt und wollte es genauer wissen. Denn es gab in der deutschen Geschichte Menschen, die Patriotismus durchaus mit der Freiheit und Gleichheit aller Menschen verbunden haben, ohne Feindbilder.
Patriotismus ohne Hass Geschichte eines liberalen Nationalgefühls von Wilhelm Hüffer Gibt es das, einen Patriotismus, der sich von giftigem Nationalismus unterscheiden lässt? Gibt es also eine Alternative zum Nationalismus, zur ständigen Unterteilung in Freund und Feind?
Schon immer gab es Versuche, Patriotismus genauso zu definieren, als stolz aufs eigene Land, auf seine Verfassung, seine Werte, ohne deshalb andere Staaten abwerten zu müssen. Die Frage ist nur, kann das auch kann auch? mit dem deutschen Patriotismus funktionieren. Darüber spreche ich mit Florian Schröder. Er glaubt nicht daran. Stolz zu sein auf ein Land, in dem er ganz zufällig geboren ist, diese Idee verstehe er einfach nicht.
**Florian Schröder** (2:27)
Ich kann das Land wertschätzen. Ich kann wertschätzen, welche Chancen mir geboten wurden in diesem Land, was ich in diesem Land aufbauen konnte. Das alles habe ich. Ich kann auch anerkennen, dass dieses Land es geschafft hat, in Frieden zu leben über eine doch lange Zeit, nachdem es ihm früher nicht gelungen ist. Alles in Ordnung, alles richtig.
Da muss man auch nicht in so einen falschen alles ist scheiße hier duktlos verfallen. Aber der Patriotismus ist mir absolut fremd.
**Wilhelm Hüffer** (2:54)
Natürlich kenne ich diese Auffassung. Und Florian Schröder ist mit seiner Meinung auch absolut nicht allein. Eine aktuelle Umfrage des Instituts INSA vom Sommer 2026 zeigt, etwa die Hälfte der Bevölkerung steht Patriotismus eher skeptisch gegenüber. Aber es gibt auch ein starkes Lager der Befürworter von mehr Patriotismus. Nur geht es da schnell wieder ins nationalistische hinein.
So stimmte ein Drittel der Deutschen in einer Umfrage 2024 dem Satz zu, endlich wieder Mut zu einem starken Nationalgefühl zu haben. Ich frage mich, lässt sich also Patriotismus von Nationalismus überhaupt trennen? Wenn ich mir eine Rede eines AfD-Politikers wie Björn Höcke anhöre, scheint das nahezu unmöglich.
**Björn Höcke** (3:42)
Der Afghane, der zu uns kommt, der hat noch sein Afghanistan. Und der Senegalese, der zu uns kommt, der hat noch seinen Senegal.
Wenn wir unser Deutschland verloren haben, dann haben wir keine Arbeit mehr.
**Wilhelm Hüffer** (4:01)
Björn Höcke fordert deshalb einen sogenannten sozialen Patriotismus. Und das bedeutet dann, staatliche Leistungen soll es nur geben für Menschen ohne Einwanderungsgeschichte. Wer eingewandert ist aus Afghanistan oder dem Senegal, gehört eben nicht dazu.
Landet also, wer sich Patriotismus wünscht, immer bei den nationalistischen Feindbildern? Geht das in Deutschland gar nicht anders? Oder gibt es einen anderen, einen liberalen Patriotismus? Das möchte ich genauer wissen. Und lande auf der Suche danach in einer schönen Stadt, in Heidelberg.
Hier nämlich ist ein liberales Nationalgefühl entstanden zu Beginn des 19 Jahrhunderts. Die Nation. Darunter verstand man vorher eher die Zugehörigkeit zu einer Kulturgemeinschaft, eine gemeinsame Sprache zu sprechen, gemeinsame Traditionen. Jetzt jedoch entsteht etwas Neues. Der Wunsch, in einem freien Land zu leben, über Bürgerrechte zu verfügen und auf diese errungene Freiheit stolz zu sein. Ohne Feindbilder.
Auf dem Marktplatz treffe ich die Stadthistorikerin Petra Nell. Für sie ist klar, von patriotischen Gedanken führt keineswegs automatisch der Weg zu Hass und Fremdenfeindlichkeit.
**Petra Nell** (5:23)
Also ich gucke eigentlich immer viel stärker auf die positiven Tendenzen. Wo überall regt sich was, in welchen Gesellschaftsschichten hat sich demokratisches Gedankengut verbreitet und wurde so stark verankert und verfestigt, dass in Baden eine Revolution möglich war. Ich glaube nicht, dass es in der Natur der Heidelberger oder der Badener liegt, fremdenfeindlich zu sein.
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