**Ineas Rohr** (0:02)
ARD Sounds, Das Wissen Na endlich, die Klamotten, die ich bestellt habe, sind da. Ich bin gespannt. Ich habe wie immer von jedem Stück mehrere Größen bestellt, denn manchmal passt mir M, manchmal L. Das ist immer anders. Man weiß es nie vorher. Mindestens die Hälfte der Kleidung werde ich also wieder zurückschicken. Für mich ist das umständlich. Für die Händler ist das teuer und für die Umwelt ist das problematisch.
Künstliche Intelligenz könnte dieses Problem lösen und Retouren reduzieren. Eine KI sagt voraus, welche Größe mir passt, bevor ich auf Bestellen klicke. Daran wird gearbeitet, in der Industrie und in der Wissenschaft. Wie gut klappt das? Und wie funktionieren solche Systeme?
Darum geht es in dieser Folge von Das Wissen.
**SPEAKER_2** (1:02)
Online-Mode-Shoppen mit KI. Passende Outfits, weniger Retouren?
Von Ineas Rohr.
**Ineas Rohr** (1:11)
Im deutschen Online-Handel wird etwa die Hälfte aller bestellten Kleidungsstücke wieder zurückgeschickt. Ich bestelle leider auch lieber zwei Größen zur Sicherheit. An einer KI, die einem direkt die passende Kleidergröße empfiehlt, hat Simone Morlock mitgearbeitet.
Sie ist Damenschneiderin, hat Bekleidungstechnik studiert und arbeitet bei einer Prüf- und Beratungsfirma für Modeunternehmen.
**Simone Morlock** (1:34)
Wir vermessen Menschen, Männer, Frauen und Kinder, um davon von den Körpermaßen die Konfektionsgrößen abzuleiten. Und dadurch kann ich dann eben sagen, wie sehen wir Menschen aus und welche Konfektionsgrößen haben wir und welche Klamotte sollte man optimalerweise herstellen und anbieten, um möglichst allen Menschen was Passendes anbieten zu können.
**Ineas Rohr** (1:56)
Die Körpermaße sind in das KI-System eines Start-ups aus München eingeflossen.
**Simone Morlock** (2:00)
So eine KI-basierte Größenempfehlungs-App, die versucht tatsächlich eine Größenempfehlung auf Basis dieser Daten zu machen. Und dann kann sie natürlich lernen. Also wenn die erste Größenempfehlung nicht klappt, dann lernt sie aus dem Vorgang, weil sie eine weitere Größe empfiehlt.
**Ineas Rohr** (2:19)
Die KI-Empfehlung soll individueller und treffender sein als die Größenbezeichnung, die im Etikett steht. Denn die hat zahlreiche Schwachstellen.
In einzelnen Ländern gibt es durchaus einheitliche Größenbezeichnungen.
**Simone Morlock** (2:32)
Da gibt es sehr, sehr gute und verlässliche Größentabellen. Aber es dient ja auf die numerischen Größen. Ja, zum Beispiel die Größe 50 bei den Männern oder die Größe 38 bei den Damen hier in Deutschland.
**Ineas Rohr** (2:43)
Bei den internationalen Größen, S, M, L und so weiter, ist aber gar nicht klar, wie groß ist denn das jetzt? M ist keine einheitliche Größe, sagt Simone Morlock.
**Simone Morlock** (2:55)
Diese Größe M ist auch so eine Sache. Das ist eine internationale Größe. Es gibt aber überhaupt keinen internationalen Standard, der uns sagt, was denn eine Größe M bedeutet.
**Ineas Rohr** (3:05)
Manchmal ist sogar das gleiche T-Shirt unterschiedlich groß, wenn zum Beispiel verschiedene Exemplare in verschiedenen Nähfabriken produziert wurden. Auch unsere Körper sind ganz verschieden. Mal schlaksig, mal füllig, mal mit schmalen Schultern, mal mit Breiten, mal lang, mal kurz. Die Kleidergröße mit nur einer einzigen Kennzahl abzubilden, M, L, XL und so weiter, das kann gar nicht für alle Menschen perfekt funktionieren. Die Idee liegt nahe auf beiden Seiten, bei den Kunden wie bei der Kleidung, genauer zu messen und herauszufinden, was einem konkreten Menschen wirklich passt. Das soll die KI machen. Ich teste es mit Boxershorts. Lass uns herausfinden, welche Größe dir passt. Werde dein biologisches Geschlecht? Männlich. Deine Größe stelle ich auch ein. Dein Gewicht? Frechheit. Der Default ist 85
Drehe ich erstmal ein bisschen runter. Mein Alter gebe ich auch an. Hier kommen jetzt drei Fotos. Drei Männer in Unterhose mit schütterem Haar.
Welcher Körper sieht deinem ähnlicher? Der erste hat einen Bauchansatz, der so ein bisschen über die Unterhose rüberhängt. Der zweite hat einen trainierten Oberkörper. So ein bisschen dreiecksförmig mit breiten Schultern.
Und der letzte, der hat eine ganz normale Figur. So einen Sixpack hab ich nicht, aber das sieht man am ähnlichsten. Oh, jetzt kommen andere. Mal schlanker, mal ein bisschen dicker. Jetzt kommen noch mal welche zum Vergleich. Da ändert sich eigentlich nur noch die Körperhaltung. Der hier hat offensichtlich Skoliose, so ein bisschen krumm.
Okay, jetzt suche ich mal einen aus. Jetzt kann ich sagen, ja, finde meine Größe. Mal schauen, was der mir vorschlägt. Die Größe wird berechnet, steht hier. Für dieses Produkt empfehlen wir dir M. Und jetzt sehe ich auch so eine Skala von S bis L und ein Pfeil, wo er mich einsortiert an der oberen Grenze von M. Da wäre ich skeptisch. Ich hätte jetzt eine L bestellt, aber ich traue jetzt einfach mal der KI. Ich teste es auch mal mit einer Jogginghose. Man kann auch eine Größenempfehlung bekommen mit Hilfe eines Body Scans. Das probiere ich jetzt mal aus. Ich muss das Handy dazu hier vorne auf den Boden stellen, schräg an die Wand lehnen und mich ausziehen. Denn je weniger man anhat, desto besser ist die Größenempfehlung steht hier.
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