Migranten stürmen EU-Grenze: Ist die Krise wieder da? Mit Gerald Knaus artwork

Migranten stürmen EU-Grenze: Ist die Krise wieder da? Mit Gerald Knaus

RONZHEIMER.

August 1, 2026

Tausende Migranten versuchen innerhalb weniger Stunden, die spanische Exklave Ceuta zu erreichen. Viele schwimmen durch das Meer, andere überwinden die Grenzanlagen. Droht Europa eine neue Migrationskrise?
Speakers: Gerald Knaus, Paul Ronzheimer
**Gerald Knaus** (0:00)
Da sind viele Menschen über die Grenze gekommen. Wir haben auch Bilder gesehen, wo organisiert Menschen an die Grenzen der Exklave gebracht wurden. Es handelt sich also überwiegend um Marokkaner. Da muss man gleich dazu sagen, die haben relativ wenig bis keine Chance, Asyl zu bekommen. Das sind keine Flüchtlinge.
Und es gibt jetzt natürlich europäische Regeln. Aber wenn Marokko bereit ist, wie 221 in den zwei Tagen nach diesem damaligen Ansturm seine Staatsbürger schnell zurückzunehmen, dann wird diese Bewegung auch ganz schnell wieder stoppen.

**Paul Ronzheimer** (0:35)
Die Bilder aus Ceuta, der spanischen Exklave, wirken wie ein Déjà-vu und gleichzeitig wie eine Warnung für Europa. Tausende, zehntausende Menschen aus Marokko haben innerhalb weniger Stunden versucht, die spanische Exklave zu erreichen. Viele schwimmen, einige über die Grenzanlagen. Mehrere Menschen haben die Überfahrt nicht überlebt. Mindestens 18 sollen tot sein. Spanien schickt zusätzliche Sicherheitskräfte. Die Bilder gehen um die Welt und sofort ist wieder die große Frage da, hat Europa seine Außengrenzen nicht unter Kontrolle?
Doch hinter diesen dramatischen Szenen steckt mehr als eine spontane Migrationsbewegung. Ceuta war schon mehrfach der Ort, an dem sich gezeigt hat, wie eng Migration, Außenpolitik verbunden sind und wie sehr da auch geopolitischer Druck immer eine Rolle spielt. Es steht auch jetzt der Vorwurf im Raum, dass Marokko Migration auch als politisches Druckmittel eingesetzt haben könnte und gleichzeitig haben neue Gerichtsentscheidungen und europäische Asylregeln die Lage zusätzlich verändert. Was erleben wir dort gerade wirklich? Ist das eine einmalige oder erneute Eskalation oder jetzt der Beginn einer neuen Migrationskrise? Welche Lehren muss Europa daraus ziehen? Und warum wird ausgerechnet Ceuta immer wieder zum Brennpunkt europäischer Migrationspolitik? Darüber spreche ich jetzt mit einem der profiliertesten Migrations- und Europaexperten, Gerald Knaus, Gründer der European Stability Initiative und Architekt des EU-Türkei-Abkommens. Herzlich willkommen.

**Gerald Knaus** (2:20)
Schönen guten Morgen, Herr Ronzheimer.

**Paul Ronzheimer** (2:25)
Herr Knaus, die Bilder von Menschen, die da schwimmen, über den Strand nach Ceuta gelangen und von Sicherheitskräften, die vollkommen überfordert wirken, diese Bilder, die auch durch die sozialen Netze gehen. Was ist da genau passiert und wie viele Menschen sind nach derzeitigen Stand? Wie viele Menschen haben sich mit den Versprechen jetzt am Freitag wirklich angekommen?

**Gerald Knaus** (2:51)
Also es ist eine chaotische Situation, in der sich wieder einmal zeigt, Bilder schlagen Statistik. Also die politischen Reaktionen auch in der Europäischen Union, auch von Regierungen reagieren auf das Bild des sichtbaren Kontrollverlustes. Ich würde sagen, der allerwichtigste Satz dazu ist zu sagen, diese Art von irregulärer, lebensgefährlicher Migration über die Außengrenzen der EU lässt sich stoppen, wenn es sinnlos ist, diesen Weg zu gehen. Und das ist eine weitere Erinnerung daran, wie wichtig es wäre, eine Politik zu haben, die klar sagt, diese Marokkaner, die da jetzt versuchen, der Großteil sind Marokkaner, nicht nur, europäisches Territorium so zu betreten, sie haben keine Chance, auf diese Art in der EU zu bleiben. Der Schlüssel liegt in Marokko, wie immer bei der Migration. Wenn Marokko sie zurücknimmt, wird dieses Signal auch klar.
Und dann müsste man ein System schaffen, wo in der Zukunft allen klar wird, dass es sinnlos ist, das überhaupt nur zu probieren. Also darin liegt der Schlüssel.

**Paul Ronzheimer** (3:52)
Herr Knaus, lassen Sie uns, bevor wir auf diese politischen Konsequenzen kommen, nochmal beim Ist-Zustand bleiben. Also was da genau passiert ist, wie das Ganze passiert.
Denn natürlich haben viele das immer wieder gesehen in den letzten Jahren, was dann Ceuta los war, aber so richtig verstanden haben es wahrscheinlich die wenigen. Also wir sprechen in der vergangenen Woche von sehr wahrscheinlich Tausenden, wie viel ist genau Ron, können wir zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Berichtet wird da vor allem von jungen marokkanischen Männern, aber auch von Minderjährigen. Was wissen wir über diese Menschen, die da angekommen sind? Kommen die überwiegend direkt aus Marokko oder sind darunter auch Menschen, die aus anderen afrikanischen Staaten über Marokko weitergezogen sind?

**Gerald Knaus** (4:44)
Also vielleicht das allerwichtigste, um das einzuordnen. Im gesamten letzten Jahr, also 2025, haben ungefähr 3.5 Menschen Ceuta erreicht, irreguläre Migranten, im gesamten Jahr. Also wir haben jetzt in der letzten Woche wahrscheinlich so viele Menschen wie im letzten Jahr.
Es gibt immer Menschen aus Subsara Afrika vor allem, die das probieren, aber wie gesagt, die Chance auf Erfolg ist sehr gering.
Dass in so kurzer Zeit auf einmal so viele Menschen kommen, das haben wir in der Vergangenheit auch schon einmal erlebt, nämlich im Mai 2021 Da waren es an einem Tag 6.000, geschätzt insgesamt 8 bis 10.000. Das war, weil vor allem Marokkaner sich angeschlossen haben. Also die haben gehört, da sind viele Menschen über die Grenze gekommen. Wir haben auch Bilder gesehen, wo organisiert Menschen an die Grenzen der Exklave gebracht wurden. Es handelt sich also überwiegend um Marokkaner. Da muss man gleich dazu sagen, die haben relativ wenig bis keine Chance, Asyl zu bekommen. Das sind keine Flüchtlinge. Und es gibt jetzt natürlich europäische Regeln. Aber wenn Marokko bereit ist, wie 2.21 in den zwei Tagen nach diesem damaligen Ansturm seine Staatsbürger schnell zurückzunehmen, dann wird diese Bewegung auch ganz schnell wieder stoppen. Also damals hat Marokko als wie gesagt einem Tag 6.000, am nächsten Tag bereits über 2 zurückgenommen, nach drei Tagen waren 6 zurückgenommen. Also wenn Marokko das klare Signal gibt, jetzt, und das muss das Ziel sein der spanischen Politik und europäischen Politik, ja, wir nehmen unsere Bürger zurück, dann hört das auf.

31 more minutes of transcript below

Feed this to your agent

Try it now — copy, paste, done:

curl -H "x-api-key: pt_demo" \
  https://spoken.md/transcripts/1000651996090

Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.

From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire.

Using your own key:

curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
  https://spoken.md/transcripts/YOUR_EPISODE_ID