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Markus Gabriel: «Ethische Intelligenz» (Teil 2) – Kritik & Tiefenbohrung

Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

July 12, 2026

Markus Gabriels Buch «Ethische Intelligenz» entfaltet grosse Hoffnungen auf die moralische Rolle der KI.
Speakers: Manuel Schmid, Heinzpeter Hempelmann
**Manuel Schmid** (0:00)
Willkommen zurück bei Mindmaps und in der Auseinandersetzung mit Markus Gabriels Buch Ethische Intelligenz. Wir haben letztes Mal angekündigt, dass aus diesem Gespräch zwei Folgen gemacht wurden, weil Peter und ich einfach nicht aufhören konnten, über dieses Buch zu diskutieren.
Das ist jetzt der zweite Teil, in dem wir sehr stark in die kritische Analyse des Buches eintauchen, nachdem wir im ersten Teil vor allem die Grundanliegen Markus Gabriels deutlich gemacht haben mit seinem Buch. Und heute geht es um philosophische Kritik, erkenntnistheoretische Kritik an seinem Buch und seinen Voraussetzungen und auch um theologische Aspekte, die sich uns teilweise richtig aufgedrängt haben beim Lesen des Buches. Und ihr dürft euch freuen auf diese zweite Folge zu Markus Gabriel ethische Intelligenz.

**Heinzpeter Hempelmann** (1:05)
Mindmaps. Der Philosophiepodcast.

**Manuel Schmid** (1:09)
Unsere Gegenwart neu lesen.

**Heinzpeter Hempelmann** (1:14)
Ref Lab.

**Manuel Schmid** (1:19)
Du hast darüber hinaus aber auch eine ganze Reihe inhaltlicher, substanzieller inhaltlicher, kritischer Anfragen notiert. Mit vielen von ihnen gehe ich auch einig oder viele habe ich auch in ähnlicher Weise für mich in der Vorbereitung festgehalten, dass das ganze Konzept, die ganze Idee steht an manchen Stellen dann doch auf recht tönernen Füßen.
Vielleicht können wir da inhaltlich noch etwas tiefer reingehen. Du hast einleitend schon erwähnt, dass ein entscheidender Kritikpunkt für dich in dieser Überzeugung besteht, dass die Quantität von Daten irgendwann in eine Qualität umschlägt. Was kannst du das doch ein bisschen ausführen, wo du hier das Problem siehst oder wie Gabriel das sieht und wo du Einspruch erheben würdest?

**Heinzpeter Hempelmann** (2:25)
Also das ist verbunden mit dieser Entwicklung der KI zu einer neuen Art. Das ist die ausdrückliche These zu einer neuen Art von KI, der wir begegnen. Und verbunden damit, dass eine unermessliche, quantitative Steigerung der Rechenmöglichkeiten, der Kapazitäten, die ja von ihm in verschiedener Hinsicht dann eben auch plausibilisiert wird, umschlägt in eine neue Qualität von Intelligenz. Und jetzt, pardon, da bin ich jetzt sehr, sehr altmodisch und sage, das ist eine gewagte These. Das leuchtet mir einfach nicht ein, dass eine vermehrte Quantität in Qualität umschlägt. Das ist gemessen an den traditionellen logischen Überzeugungen, die wir haben, eigentlich auch nicht plausibel.
Ich kann es auch nochmal an der anderen Stelle deutlich machen, wenn er sagt, also wir begegnen hier einer Intelligenz oder auch Intelligenzen, er kann das ja auch pluralisieren, die für uns völlig unüberschaubar geworden sind, die wir nicht mehr durchdrängen können. Und das begründet dann für ihn, wenn man ihm genau zuhört, das begründet dann für ihn im Grunde auch diese Kapitulation vor dem Neuen, dem Anderen. Also auf Spitz und Knopf formuliert, ich kann etwas nicht begreifen und ich personalisiere es deshalb.
Die kritische Konsequenz wäre, ich muss mir mehr Mühe geben. Ich muss eben gucken, welche Programmzeilen, die ich irgendwann mal doch als Basis geschrieben habe, auch für eine in Anführungsstrichen lernende Intelligenz, selbst sogenannte selbst lernende Intelligenz, welche haben denn das ermöglicht, dass ich das nicht mehr überschauen kann, bedeutet ja nicht, dass sich da etwas Neues anderes gebildet hat, sondern es bedeutet nur, dass ich in der Vergangenheit vielleicht fahrlässig gehandelt habe. Wir denken an das Jahr, vielleicht nicht alle unter unseren Zuschauerinnen und Zuschauern haben das noch miterlebt, aber an das Jahr 2000 Ich erinnere mich noch an den Jahrtausendwechsel, wo wir eine ganze Reihe Informatiker richtig, pardon, Schiss bekommen haben, weil sie gefragt haben, haben wir eigentlich diesen Wechsel entsprechend programmiert oder brechen jetzt all diese Systeme letztendlich zusammen? Und das Bekenntnis auf breiter Front war, wir wissen es nicht, wir können nicht mehr überschauen, was wir da alles reingeschrieben haben. Das ist natürlich ein Problem, aber rechtfertigt das, eine Mystifizierung dessen, was wir nicht mehr überschauen und durchschauen können. Das ist ein großer Punkt.

**Manuel Schmid** (5:08)
Okay, also du sprichst jetzt von Mystifizierung. Dann würdest du sagen, du entdeckst in Gabriels Äußerungen explizit oder zwischen den Zeilen eine Art von Ehrfurcht vor den Fähigkeiten einer künstlichen Intelligenz, die ihn dazu verleitet, eigentlich dieses unergründliche und geheimnisvolle Menschen, der menschlichen Person, des menschlichen Bewusstseins in die KI hineinzuprojizieren oder in der KI zu entdecken, dass quasi die künstliche Intelligenz im Zuge ihrer rasanten Entwicklung Anteil hat an der Geheimnishaftigkeit des Menschseins selber. Und da würdest du jetzt sagen, das geht jetzt doch alles ein bisschen zu schnell.

**Heinzpeter Hempelmann** (5:59)
Es geht zu schnell und zu weit. Also, man muss ja immer die Partikula veri sichern.
Wenn man selber, das können wir ja heute auch in Deutschland schon tun, mit den verschiedenen Large-Language-Modellen, wenn man seelsorgerliche, existenzielle Fragen formuliert, im Rahmen eines Städtbots, Gimini oder was auch immer man dort nimmt, Claude, bekommt man erstaunlich tolle Antworten. Man kann in ein Gespräch hineinkommen, über eine halbe Stunde, eine Stunde und man ist einfach nur geflasht. Und ich akzeptiere den Eindruck, dass man sagt, also das kann doch gar nicht sein, dass es eine Maschine ist, oder, Gloria? Aber das geht mir dann eben zu schnell und ist letzten Endes unkritisch. Denn das, was diese Modelle tun, ist ja nichts anderes, als dass sie das, womit man sie gefüttert hat, unter bestimmten Perspektiven und Regeln auswerten. Ja, was übrigens dann auch zu der Frage führt, womit sind sie gefüttert worden und ist das alles so völlig unproblematisch. Ja, wir wissen ja zum Beispiel auch, dass dort, wo rassistische Quellen berücksichtigt worden sind, es zu entsprechenden Ungleichgewichten auch gekommen ist.

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