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Markus Gabriel: «Ethische Intelligenz» (Teil 1) – Darstellung & kritische Einordnung

Mindmaps: der Philosophiepodcast (RefLab)

June 28, 2026

Kann künstliche Intelligenz den Menschen nicht nur effizienter, sondern auch ethisch klüger machen? Manuel und Peter zeichnen nach, warum Markus Gabriel in der KI mehr sieht als ein Werkzeug: ein Gegenüber, das unsere moralischen Muster sichtbar macht und unser Selbstverständnis herausfordert.
Speakers: Manuel Schmid, Heinzpeter Hempelmann
**Manuel Schmid** (0:00)
Bevor es richtig losgeht mit dieser Folge von Mindmaps, eine kurze Vorbemerkung. Peter und ich sprechen über Markus Gabriels neustes Buch Ethische Intelligenz.
Und der Text hat uns zu so vielen konstruktiv-kritischen Gedanken angeregt, dass sich das Gespräch auf fast zwei Stunden gedehnt hat, weshalb wir uns dann auch entschieden haben, zwei Folgen von Mindmaps draus zu machen. In dieser ersten Folge stellen wir vor allem die Grundgedanken, das Anliegen von Markus Gabriel, mit diesem Buch vor. Und beginnen mit der kritischen Analyse. In der zweiten Folge werden wir dann stärker noch in eine philosophische und theologische Kritik des Buches eintauchen und schauen, was sich aus dem Buch für unsere Zeit und auch für das Menschsein, auch theologisch bestimmte Menschsein in unserer Zeit ableiten lässt. Viel Spass mit dieser Auseinandersetzung mit einem kontroversen und auf jeden Fall anregenden Buch.

**Heinzpeter Hempelmann** (1:17)
Mindmaps, der Philosophiepodcast.

**Manuel Schmid** (1:22)
Unsere Gegenwart neu lesen.

**Heinzpeter Hempelmann** (1:27)
RefLab.

**Manuel Schmid** (1:33)
Mindmaps ist wieder da, mit einer Folge in der neuen Mindmaps-Reihe, in der wir, das ist Heinzpeter Hempelmann, Professor für Religionsphilosophie und Systematische Theologie, ein langjähriger Freund von mir und ich, meine Wenigkeit reformierter Theologe, in der wir uns über Bücher unterhalten, die im Moment en vogue sind, Sachbücher, die überall besprochen werden oder die Einblicke in unsere Zeit und Gesellschaft erlauben und philosophische Rückfragen provozieren. Und auf dieses Gespräch und dieses Buch habe ich mich schon lange gefreut und bin überzeugt, dass es außerordentlich anregend ist, auch da, wo man nicht mit ihm übereinstimmt. Wir werden uns über Markus Gabriels neuesten Bestseller ethische Intelligenz unterhalten. Markus Gabriel ist uns schon einmal begegnet. Wir haben nämlich vor einiger Zeit bei Mindmaps eine Folge zum Universalismus, zum ethischen, moralischen Universalismus gemacht und da auch über Markus Gabriel gesprochen. Und wie wir in unserem jetzigen Gespräch ziemlich sicher noch erfahren werden, hat dieses ältere Buch von ihm über moralische Tatsachen durchaus auch zu tun mit seiner Vision einer ethischen Intelligenz. Bevor jetzt aber die Pferde mit mir durchgehen, möchte ich dir, Peter, also dich zuerst einmal sehr herzlich begrüßen, Peter. Danke.
Sehr schön, mit dir in diesem Podcast, in diesem Gespräch zu sein. Und ich spiele dir den Ball zu, um ein bisschen einzuzoomen, Markus Gabriel, wer ist das, warum sollte uns das kümmern oder warum hilft es, mit dem Namen irgendetwas anzufangen?

**Heinzpeter Hempelmann** (3:31)
Ja, vielen Dank für diese Hinführung. Zunächst mal auch von mir aus herzliche Grüße an dich, Manuel in die Schweiz aus dem Schwarzwald. Und ich habe mich auch sehr auf dieses Gespräch gefreut, das in mehrfacher Hinsicht sehr, sehr interessant zu werden verspricht.
Zu Markus Gabriel, der ist eigentlich bekannt geworden, dadurch, dass man gesagt hat, ist der jüngste Professor Deutschlands auf einem philosophischen Lehrstuhl. Also mit 29 Jahren ist er nach Bonn berufen worden. Dort sitzt er immer noch, ist aber auch in zahlreichen Institutionen und Einrichtungen leitend oder als Vorsitzender tätig. Man könnte sagen, er ist ein philosophischer Shooting-Star, nahezu omnipräsent in den einschlägigen Gremien. Was ich an ihm schätze, ist, dass er wirklich Philosophie für unsere Zeit macht. Packt also alle möglichen relevanten Themen an, ist also jetzt gerade nicht der Philosoph im Elfenbeinturm, der jetzt irgendwelche philosophischen Studien über die philosophische Tradition macht und eine neue Aristoteles-Auslegung vorlegt. Das kann er auch. Sondern er ist eben jemand, der als Philosoph zu gegenwärtig bedrängenden Fragestellungen nimmt. Und das muss man bei allem, was dann später vielleicht auch noch kritisch anzumerken ist, wirklich zunächst einmal anerkennen. Zu seiner Position, er ist einer der Vertreter des sogenannten neuen Realismus, der sich also von daher auch sehr kritisch mit manchen, ich sage es jetzt mal sehr abgekürzt, postmodernen Aussüchsen eines radikalen Konstruktivismus auseinandersetzt und evidenzbasiert sagt, bestimmte Dinge kann man doch eigentlich gar nicht bestreiten. Und das wird daher auch noch mal Bedeutung haben, wenn wir über die sogenannten moralischen Tatsachen als ein zentrales Theorieelement von dem reden, was sein Modell eben auch auszeichnet.
Was ich an diesem Buch jetzt zur Abrundung der Vorstellungen wirklich auch herausragend finde, ist, dass es eine der wenigen Philosophen ist in Deutschland ohnehin, die sich der Herausforderung durch das vielleicht dynamischste Moment in unserer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen, kulturellen Entwicklung stellen. Also wirklich, Gabriel markiert, worin die Herausforderung besteht. Er lässt uns da nicht einfach ein Hintertürchen, sondern er stellt uns vor den Sachverhalt und sagt, ist euch eigentlich schon klar, vor welcher Revolution des Zusammenlebens, auch des Weltverhältnisses, wir hier durch die Entwicklung in der sogenannten künstlichen Intelligenz geführt werden? Und sind wir darauf vorbereitet? Was müssen wir eigentlich tun, um dieser Entwicklung zu begegnen? Also das wird man jetzt zunächst mal positiv festhalten.

**Manuel Schmid** (6:40)
Ja, vielen Dank, Peter, für die kurze Einführung. Markus Gabriel, ich schätze eigentlich ihn auch aus demselben Grund, dass ich das Gefühl habe, er hat wirklich eine Leidenschaft dafür, gegenwärtige Problemlagen und gegenwärtige Herausforderungen philosophisch zu durchdenken. Er wirft sich quasi auf alles, was im Moment im Gange ist und einer tieferen Reflexion bedarf. Und er scheut auch vor einer gewissen Allgemeinverständlichkeit nicht zurück. Also er scheut sich nicht auch wirklich, Bücher zu schreiben, die so Otto-Normal-Verbraucher eigentlich mit etwas gedanklicher Anstrengung auch lesen und verstehen nachvollziehen kann. Aus diesem Grund landen seine Bücher auch regelmässig in den Bestsellerlisten oder verkaufen sich zumindest besser als die meisten literarischen Produkte anderer Philosophen. Er ist jetzt nicht gerade ein Kiosk-Philosoph, wie man es Richard David Brecht nachgesagt hat, aber also ein Philosoph, dessen Bücher an jedem Kiosk zu kaufen sind, aber auf jeden Fall ein populärer Philosoph, der in seinen Büchern und auch in unzähligen Podcasts und Talkshows und so weiter sich zu Wort meldet. Wir haben uns ja in der Vorbereitung immer mal wieder in unserem Chat Quellen zugeschickt und da ist also der Podcast kein Ende mit Markus Gabriel, in dem er seine Idee einer ethischen Intelligenz in alle Richtungen entfaltet und kritischen Fragen aussetzt. Also ein sehr umtriebiger Typ, auch sehr produktiv, also der haut mindestens jedes Jahr ein, zwei Bücher raus. Jetzt eben sein neustes Werk zur ethischen Intelligenz. Lass uns mal in einem ersten Teil versuchen, seinen Kernideen möglichst gerecht zu werden. Ich fang mal an und dann kannst du übernehmen, wieder Peter. Also, so wie ich das Buch verstanden habe, auch von der Ausgangslage her, versucht er grundsätzlich einmal im Blick auf die enormen Entwicklungen und Errungenschaften im Bereich der künstlichen Intelligenz, versucht er, ein plattes Werkzeugverständnis im Blick auf diese Technik zu überwinden oder zu zeigen, dass man nicht mehr allzu weit kommt, wenn man einfach sagt, ja, der Mensch ist der Mensch und bleibt der Mensch und der macht sich halt Werkzeuge und die Technik ist eine Art von Werkzeug und die künstliche Intelligenz jetzt sein Neuestes und das braucht er einfach, das benutzt er einfach und das ist das Ende der Geschichte. Sondern für Markus Gabriel ist klar, spätestens in der Verwendung von künstlicher Intelligenz wirkt das Werkzeug auf den Gebraucher des Werkzeugs zurück. In diesem spätestens, wenn es um diese Large-Language-Models geht, die jetzt in aller Munde sind und auch von allen für alles gebraucht werden, da merkt man, das prägt auch die Lebenswelt des Menschen, seine Wahrnehmung, seine Art der Kommunikation, seine Art des Wirklichkeitszugangs, sie sortiert vor, welche Fakten oder Beobachtungen man überhaupt in den Blick bekommt usw.,

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