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Machtbeben in der Regierung. Mit Kerstin Münstermann

RONZHEIMER.

July 19, 2026

Was zunächst für Überraschung sorgte, entwickelte sich innerhalb von nur 48 Stunden zu einer politischen Krise für den bisherigen Unionsfraktionschef. Der Druck aus CDU und CSU wurde immer größer, schließlich forderte Bundeskanzler Friedrich Merz Spahn zum Rückzug auf.
Speakers: Kerstin Münstermann, Paul Ronzheimer
**Kerstin Münstermann** (0:01)
Was aber an der Basis, glaube ich, schon klar war, ist irgendwie, der versucht es immer wieder und wir schlucken es runter. Also so ein bisschen dieses, der hat den Masken dir schon überstanden, da kann man ihm noch zugestehen, als Minister wollte er einfach das Beste fürs Land. Aber jetzt war so der Tenor, der will das Beste für sich. Und das wiederum ist, ist gerade in der Politik, ist wirklich ein hartes Geschäft. Das kannst du nicht verkaufen. Also den eigenen Vorteil in Kauf nehmen oder herausarbeiten und den anderen aber sagen, wie es eigentlich laufen soll.
Das ist ein Spagat, den kannst du nicht gewinnen.

**Paul Ronzheimer** (0:39)
Am Freitag war Unionsfraktion Schöpfchen Spahn hier im Podcast, hat sich verteidigt, wollte sich erklären und hat dann gesagt, dass er im September eine Entscheidung herbeiführen will, ob er Fraktionschef bleiben kann. Jetzt ist klar, er ist zurückgetreten und zwar schon am Samstag.
Friedrich Merz, der Bundeskanzler, hat Druck gemacht. Der Druck innerhalb der Partei ist zu groß geworden. Es ging um die Leihmutterschaft und wir wollen jetzt über diesen Rücktritt sprechen, was da wirklich hinter den Kulissen passiert ist und wie es dazu kam, dass Spahn dann so schnell gehen musste. Ich freue mich, dass Kerstin Münstermann wieder bei mir ist. Sie ist die Hauptstadtchefin der Rheinischen Post und war schon viel hier zu Gast. Die Rheinische Post ja auch so ein bisschen eine der Heimatzeitungen NRW, von wo aus Jens Spahn eben kommt. Ich freue mich Kerstin, dass wir verbunden sind.

**Kerstin Münstermann** (1:44)
Hallo Paul, ich freue mich auch.

**Paul Ronzheimer** (1:47)
Kerstin, wir nehmen auf am Samstag um 21 Uhr. Wir wollen, bevor wir auf all das zu sprechen kommen, was heute passiert ist, einmal zurückblicken, wie das Ganze entstanden ist. Denn das waren in Wahrheit nur 48 Stunden.
Und es war, zumindest kann ich mich kaum an etwas Ähnliches erinnern, einer der schnellsten Rücktritte, die es so gegeben hat bei einer Geschichte. Es begann alles am Mittwoch. Da berichtete zunächst Bild über die Vaterschaft von Jens Spahn und seinem Ehemann Daniel Funke, die per Leihmutterschaft in den USA Väter wurden, Eltern wurden.
Dann hat Funke selbst einen Instagram-Post gemacht, wo man die beiden sieht und einen Kinderwagen. Und dann begann die Berichterstattung. Lass uns da mal anfangen, Kerstin, aus deiner Sicht. Wie hat sich das entwickelt? Weil am Mittwoch schien es mir noch relativ ruhig, oder?

**Kerstin Münstermann** (2:53)
Ja, also es hat eine ungeheure Dynamik entwickelt. Am Mittwoch, gehen wir nochmal zurück, war ja die Sommer-PK des Kanzlers erst. Und da erlebten wir ja einen ziemlich zufriedenen Friedrich Merz, der relativ souverän durch 90 Minuten Fragen durchging und da eigentlich auch so im groben und ganzen beller Figur gemacht hat, sehr, sehr zufrieden war. Und dann, ich glaube, um kurz nach vier war die Geschichte, kurz nach 16 Uhr die Geschichte von der Show-Chefin, der Unterhaltungschefin von Bild online, die ja wie so eine Host-Story geschrieben hat. Und da sah man dann irgendwann im Laufe des Nachmittags einen sehr strahlenden Jens Spahn vor einem Kinderwagen stehen. Und ehrlich gesagt, ich weiß nicht, wie es dir ging. Ich saß zu dem Zeitpunkt im Zug. Ich bin nach Bayern gefahren, um bei der CSU tatsächlich ein bisschen zu recherchieren, wie da denn die überhaupt die Lage vor der Sommerpause ist. Ich sah das im Zug und dachte, krass, wie kommt der Baby, wo kommt der Kinderwagen her und überhaupt? Und ich glaube, im ersten Moment hatte ich auch so das Gefühl, ich kenne Jens Spahn auch schon länger als Politiker, ich als Korrespondentin der Stadt. Und man hat so spontan gedacht, ach Mensch, herzlichen Glückwunsch. Und so, das war so der erste Moment. Und ich glaube, das ging vielen auch im politischen Berlin so, die davon überrascht wurden, total überrascht, die erst mal die Geschichte lasen.
Und so ganz, ganz, ganz allmählich war dann die Frage, Moment mal, Leihmutter, hatten wir neulich beim Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Hendrik Streeck, auch. Da war die Aufregung ein bisschen da, aber nicht so groß. Aber wie ist das jetzt mit der Leihmutter in den USA? Und wie ist das in Deutschland? Und hat die Union nicht ne ganz andere Meinung dazu? Aber auch das hat noch gedauert. Also noch am Donnerstag war dann bei der CSU in München.
Hat man das auch dort mit ner gewissen Frotzelei und einer gewissen Fassungslosigkeit vielleicht begleitet? Aber die politische Bombe, die sie nun jetzt ist, ein Rücktritt ist das immer von einem so mächtigen Menschen, war da noch, also die baute sich langsam auf. Und wir können das am besten an Kanzler Merz selbst ablesen, finde ich.

**Paul Ronzheimer** (5:14)
Genau wollte ich gerade sagen, Kerstin, lass uns da nochmal bei dem Mittwoch bleiben. Ich war auch total überrascht. Ich hab's tatsächlich dann bei Instagram gesehen und dachte, hab erst gar nicht geschaltet, dachte, wie im Moment ist das ein Hakenkind oder wie ist das jetzt passiert? Weil es ja tatsächlich auch keine Hinweise darauf gab, keiner, also ich nicht wusste, keiner, kein Journalist irgendetwas wusste, zumindest kenne ich keinen, der davon gehört hatte.

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