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Männerberater Björn Süfke - Wie finden Männer Zugang zu ihren Gefühlen?

Hotel Matze

June 10, 2026

Björn ist Diplom-Psychologe und Autor – und er arbeitet seit fast 30 Jahren in einer der ersten Männerberatungsstellen Deutschlands. Ich wollte von ihm wissen, warum Männern der Zugang zu ihren eigenen Gefühlen so schwer fällt und welche Rolle Sozialisation dabei spielt.
Speakers: Björn Süfke, Matze Hielscher
**Björn Süfke** (0:13)
Das Gefühl, was für uns Männer am allerschlimmsten ist, ist Hilflosigkeit, weil das ist wirklich in diesem Prinzip toxischer Männlichkeit ganz oben auch angeschrieben. Ein Mann weiß immer weiter. Ärger ist das Gefühl, was Männern gelassen wird. Also Ärger gehört zum Mannsein dazu. Wenn ein Mann ärgerlich ist, dann kann es sein, dass er ärgerlich ist. Aber es kann genauso gut sein, dass er traurig ist oder sich schämt oder sich schuldig fühlt oder Angst hat.
Also da ist ein fundamentaler Unterschied zwischen Männlichkeit und Männern. Ich kritisiere immer und überall das Prinzip toxischer Männlichkeit, weil dieses Anforderungsprofil ist das, ich finde den Begriff auch gut, weil dieses Anforderungsprofil ist giftig. Deswegen finde ich den Begriff auch ganz passend. Aber ich würde nie von toxischen Männern sprechen. Wir müssen sprechen, sprechen, sprechen über diese Themen. Nicht mit dem erhobenen Zeigefinger und nicht irgendwie, ihr müsst jetzt so und so sein als gute Männer, sondern einfach sprechen so. Wie ist das mit der Vorsicht oder was findest du gut an deinem Hotel? Was holt dich da ab?

**Matze Hielscher** (1:14)
Wie ist deine Antwort auf die Frage, was ist ein richtiger Mann?
Willkommen im Hotel Matze. Ich frage mich in letzter Zeit wirklich häufiger, was ist eigentlich mit uns Männern los? Wenn wir auf die Weltpolitik schauen, gerade Richtung Spitze, dann sehen wir immer mehr Männer, die Stärke durch Härte definieren. Die Gewaltstatistik gegenüber Frauen steigt. Wir sehen, dass die Hetze gegen Frauen im Netz steigt und sich immer mehr junge Männer an Typen wie Endothet orientieren, also an der sogenannten Menosphäre, und da auch wieder stärker Härte. Gleichzeitig steigt aber auch die Suizidrate unter Männern. Und deswegen frage ich mich natürlich, was ist da eigentlich los? Und genau darüber habe ich mit Björn Süfke gesprochen, ist Auto und seit über 30 Jahren Männerberater. Und genau dieses Thema, also Männer und Männlichkeit, das ist ein absolutes Lebensthema. Ich glaube, ich hätte keinen Besseren für dieses Thema finden können. Wir sprechen über männliche Sozialisierung. Es geht um männliche Abwehrstrategien. Also warum können wir Männer nicht einfach sagen, wie es uns geht? Warum haben wir so einen schweren Zugang zu unseren Gefühlen? Und wie finden wir einen Zugang zu unseren Gefühlen? Björn empfiehlt liebevolle Konfrontation. Und wie diese gelingt, darüber sprechen wir in dieser Folge. Ich wünsche euch viel Vergnügen im Hotel Matze mit Björn Süfke.
Wie geht's dir?

**Björn Süfke** (2:36)
Wow, okay, ja.
Ich würde sagen, erfüllt. Ich habe gerade eben noch mein Kind angeschrieben. Zwei von drei haben wir zurückgeschrieben, was nicht immer der Fall ist. Das erfüllt mich. Jetzt kann ich hier sein und über mein Lieblingsthema sprechen, mein Herzensthema sprechen. Das ist etwas, was mich immer irgendwie mit Freude erfüllt. Eben gerade hat mir noch eine Freundin geschrieben und hat sich selbst eingeladen zu meinem Geburtstag. Das fand ich irgendwie auch schön. Also ich bin gerade ganz erfüllt.

**Matze Hielscher** (3:06)
Ungewöhnliches Wort, erfüllt. Aber ein schönes Wort, finde ich.

**Björn Süfke** (3:11)
Ja, so voll würde ich jetzt nicht sagen. Aber gut gefüllt mit Gefühlen, mit einem Zugang zu diesen Gefühlen. Insofern finde ich es ein passendes Wort.

**Matze Hielscher** (3:23)
Ich habe ja gesagt, dass es eine schwierige Frage ist. Und die ist ja vor allen Dingen schwierig für uns Männer. Würde ich jetzt mal so vorallgemeinern, das habe ich auch durch dich gelernt. Und ich kann das total nachvollziehen, als ich das bei dir gelesen habe. Meistens sage ich dann, ja, passt schon. Gut, passt schon. Warum fällt uns Männern es schwerer, würde ich jetzt mal behaupten, als Frauen auf diese Frage zu antworten.
Und ich habe gleich gemerkt, du antwortest anders auf die Frage.

**Björn Süfke** (3:50)
Okay.

**Matze Hielscher** (3:50)
Wie schön.

**Björn Süfke** (3:51)
Das kannst du mir gleich nochmal erzählen, aber jetzt erst ich.
Ja, relativ einfach, weil wir oft buchstäblich keine Antwort auf die Frage haben. Ganz einfach, weil uns, um es mal kurz zu sagen, im Laufe männlicher Sozialisation, wie wir sie erlebt haben, bei allen unterschieden natürlich individuell, eins doch oft gemeinsam ist, nämlich dass uns der Zugang zu Gefühlen, also dieser Zugang zu Trauer, zu Scham, zu Hilflosigkeit, Angst, Ärger, dass uns der Zugang zu all diesen Gefühlen im Grunde abtrainiert wird. Das beginnt eigentlich bei Minute Null. Mit männlichen Säuglingen wird weniger gesprochen als mit weiblichen Säuglingen. Also von Anfang an.

**Matze Hielscher** (4:26)
Wirklich?

**Björn Süfke** (4:26)
Ja, also von Minute Null geht es los, dass männliche Sozialisation sich sozusagen auswirkt und da eben ganz konkret auf diese Gefühlsebene, dass uns, ich sage manchmal so ein bisschen martialisch, eigentlich sukzessive abtrainiert wird, nach innen zu hören und ja, diese Botschaften aus dem Inneren zu, ja, buchstäblich zu hören. Und da muss man sich nicht wundern, am Ende des Tages oder in der Mitte des Tages, in unserem Fall, dabei Männer herauskommen, die dann auf die Frage nach diesen Gefühlen keine Antwort haben, weil sie es buchstäblich gelernt haben, auf verschiedene Arten und Weisen, können wir ja gleich drüber sprechen, diese Gefühle so gut abzuwehren im Inneren, also so ganz klassisch psychologisch abzuwehren. Die sind ja da, die Gefühle, das ist ein Grundmechanismus. Wir haben alle alle Gefühle, aber wir können sie dann buchstäblich nicht hören. Sie sind so buchstäblich unserem Bewusstsein nicht zugänglich. Und wenn du dann jemanden fragst, wie es ihm geht, kann er ja nicht über etwas sprechen, wo er kein Bewusstsein drüber hat. Also viele Männer, die dann sagen, passt schon oder muss ja, die meinen genau das, nämlich, dass sie im Grunde keine Antwort haben.

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