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LEBEN IN DER ANTIKE - Sklavinnen und Sklaven im alten Rom

Alles Geschichte - Der History-Podcast

May 19, 2026

Sie schufteten in Bergwerken, arbeiteten auf Feldern, im Haushalt und selbst als Ärzte: In der Öffentlichkeit unterschied sich der Alltag römischer Sklavinnen und Sklaven kaum von dem der freien Bevölkerung.
Speakers: Lukas Grasberger, Christian Baumann, Winfried Schmitz, Jerry Toner, Andrea Binsfeld
**Lukas Grasberger** (0:05)
Alles Geschichte Der History Podcast.

**Christian Baumann** (0:19)
Der Tag, er beginnt früh im Rom des Jahres 50 v. Chr.
Doch es sind nicht die ersten Sonnenstrahlen, die einen schlafenden Buben vielleicht 10 Jahre alt wecken. Nennen wir ihn Lucius.
Es ist das stachelige Stroh seines Nachtlagers, das er mit einem Dutzend anderen teilt. Ihre Namen kennt er nicht. Sie haben keine, zumindest keine offiziellen. Denn sie sind Sklaven, geborene Sklaven und damit geboren in ein vorbestimmtes Schicksal, sagt Winfried Schmitz. Denn gehen aus einer Beziehung zwischen zwei Sklavenkinder hervor, erklärt Schmitz.

**Winfried Schmitz** (0:58)
Dann sind diese Kinder automatisch Sklaven, weil sie von einer Sklaven geboren werden. Gehen also in den Besitz des Herren auch wieder über.
Ja, wir wissen auch, es kann sein, dass wenn wenig Sklaven nachkamen durch Kriege, dass die Herren selber versucht haben, dann eben Sklavennachwuchs aus der Geburt von Sklaven zu bekommen.

**Lukas Grasberger** (1:17)
Jedes in der Sklaverei geborene Kind war eine neue kostenlose Arbeitskraft für den Herren. Die Sklavenhalter förderten daher zuweilen eheähnliche Beziehungen zwischen ihren Sklavenninnen und Sklaven, die offiziell eigentlich nicht erlaubt waren.

**Winfried Schmitz** (1:32)
Während wenn die Sklaven sehr billig auf den Markt geschwemmt wurden, wenn es große Kriege gab, dann brauchte man das nicht.

**Lukas Grasberger** (1:38)
Der emeritierte Geschichtsprofessor Winfried Schmitz nennt damit die zwei wichtigsten Wege, wie Menschen in der Antike in die Sklaverei gerieten. Qua Geburt oder durch die Gefangennahme in einem bewaffneten Konflikt.
In der frühen römischen Republik konnte man zudem wegen unbezahlter Schulden versklavt werden. In seltenen Fällen verkauften sich Menschen auch freiwillig in die Sklaverei, zum Beispiel aus extremer Armut, um zumindest versorgt zu sein. Und schließlich konnten auch schwere Verbrechen zur Versklavung führen, wie etwa Kriegsverrat.
Daraus resultierte, dass viele Menschen im alten Rom– also dem Zeitabschnitt der Geschichte, der in etwa von 800 vor bis 500 nach Christus dauert– ein Sklavendasein fristeten. Ein Fünftel der Gesamtbevölkerung des damaligen römischen Reiches soll es gewesen sein. Manche Historiker sprechen für die Zeit der späten römischen Republik im ersten Jahrhundert nach Christus gar von einem Viertel und mehr.

**Christian Baumann** (2:41)
Sklavenjunge Lucius streift sich seine weiße Tunika über, beziehungsweise er könnte sich seine weiße Tunika übergestreift haben.
Denn der Sklave Lucius ist frei erfunden.
Allerdings könnte er genau so existiert haben. Deswegen wird er uns durch die Sendung begleiten. Er könnte also jedenfalls die Tunika angezogen haben, dieses hemmtähnliche bis zu den Knien reichende Kleidungsstück, das die einfachen Leute hier alle tragen. Wenn er einen Blick aus dem Fenster wirft, sieht er auf der Straße reges Treiben. Vielleicht erkennt er unter den Menschen einen Schicksalsgenossen, der mit einem Leiterwagen frisches Brot ausliefert. Würde er nicht wissen, dass er auch ein Sklave ist, würde Lucius ihn als solchen nicht gleich identifizieren können.

**Lukas Grasberger** (3:30)
Es ist interessant, dass man, obwohl die Stadt Rom wahrscheinlich zu etwa 30 Prozent aus Sklaven bestand, eigentlich keine wirkliche Möglichkeit hatte, sie von anderen zu unterscheiden.
Sagt der Historiker Dr. Jerry Toner. Er lehrt an der Cambridge University.

**Jerry Toner** (3:48)
Sie trugen Tuniken, Arbeitskleidung, genauso wie viele gewöhnliche Römer. Man konnte daran vielleicht erkennen, dass ein solcher Sklave nicht zur superreichen Elite oder zur senatorischen Klasse gehörte.
Aber wenn man einfach durch die Straßen ging, gab es dafür kein offensichtliches Erkennungsmerkmal. Vielleicht hätte man bei genauem Hinsehen bemerkt, dass sie bestimmte Mahle oder Narben hatten oder Spuren an den Handgelenken, wo sie früher angekettet gewesen waren. Aber auch das war kein eindeutiger Hinweis. Es konnte sich um Freigelassene handeln, um ehemalige Sklaven. Man konnte den Status einer Person also niemals allein anhand ihres Aussehens erkennen.

**Lukas Grasberger** (4:32)
Sklaven wie unsere Kunstfigur Lucius prägten das Stadtbild. Und auch wieder nicht. Denn so allgegenwärtig dienstfertig sie auch immer präsent waren, auf gewisse Weise sollten sie doch stets unsichtbar bleiben, sagte Historikerin, Professorin Andrea Binsfeld, die Alte Geschichte an der Universität Luxemburg lehrt.
Darauf deuteten zumindest archäologische Zeugnisse hin.

**Andrea Binsfeld** (4:57)
Da hat man beispielsweise die Graffiti, die in die Binde eingeritzt waren, untersucht. Man hat festgestellt, dass Graffiti mit Zeichnungen und auch mit Namen, dass man über diesen Weg schon feststellen kann, wo sich wahrscheinlich in welchen Bereichen des Hauses der Sklave aufgehalten hat. Beispielsweise in der Nähe der Küche, den Funktionsbereichen der Häuser. Im Golf von Neapel, die Villa von Oplontes beispielsweise. Da hat man festgestellt, dass ein Teil der Gänge in dieser großen Villa ist mit einer schwarz-weißen Malerei gekennzeichnet.
Sieht aus wie eine Art Zebrastreifen. Warum hat man bestimmte Bereiche, vor allem eben Gänge, warum hat man die in dieser Farbe gekennzeichnet?
Könnte das eine Orientierungshilfe für die Bediensteten gewesen sein? Welche Gänge sie benutzen dürfen, damit sie nach Möglichkeit eben nicht mit dem schmutzigen Geschirr, da auch noch der Herrschaft über den Weg gelaufen ist. Welche Gänge durften sie benutzen? Wie sollten sie nach Möglichkeit möglichst unsichtbar die Bodengänge, die Dienstleistungen erbringen?

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