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Krebsnachsorge – Rückfälle vermeiden, Lebensqualität verbessern

Das Wissen | SWR

July 17, 2026

Wer Krebs überlebt hat, leidet häufig jahrelang unter körperlichen und psychischen Folgen. Individuelle medizinische Angebote können die "Survivor" unterstützen. Es gibt aber zu wenige.
Speakers: Stefanie Seldmann, Julia, Christian Zaubser, Volker Arndt, Kirsten Hahn, Hanna Wuppen, Judith Gehbauer, Björn Hessing, Joachim Wisskemann
**SPEAKER_1** (0:02)
ARD, Sounds, Das Wissen.

**Stefanie Seldmann** (0:08)
Das Nationale Zentrum für Tumorerkrankungen in Heidelberg hat einen eigenen modernen Sportraum. Trainerin Julia begrüßt Kursteilnehmer Christian Zaubser.

**Julia** (0:17)
Hallo, ich bin Julia, ich mach Dienstags das funktionelle Training hier. Und genau, wie geht's Ihnen heute?

**Christian Zaubser** (0:25)
Mir geht's gut und daher freue ich mich heute wieder sehr auf den Sport.

**Julia** (0:28)
Das freut mich. Dann einmal hereinspaziert.

**Christian Zaubser** (0:31)
Danke schön.

**Stefanie Seldmann** (0:32)
Christian Zaubser hatte Krebs. Hatte.
Operation und Chemotherapie liegen hinter ihm. Jetzt kämpft er sich zurück ins Leben. Zur Nachsorge gehört Sport. Der Sport ist mehr als reines Muskeltraining.

**Christian Zaubser** (0:45)
Der Sport ist für mich ganz, ganz wichtig geworden. Der tut mir sehr, sehr gut. Also nicht bloß für den Körper, sondern auch für den Geist. Und ich merke, das hört sich recht blöd an.
Es ist wie ein Schutzschirm gegen den Krebs. Die Hoffnung habe ich auf jeden Fall.

**Stefanie Seldmann** (1:01)
Krebsnachsorge.
Rückfälle vermeiden. Lebensqualität verbessern. Von Stefanie Seldmann.

**Stefanie Seldmann** (1:10)
Christian Zaubser ist einer von fünf Millionen Deutschen, die eine Krebserkrankung überlebt haben. Wie geht es ihnen? Wer kümmert sich um sie?
Was können sie selbst tun, damit der Krebs nicht wiederkommt? Um all das wird es in dieser Folge von Das Wissen gehen. Der Mensch steht im Mittelpunkt. Anders als bei so mancher Nachsorgeuntersuchung kritisiert Krebsspezialist Volker Arndt.

**Volker Arndt** (1:33)
Ich spreche immer gerne von der Tumornachsorge. Im Fokus liegt der Tumor und nicht der Patient.

**Stefanie Seldmann** (1:38)
Volker Arndt leitet die Arbeitsgruppe Cancer Survivorship, zu Deutsch Krebs überleben, am deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Er erkennt die Angst der Patienten vor dem Rezidiv. Dem Rückfall. Aber das sei nicht alles.

**Volker Arndt** (1:51)
Diese vielen anderen Einschränkungen, die wir bei der Lebensqualität gesehen haben, die werden dann häufig gar nicht adressiert. Und auch die Patientinnen haben natürlich auch viele Fragen. Aber sie trauen sich oft auch nicht, diese dann auch den Ärzten und Ärzten zu stellen.

**Stefanie Seldmann** (2:07)
Als Epidemiologe beschäftigt sich Volker Arndt mit Zahlen und Daten zu Krebs. In Krebsregistern ist festgehalten, wie viele Menschen an Krebs erkranken. An welcher Art von Krebs sie leiden, wie lange sie die Krankheit überleben.
Ihm fiel auf, dass nicht danach gefragt wurde, wie es den Menschen geht. Volker Arndt hat das geändert.

**Volker Arndt** (2:28)
Wir haben damals im Jahr 1996, 1997 im Saarland Krebspatienten befragt, wie geht es den Patienten bezüglich der Lebensqualität. Dann haben wir diese Studie fortgesetzt, über drei Jahre, über fünf Jahre, über zehn Jahre. Und da haben wir dann doch gesehen, dass dieses Thema relevant ist.

**Stefanie Seldmann** (2:48)
Relevant, weil viele Patientinnen und Patienten unter Langzeitfolgen leiden. Wie Christian Zaubser, der vor anderthalb Jahren die Diagnose Speiseröhrenkrebs erhielt und der eben schon aus dem Sportraum zu hören war.

**Christian Zaubser** (3:01)
Neuropathie ist eine der Sachen. Bei mir ist es so, dass die Füße taub werden, dass sie bitzeln, dass sie empfindlicher werden.
Nächste Nebenwirkung ist Fatigue. Fatigue heißt, man hat öfters mal am Tag Müdigkeit. Und das ist bei mir sehr stark und sehr häufig. Also diesen kompletten 8-Stunden-Tag zu arbeiten oder ein bisschen mehr, ist ganz, ganz schwierig.

**Stefanie Seldmann** (3:27)
Dass der Epidemiologe Volker Arndt überhaupt eine Studie mit Krebspatienten über einen Jahrzehntelangen Zeitraum durchführen konnte, liegt daran, dass Krebserkrankungen immer früher und präziser entdeckt und immer besser behandelt werden können.
Mit Operation Chemotherapie-Bestrahlung, einer eventuellen Immun- oder Hormontherapie, gelingt es Ärztinnen und Ärzten, Tumoren effektiv zu entfernen oder zumindest langfristig unter Kontrolle zu halten. Doch was wirkt, hat oft auch Nebenwirkungen. Zum Beispiel bei Kirsten Hahn aus Neumünster. Sie hatte Eierstockkrebs. Zum Gespräch mit Das Wissen meldet sie sich online.

**Kirsten Hahn** (4:07)
Also ich bin zweimal sehr groß operiert worden. Das heißt, der Bauch wird vom Schambein bis zum Brustbein aufgemacht.
Und allein durch diese riesige Narbe, also ich kenne keine Frauen mit Eierstockkrebs oder nur sehr wenige haben, keine Verdauungsbeschwerden. Dann dieser ganze Bereich in meinem Frauenleben der Sexualität, ist natürlich total verändert, aber ist natürlich ein riesen Tabuthema.

**Stefanie Seldmann** (4:31)
Doch wohin sollen sich Betroffene wenden? Wer ist zuständig? Wer kennt sich aus mit Fatigue, Neuropathie und Verdauungsbeschwerden nach Krebs?
Mit wem kann ich über die Angst vor dem Rezidiv oder sexuelle Probleme sprechen? Gehe ich zur Onkologin oder zum Hausarzt? Zur Gynäkologin? Wie viele Betroffene fühlte sich auch Kirsten Hahn mit ihren Fragen und Sorgen allein gelassen, nachdem die Therapie ihres Eierstockkrebses abgeschlossen war.

**Kirsten Hahn** (4:58)
Also unsere Probleme fangen an, sobald die Chemotherapiezeit zu Ende ist.
Da fehlt es schon an einer Betreuungsstelle, wo wir gut aufgehoben sind. Viele Frauen kriegen es nicht mehr hin, auf ihr Herz-Greiflauf-System zu achten, auf ihren Impfstatus, auf ihre normale Vorsorge wie Darmkrebs usw. Blase untersuchen lassen. Viele Frauen haben Lymph-Ideen. Das sind ganz viele Baustellen, die wir haben.

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