**Micky Beisenherz** (0:00)
Es ist Mittwoch, der 23
**SPEAKER_2** (0:02)
Juli.
**Micky Beisenherz** (0:17)
Einen wunderschönen guten Morgen, herzlich willkommen zu Apokalypse & Filterkaffee, mit dem Nachrichten-Müsli am Donnerstag. Und auch heute gibt es wieder unzählige Themen, die nur darauf warten, hier höchstkompetent besprochen und seziert zu werden. Und das darf ich heute mit einem besonderen Gast. Das ist seine Apofika-Premiere. Er ist Philosoph, Autor, Moderator und Erfolgspodcaster. Ist er natürlich auch ein Mann. Dank dem, dass das geistig-moralische Niveau dieses Podcast um einen Schlag um neun Oktaven steigt. Ich sage guten Morgen, Richard David Precht.
**Richard David Precht** (0:51)
Guten Morgen, Markus Felgenkirchen. Man kann jemanden auch so euphorisch anpreisen, dass das peinlich wird.
**Micky Beisenherz** (0:58)
Du hast sofort den Sinn dahinter erkannt. Nein, ich meine das ernst. Wir reden heute unter anderem über die neuen Front Männer. Das sind hauptsächlich Männer der Union. Über die Zukunft der sogenannten Brandmauer gegenüber der AFD und über die absurd weißen Szene von Jürgen Klopp reden wir vermutlich auch noch später. Ich höre dich schon stöhnen. Du freust dich. Und das alles machen wir am einen besonderen Tag. Am Tag der großartigen Großmütter.
An dem wird das große Herz der Familie geehrt. Sie sind Babysitter, Vorbilder und Vertrauenspersonen in einem. Tja, in meinem Falle leider auch schon längst tot. Beide Großmütter, viel zu früh. Die eine habe ich gar nicht erst erlebt. Die starb schon als meine Mutter Zwölfer. Und die andere, eine wirklich tolle Oma, war leider nur ein paar Jahre da. Richard, welche Rolle, welche Bedeutung hatten die Großmütter für dich?
**Richard David Precht** (1:52)
Also die eine Großmutter war auch schon tot, als ich geboren wurde.
Aber die andere Großmutter habe ich sehr geliebt. Ich habe meine Großeltern väterlicherseits sehr geliebt. Das war für mich so ein Refugium, wenn ich da in deren kleinen Genossenschaftswohnung in Hannover war.
Das war für mich ein Gefühl von heiler Welt. Und vielleicht ist das auch die wichtigste Aufgabe, die Großeltern haben. Ein bisschen Illusion einer heilen Welt, dass sie ihr Leben der Kinder zu zaubern. Gerade in heutigen und sturmischen Zeiten. Ich habe diese Oma sehr gemocht und sie ist sehr alt geworden. Sie ist 97 Jahre alt geworden und hat infolgen eines Unfalls gestorben. Also gute genetische Disposition. Sie hatte eine unglaubliche Lebensfreude. Und die hat sie sich auch tatsächlich bis im Alter von 97 Jahren bewahrt. Sie war dann in einem Altersheim, in dem sie am Ende fast so was wie eine Stimmungskanone war. Das ist natürlich großartig unter solchen Umständen. Zumindest in bestimmten Schüben noch große Lebensfreude zu verspüren.
**Micky Beisenherz** (2:50)
Das mit dem heile Welt, das kann ich total nachvollziehen. Ich glaube, so war es für mich auch. Meine Eltern waren sehr aktiv, sind am Wochenende auch gerne mal auf Touren gegangen. Dann da war ich immer bei Oma und Opa und erinnere mich so, die hatten dann gleichaltrige Freunde zu Gast samstags abends. Und dann gab es entweder, was weiß ich, verstehen sie Spaß oder wetten das. Und da kam so ein Nüsschen auf den Tisch und da wurden natürlich auch ordentlich gesoffen. Und ich durfte neben dem Tisch dann irgendwie dabei sein. Das war schon ja richtige Heimat und richtiges behütet sein, wie du es genannt hast. Und die Oma ist, weil die so Zugfahren so spannend sind, ist die mit mir alle zwei Wochen völlig sinnlos drei Stationen von Köln ins Bergische Land gefahren und wieder zurück, nur damit ich Zug fahren durfte.
**Richard David Precht** (3:34)
Ja, das ist doch eine großartige Großmutter, oder? Ich meine, bei uns war das so, auch mit dem Gemütlichkeit. Wenn ich da bei meinen Großeltern war, die waren beide schwerhörig und die hatten Kopfhörer. Die sahen damit wirklich aus wie Kosmonauten. Also so richtig so ganz dicke Kopfhörer, ja? Also fünf Zentimeter tief. So wie das, was du jetzt auffasst. So richtig so dicke Dinge auf den Ohren. Und die unterhielten sich dann, wenn sie den blauen Bock guckten oder was auch immer, während ich also schon im Bett lag, und die unterhielten sich wahnsinnig laut.
Weil sie ja wegen ihrer eigenen Schwierigkeit ohnehin laut sprachen hatten sie noch die Kopfhörer auf und meine Oma lachte. Also unglaublich gerne und unglaublich viel. Und ich weiß, dass ich also, wenn ich dann in dem Bett lag, in dem Kinderzimmer meines Vaters und ich hörte dann durch zwei offene Türen, hörte ich das Lachen meiner Großmutter. Also das hatte schon so was unfassbar gemütliches. Da war wirklich dann die Welt in Ordnung.
**Micky Beisenherz** (4:26)
So, gemütlicher wird es in diesem Podcast heute nicht mehr. Jetzt wird es ernst. Zwick mich bitte mal.
Ist Timmy noch am Leben? DNA-Ergebnis stellt alles auf dem Kopf.
Das ist die Schlagzeile der Bild-Zeitung. Der Fall, um den in der Ostsee vor der Insel Pöl gestrandeten Buckelwahl hat schon so manche überraschende Wendung genommen. Aber es gab auch falsche Spuren. Jetzt scheint eine DNA-Analyse alles, was wir zu wissen glaubten, auf den Kopf zu stellen. Die Auswertung belegt offenbar, dass der tote Wal auf Anholdt vor Dänemark gar nicht Timmy ist oder war. Lebt Wal Timmy etwa noch, fragt die BILD-Zeitung. Es ist ein ziemliches Clickbait, aber ich frage dich jetzt erst mal, Richard, wie wundervoll wäre das für dich? Sollte Timmy, der Tod geglaubte, tatsächlich doch noch leben?
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