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Kabinettsumbau: Das Ende von Merz’ Boysclub?

Was jetzt?

July 24, 2026

Nach dem Rücktritt von Jens Spahn stellt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sein Kabinett neu auf. Den Posten von Jens Spahn (CDU) als Fraktionsvorsitzender soll Thorsten Frei (CDU) übernehmen, der bis dato Kanzleramtschef war.
Speakers: Azadê Peşmen, Monika Pilat, Friedrich Merz, Tina Hildebrandt
**Azadê Peşmen** (0:05)
Thorsten Frei ist noch Kanzleramtsminister, aber bald Fraktionsvorsitzender von CDU, CSU. Sein ursprüngliches Amt soll Nina Warken übernehmen, die ja Gesundheitsministerin war. Die Funktion übernimmt Carsten Linnemann. Sein Posten soll möglicherweise Franziska Hoppermann bekommen.
Und falls ihn jetzt schwindlig geworden ist bei den ganzen Namen, gar kein Problem. Wir dröseln das noch mal langsam auf. Hier im Update von Was jetzt? dem Nachrichten-Podcast der Zeit. Bei den vielen unterschiedlichen Zöllen, die US-Präsident Donald Trump angekündigt und umgesetzt oder wieder zurückgezogen hat, kann man auch mal schnell den Überblick verlieren. Die aktuellste Einordnung hören Sie gleich. Ich bin Azadê Peşmen und Redaktionsschluss für diesen Podcast war 16 Uhr.

**Monika Pilat** (0:56)
Hallo, ich bin Monika Pilat und zuständig für unsere Nachrichten. Wir sorgen mit einem Team von 60 festen und freien Mitarbeitern dafür, dass sie rund um die Uhr bestens aktuell informiert sind über alles, was in der Welt und in Deutschland passiert. Egal, ob sie uns hören, lesen oder unsere Live-Blogs verfolgen. Ihr Vertrauen ist dabei unser Ansporn. Mit ihrem Abonnement finanzieren sie unseren Journalismus. Alle Infos dazu finden sie auf www.zeitpunkt.de/abonnieren.

**Friedrich Merz** (1:26)
Es hat die Zahl der Frauen unter meinem Vorsitz in der CDU eine große, ist eine große Zahl nach oben gegangen. Ich tue alles, um das noch besser zu machen.

**Azadê Peşmen** (1:37)
Das hat Bundeskanzler Friedrich Merz im Sommerinterview mit dem ZDF gesagt. Ausgestrahlt wurde das Interview am Sonntag.
Tatsächlich ist der Frauenanteil bei den CDU-Bundestagsabgeordneten seit Friedrich Merz Parteivorsitzender ist leicht gesunken von 23,8 auf 22 Prozent. Aber immerhin drei der sieben Ministerposten sind von Frauen besetzt. Das ist aber der alte Stand, denn zumindest das Gesundheitsministerium übernimmt nun Carsten Linnemann. Nina Warken, die bisherige Gesundheitsministerin, wird nun Kanzleramtsministerin, als erste Frau in der Geschichte der Bundesrepublik. Als CDU-Generalsekretärin wird Franziska Hoppermann gehandelt. Tina Hildebrandt ist Chefkorrespondentin bei der ZEIT und in Sachen Personalwechsel in den Spitzenpositionen auf dem neuesten Stand. Hallo Tina.

**Tina Hildebrandt** (2:25)
Hallo.

**Azadê Peşmen** (2:26)
Zwei Frauen, einmal bestätigt, einmal mutmaßlich, an ziemlich hochkarätigen Positionen. Ist Friedrich Merz am Montag aufgewacht und hat seine feministische Ader entdeckt?

**Tina Hildebrandt** (2:38)
Nee, also da hatten es vorher ziemlich viele Frauen bei ihm lobbyiert, und zwar auch schon über eine ganze Weile. Und eigentlich dieses Prinzip kannte man ja, die Frauen in der Union sagen, es müssen aber mehr Frauen sein. Am Ende passiert es dann doch nicht. Und dass es jetzt doch passiert ist, das ist wohl auch das Ergebnis davon, dass Friedrich Merz, so heißt es zumindest, irgendwann selbst erkannt hat oder reingeräumt hat, dass es vielleicht ein bisschen besser ist, wenn man etwas mehr andere Perspektiven mitbekommt, auf dem Schirm hat, einfach einen bisschen größeren Radar hat.
Und das am Ende gab es natürlich auch das Argument, dass ihm selber das nützt, dass es auch für sein Image gut ist und nicht nur für sein Image, sondern auch für die Regierungsarbeit. Und das hat ihn wohl überzeugt.

**Azadê Peşmen** (3:17)
Welche Aufgabe wartet da im Bundeskanzleramt auf Nina Warken?

**Tina Hildebrandt** (3:22)
Ja, formal ist sie natürlich die Koordinatorin der Regierung. Sie ist zuständig für die Geheimdienste, hat da die Aufsicht. Aber im Grunde ist der Job geht ja weit darüber hinaus. Sie hat das Ohr des Kanzlers. Er sollte auch ihr Ohr haben. Sie spricht mit den Bundesländern, müsste da für einen reibungslosen Ablauf sorgen. Genauso mit den Fraktionen. Also man ist da wirklich an einer ganz, ganz zentralen Stelle. Es ist einer der härtesten Jobs, die man in der Regierung haben kann. Deswegen, als es um andere Namen ging, hieß es auch von einigen, die haben da gar keine Lust dazu, denn man kommt da irgendwie erst spät abends wieder raus. Also man ist wirklich an einer absoluten zentralen Schaltstelle der Macht. Und in der Vergangenheit war das ja auch ein Posten, der häufig ein Sprungbrett wurde für die Leute, die das gemacht haben.

**Azadê Peşmen** (4:09)
Frank-Walter Stahnmeier zum Beispiel, der ja auch mal Kanzleramtsminister war. Ist das eine Art Weichenstellung, damit die Arbeit in der Koalition besser läuft? Die SPD hatte sich ja beschwert, dass es auf Unionsseite im Koalitionsausschuss gar keine Frauen gibt.

**Tina Hildebrandt** (4:26)
Also man muss einmal sich natürlich nochmal klammern, das Ganze ist nach wie vor eine Notoperation. Denn das war ja entstanden durch den wirklich, wirklich überraschenden Rückzug von Jens Spahn. Und es ist jetzt natürlich der Versuch, aus dieser eigentlich misslichen Situation was Gutes zu machen. Und natürlich ist es eine Weichenstellung. Ich glaube, an der Stelle ist es auf jeden Fall ein Erfolg der Frauen. Aber ist das gar nicht vordergründig für Merz? Er hat Warken ausgesucht, weil sie gezeigt hat mit ihrer Gesundheitsreform, dass sie in sehr kurzer Zeit in der Lage ist, was auf die Beine zu stellen. Sie war die erste Ministerin, die eine Reform, oder man kann auch sagen, ein Sparpaket auf den Weg gebracht hat. Und er hatte ihr zwischendurch die Aufgabe gegeben, das schneller als geplant noch zu machen. Wie hat das angenommen? Sie hat das hinbekommen und sie hat es geräuschlos hinbekommen. Also ohne große Verwerfungen, ohne dass da irgendwie sehr viel am Ende zerpflückt wurde. Und das ist natürlich die Hoffnung, dass es so dann auch künftig im Kanzleramt bzw. in der gesamten Regierung läuft.

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