Topics: Science
**SPEAKER_1** (0:03)
Das Wissen.
**Anne Müller** (0:08)
Am Max-Klank-Gymnasium in Nürtingen geht es in der 5c heute um Jugendschutz im Netz.
**Laura Blumenthal** (0:13)
Achtung, das ist jetzt ein bisschen kritischer. Es geht um ein TikTok-Video, wo man sieht, dass ein Junge verprügelt wird auf dem Spulhof. Jemand hat das jetzt gesehen und hat den Link dazu in eine Klassengruppe weitergeschickt mit den Worten und hat das auch mal richtig verdient. Wenn ihr sagt, eigentlich schon allein das Weiterleiten von solchen Links, das kann schon eine Straftat sein, dann macht ihr bitte mal die Daumen runter. Bitte jetzt abstimmen.
**Anne Müller** (0:42)
Viele Kinder und Jugendliche nutzen täglich TikTok, Instagram, YouTube und andere Social-Media-Plattformen. Dort begegnen ihnen immer wieder Gewalt, Hass, sexualisierte Inhalte oder extremistische Propaganda, die oft schneller als Eltern, Schulen und Behörden reagieren können.
Wie also können Minderjährige im Netz besser geschützt werden?
**Franzi Benning** (1:06)
Jugendschutz im TikTok-Zeitalter.
**SPEAKER_1** (1:08)
Warum Social-Media-Verbote nicht ausreichen.
**Anne Müller** (1:12)
Von Lorena Schreiber.
**Laura Blumenthal** (1:14)
So, also viele sind aufgestanden, haben die Daumen runter gemacht. Setzt euch mal dahin.
**Anne Müller** (1:20)
Medienpädagogin Laura Blumenthal löst auf.
**Laura Blumenthal** (1:23)
Und ihr habt tatsächlich recht. Also auch schon das Weiterleiten von solchen Links, die zu gewalttätigen Videos führen. Da kann man sich schon strafbar gemacht haben.
**Anne Müller** (1:34)
Das geteilte Gewaltvideo im Klassenchat ist nur eines der Beispiele, um die es hier beim Medienkompetenz-Workshop geht. Die Kinder der 5c sprechen auch über heimlich aufgenommene Bilder, irreführende Werbeversprechen und problematische TikTok-Videos.
Welche Inhalte halten sie denn für problematisch?
**SPEAKER_5** (1:53)
Allgemein halt falsche Links oder Kettenbriefe. Vielleicht Links, die gar nicht stimmen und die mir jetzt einen Virus geben in mein Handy. Also Betrug halt generell. Vor allem Fake News, wenn man dann nicht weiß, dass es falsch ist und dann denkt, dass es richtig ist und das dann vielleicht auch anderen Leuten sagt und die das dann auch denken.
**Anne Müller** (2:12)
Politik und Gesellschaft diskutieren zunehmend über strengere Social-Media-Einschränkungen für Kinder und Jugendliche. Mitte September will eine Expertenkommission der Bundesregierung ihren Abschlussbericht zum digitalen Jugendschutz vorlegen. Danach wird die Politik über ein mögliches Social-Media-Verbot entscheiden. Zur Verbotsdebatte kommen wir noch.
In dieser Folge von Das Wissen geht es um die grundsätzliche Frage. Wer schützt Kinder und Jugendliche eigentlich im Netz vor problematischem Content? Wo stößt das bestehende System an seine Grenzen und wie kann Jugendschutz im Netz besser gelingen?
Um zu verstehen, womit Kinder online konfrontiert werden, müssen wir erst mal dorthin schauen, wo diese Inhalte systematisch gesichtet und bewertet werden. In Mainz sitzt Jugendschutznet. Bund und Länder finanzieren das gemeinsame Kompetenzzentrum. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durchforsten das Netz nach Verstößen gegen den Jugendmedienschutz.
**Amelia Krebs** (3:11)
Das ist jetzt, sag ich mal, so ein Beschwerdeformular von uns. Das heißt, irgendjemand aus der Bevölkerung hat uns das geschickt. Unter dem Begriff Pornografie mit diesem Link. Jetzt haben wir hier unser System. Das ist Myra. Den klicken wir aber jetzt erstmal drauf. Das allererste, was ich jetzt beispielsweise mache, ist, haben wir das bei uns vielleicht im System schon ablegen. Haben wir nicht. Vorgang hinzufügen.
Dann hab ich hier meinen wunderbaren Tunst, den DNS-Checker.
Gib das ein. Ja, es ist die US sozusagen, Abfrage sagt, es ist in Amerika.
**Anne Müller** (3:50)
Amelia Krebs ist Fachreferentin bei Jugend Schutz Nett und sichtet dort in der Abteilung Pornografie und Selbstgefährdung täglich das, was viele Eltern ihren Kindern gerne ersparen würden.
**Amelia Krebs** (4:01)
Ich nenne uns immer so ein bisschen die Aktenablage, weil wir haben fast alle Inhalte, die nicht politischer Extremismus, sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen oder technisch ist. Das heißt, wir haben jetzt hier PSGX-Pornografie, Selbstgefährdung, dann kam noch Gewalt, wir haben Cyber-Bowling, wir haben Kosten fallen, unter Selbstgefährdung fallen dann noch Drogen, Challenges, Suizid, Essstörungen. Ich glaube, dann haben wir es aber. Pornografie ist eigentlich auch noch so Tierpornografie und Nekrophilie-Pornografie und so weiter, fällt da auch drunter.
**Anne Müller** (4:34)
Im Netz lassen sich diese Gefahren kaum voneinander trennen. Wer sich mit einem belastenden Thema beschäftigt, bekommt vom Algorithmus oft weitere, ähnliche Inhalte empfohlen.
Um Verstöße überhaupt zu finden, setzt Jugendschutznet auf ein systematisches Plattform-Monitoring. Dabei nehmen Amelia Krebs und ihr Team vor allem die Dienste in den Blick, auf denen Kinder und Jugendliche besonders aktiv sind. TikTok, Instagram, YouTube, Snapchat oder Twitch. Sie prüfen, ob voreingestellte Schutzfunktionen funktionieren. Etwa Inhaltsfilter, den sogenannten begleiteten Modus für Eltern, Chat-Beschränkungen oder deaktivierte Kauffunktionen.
**Amelia Krebs** (5:15)
Unsere Vorgehensweise ist, wir gehen erstmal als User in, als ganz normales Konto hin und sagen, hier haben wir einen Verstoß. Dann gucken wir, wie schnell reagiert der Dienst, wenn wir aus der Bevölkerung kommen. Dann kommen wir noch mal als wir sozusagen das Jugendschutz nett schauen, wie lange sie da brauchen. Unsere Statistiken sagen, dass sie schneller reagieren, wenn wir als Institution melden.
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