Inside Moskau: Putin plant eine böse Überraschung. Mit Alexander Graf Lambsdorff artwork

Inside Moskau: Putin plant eine böse Überraschung. Mit Alexander Graf Lambsdorff

RONZHEIMER.

August 2, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Alexander Graf Lambsdorff, der erst vor wenigen Tagen als deutscher Botschafter aus Moskau zurückgekehrt ist.
Speakers: Alexander Graf Lambsdorff, Paul Ronzheimer
**Alexander Graf Lambsdorff** (0:01)
Mit uns, mit den Europäern, will Russland nicht reden. Mit uns will man nicht reden, weil wir ja die stärksten Unterstützer der Ukraine sind. Und man sich aus Moskau, nochmal, wir setzen uns jetzt in den Kopf von Wladimir Putin, sieht man sich auf Augenhöhe mit Washington. So, wenn jetzt aber die Europäer keine Gesprächspartner sein sollen und die Amerikaner keine Gesprächspartner sein wollen, dann bleibt die militärische Option. Und dann kann die Ukraine natürlich genau mit dieser Strategie versuchen, einen unheimlichen Druck zu machen.
Aber es muss ja dann irgendwann sozusagen eine Idee entwickelt werden, mit wem soll man reden. So, und dann stellt sich die Frage, aus der Sicht des Kreml wohlgemerkt, mit wem kann man denn dann reden?
Und sie lehnen ja auch Zelensky ab als Gesprächspartner. Sie lehnen ja auch die Ukraine als Gesprächspartner ab. Und von daher glaube ich, ist zurzeit aus der Sicht des Kreml, das militärische Vorgehen ist das einzige, was man beherrscht, was man kennt, was man kann. Zwar nicht perfekt, aber man kann es. Und deswegen ist es der Vektor, auf dem sich die russische Linie zurzeit bewegt.

**Paul Ronzheimer** (1:07)
Ich sitze hier mit einem Mann, der erst vor wenigen Tagen aus Moskau zurückgekehrt ist. Er war deutscher Botschafter seit 23 Da wurde er benannt und hat dort all das erlebt, worüber wir hier im Podcast gesprochen haben. Putin, einerseits, als er sich auf der Siegerstraße füllte, dann unter Druck.
Er hat erlebt, wie es ist, wenn man in einem autokratischen Staat unterwegs ist. Und über diese ganzen Fragen möchte ich jetzt mit Alexander Graf Lambsdorff sprechen. Ich grüße Sie, Herr Graf Lambsdorff.

**Alexander Graf Lambsdorff** (1:44)
Schön, hier zusammen.

**Paul Ronzheimer** (1:46)
Wie ist das, wenn man zurückkommt aus Moskau? Fühlt man sich da erstmal befreit oder muss man sich das nicht so vorstellen?

**Alexander Graf Lambsdorff** (1:55)
Also wenn man drei Jahre in einem Land lebt, auch mit dem ganzen Schutz, den man als Diplomat ja genießt. Aber wenn man drei Jahre in einem Land lebt, das immer autoritärer wird. Wo Freunde, Bekannte mit einem Bein im Gefängnis stehen.
Und wo eine Wahl jetzt im Herbst auf uns zukommt im September, bei der die Ergebnisse schon in der Zeitung nachzulesen gewesen sind, weil der Kreml das alles durchorganisiert. Also wenn man aus einem so unfreien Land zurückkommt, dann passiert etwas, das hab ich in der Form gar nicht so erwartet, so eng persönlich. Man lernt die Luft der Freiheit auf eine Art und Weise zu schätzen, wie man das vielleicht vorher nicht erwartet hat. Und so war es bei mir auch.
Man fährt zurück in die Freiheit, man fährt über die Grenze. Ich bin mit der Familie mit dem Auto zurückgekommen. Und dann sehen sie das blaue Schild und den goldenen Stern von der Europäischen Union. Und sie wissen, sie sind in Freiheit. Und das ist ein ganz besonderes Gefühl. Es ist ein schönes Gefühl.
Es waren drei wirklich spannende und auch wichtige Jahre. Aber diese Rückkehr in ein freies Land ist was Wunderbares.

**Paul Ronzheimer** (3:07)
Lassen Sie mich mal vorlesen, was der Bundesanzeiger am 8 Januar 2024 veröffentlicht hat. Zitat. Das Auswärtige Amt gibt bekannt. Der außerordentliche und bevollmächtigte Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in der Russischen Föderation, Herr Alexander von der Wenge Graf Lambsdorff, ist am 4 Dezember 2023 von dem Präsidenten der Russischen Föderation, Herrn Wladimir Vladimirovich Putin, zur Überreichung seines Beglaubigungsschreibens empfangen worden.
Was war das für ein Tag, als sie Putin getroffen haben?

**Alexander Graf Lambsdorff** (3:44)
Das ist ein besonderer Tag. Also das ist ja der Tag, an dem man sozusagen als Repräsentant Deutschlands, ganz konkret Repräsentant des Bundespräsidenten, dem Staatspräsidenten des anderen Landes da einen Brief übergibt, den Brief, den also bei uns Frank-Walter Steinmeier unterschrieben hat, als Bundespräsident und damit erst mit dieser Übergabe, sehr altmodisch, mit dieser Übergabe wird man zum Botschafter. Also das ist ein ganz besonderer Tag, dass das eine ist. Das zweite ist, es war ein Tag, der natürlich im Kreml war.
Und wir haben diesen Tag im großen Georgs Saal verbracht. Da waren auch noch andere Botschafter dabei. Man muss dazu sagen, Wladimir Putin als Präsident hat eine Angewohnheit, die sehr präsidial vielleicht ist. Er kommt grundsätzlich Stunden zu spät. Das heißt, wir saßen sehr lange im Kreml.

**Paul Ronzheimer** (4:35)
Wer ist wir?

**Alexander Graf Lambsdorff** (4:36)
Die anderen Botschafter? Ich war nicht alleine, da waren noch andere Botschafter dabei. Das Staatsprotokoll, das russische, russische Presse und so. Und wir saßen da ungefähr zwei Stunden und warteten auf den Präsidenten. Also es war ein für mich persönlich sehr interessanter Tag. Politisch war es ein Tag, der im Grunde bestätigte, was ich auch erwartet hatte, nachdem ich gebeten worden bin, diesen Posten zu übernehmen.
Und Präsident Putin hat seine Positionen bekräftigt, zuversichtlich, relativ entschlossen, was den Krieg angeht.

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