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IM REICH DER KÄLTE - Gefährtinnen im Eis

Alles Geschichte - Der History-Podcast

August 14, 2026

Sie organisierten Rettungsaktionen, managten Expeditionen und waren oft genug selbst Teilnehmerinnen: Die Frauen berühmter Polarforscher wie Peary, Franklin und Shackleton waren unkonventionell und verblüfften nicht nur die Presse ihrer Zeit. Ein Podcast von Lavina Stauber (BR 2025).
Speakers: Lavinia Stauber, Christian Zalewski, Barbara Schennerlein

Topics: History

**SPEAKER_1** (0:05)
Alles Geschichte, Der History-Podcast.

**Lavinia Stauber** (0:17)
Die Luft über dem Hafen von Brooklyn, New York, steht in der Sommersonne. Ein Gestank aus Fisch, Öl und der salzigen Luft des Meeres zieht über den Kai.
Doch das lässt die Menschen unbeirrt, die an diesem Juni-Tag im Jahr 1891 in den Hafen strömen, um einem bestimmten Schiff und dessen Besatzung bei ihrer Ausfahrt zuzuwinken.
Dem Walfang-Dampfer Kite. An Bord befindet sich der US-amerikanische Polarforscher Robert Peary. Ein Mann, der für sein Land etwas Großes erreichen möchte. Er möchte als erster Mensch am Nordpol stehen. Einem Stück der Welt, das Ende des 19 Jahrhunderts noch keine Landesflaggen trägt. Doch während er auf Deck für die Menge im Hafen posiert, ist es die Person an seiner Seite, die den Zuschauenden in Erinnerung bleibt.

**SPEAKER_3** (1:12)
Die Expedition von Peary erregte viel Aufmerksamkeit wegen der Anwesenheit von Mrs. Peary, die als erste Frau die Entbehrungen einer arktischen Expedition auf sich nimmt.

**Lavinia Stauber** (1:23)
So schreibt die New York Times noch ein Jahr später, am 28 Juni 1892, über den Start von Robert Pearies lang während der Suche nach dem nördlichen Pol dieser Welt. Und rückt damit eine der Personen ins Licht der Öffentlichkeit, die in ihrer Zeit für den Ruhm, die Finanzierung, die Medienwirksamkeit und vor allem auch für den Ausgang einer solchen Expedition von großer Bedeutung sind.
Die Gefährtenen der großen Polarentdecker des goldenen Zeitalters der Polarforschung.
Ab Mitte des 19 Jahrhunderts setzt ein global wachsendes Interesse an beiden Polregionen ein. An der Antarktis wie der Arktis, das bis circa 1940 anhält. Es ist ein regelrechtes Wettrennen der Expeditionen und ein Kampf um Rekorde und Entdeckungen in dieser bis dahin recht unerforschten Gegend. Christian Zalewski leitet das Archiv für deutsche Polarforschung am Alfred-Wegener-Institut in Bremerhaven. Er beschäftigt sich vor allem mit der Geschichte der Polarforschung und wie alles begonnen hat.

**Christian Zalewski** (2:30)
Da stand ganz klar im Vordergrund die Eroberung von Kolonien, die Intensivierung der Herrschaft dort einerseits und andererseits die Förderung der geografischen Forschung, der geografischen Polarforschung, damit die von ihr entdeckten Territorien von den jeweiligen Ländern dann beansprucht werden konnten.

**Lavinia Stauber** (2:50)
Getragen von nationalem Ehrgeiz, wissenschaftlicher Neugier und militärisch und handelsstrategischen Interessen, entwickelt sich die Polarforschung dank der technischen Fortschritte und Möglichkeiten ab Mitte des 19 Jahrhunderts zu einem eigenständigen Feld, vor allem aber auch zu einem männlichen.

**Barbara Schennerlein** (3:08)
Man muss sich vor Augen halten, dass erst vor reichlich hundert Jahren die letzte große Landmasse unserer Erde entdeckt wurde. Und mit diesem Wissen in einen unbekannten und auch von der Natur sehr harsches Gebiet aufzubrechen, das kann man nicht von der Hand weisen, das war gefährlich. Und die Rollenzuschreibung war eben so, Gefahren besteht der Mann.

**Lavinia Stauber** (3:30)
Barbara Schennerlein ist Sprecherin des Arbeitskreises Geschichte der Polarforschung bei der Deutschen Gesellschaft für Polarforschung. Sie beschäftigt sich unter anderem auch mit der Frage, welche Rolle Frauen bei den Expeditionen ins Eis gespielt haben. Und zwar nicht nur als unermüdliche Unterstützerinnen ihrer Partner, sondern auch als eigenständig Forschende.
Josephine wird in den USA geboren als Tochter deutscher Einwanderer. Bei einem Tanzkurs lernt sie Robert Peary kennen. Einen Ingenieur der amerikanischen Marine, der zu diesem Zeitpunkt noch keinen Namen als Polarforscher hat, sondern, ganz im Gegenteil, im tropischen Klima von Nicaragua Vermessungsarbeiten durchführt.
Seine Leidenschaft für den Nordpol entbrennt später, nach der Lektüre eines Buches über Grönland. Es muss ihn nachhaltig fasziniert haben. Denn drei Jahre nach der Hochzeit richt er auf zu seiner ersten Grönland-Expedition. Mit dabei seine Frau auf ihren Wunschen.
Denn für Josephine Peary ist jetzt, wo sie verheiratet sind, klar, dass sie ihren Mann nicht mehr alleinziehen lässt. Also überwintert auch sie zusammen mit den Männern in der Arktis. Sie lebt in derselben Umgebung, beobachtet, lernt und hält fest, was sie erlebt. Erinnerungen, die sie später in den USA mit den Leserinnen und Lesern der New York Times teilt. Und dabei vor allem mit dem Vorurteil aufräumt, Grönland sei nichts als eine kalte, trostlose Eishöste.

**SPEAKER_6** (5:09)
Es ist nicht immer Winter in Grönland. Wir haben dort einen Sommer von beinahe vier Monaten, währenddessen die Vegetation sehr üppig ist. Das Gras wächst oft einen Fuß hoch über den alten Igluus oder Hütten und ist reichlich übersät mit leuchtend gelben Monblumen, Fingerkraut, Glockenblumen und Rotodendren.
Während der milden Jahreszeit sind Himmel und Wasser wunderschön blau und die Luft ist wunderbar weich und klar.

**Lavinia Stauber** (5:36)
Erzählt sie am 7 Oktober 1894 in einem Interview mit der New York Times. Denn während Robert Peary auf Erkundungstour ist, um Grünland für sich und seine Nation zu entdecken, übernimmt Josephine Peary andere Aufgaben, die für das Gelingen der Unternehmungen vor Ort entscheidend sind. Sie tauscht Tabak, Nadeln, Messer oder Stoffe gegen frische Nahrung oder Fälle.
Außerdem erwirbt sie persönliche Gegenstände der Einheimischen, wie einen geschnitzten Löffel aus Walrosszahn, die in den USA für ethnografische Sammlungen bestimmt sind. Sie zieht nicht mit den Männern weiter aufs ewige Eis in verlassene Gegenden, sondern bleibt bei den Siedlungen der Einheimischen.

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