Topics: History
**Katja Amberger** (0:05)
Alles Geschichte. Der History-Podcast.
**Sebastian Fischer** (0:15)
Was bringt einen Menschen dazu, alles aufzugeben?
**Katja Amberger** (0:19)
Es sind nun bei nahe zwei Monate, seit ich dich verlassen habe.
**Sebastian Fischer** (0:23)
Warum riskiert ein junger Mann seine Gesundheit, seine Existenz, sein Leben in der eisigen Wildnis Kanadas?
**Katja Amberger** (0:30)
Und wenn ich dich nicht ganz vergessen habe, so ist es nicht die Schuld dieser Reise. Denn gewiss ist sie des Teufels eigene.
**Sebastian Fischer** (0:38)
Am 6 Mai 1897 schreibt Edgar A. Mincer aus einem Lager auf dem Eis des zugefrorenen Lake Bennet im Nordwesten Kanadas nach Hause.
**Katja Amberger** (0:49)
Der Mann, der das Yukon Gold will, sollte wissen, woran er sich macht, bevor er aufbricht. Wenn es einen leichten Teil der Reise gibt, bin ich noch nicht auf ihn gestoßen.
**Sebastian Fischer** (0:59)
Edgar A. Mincer ist einer von Zehntausenden, die zwischen 1896 und 1899 dem Lockruf des Goldes in den unbarmherzigen Norden des amerikanischen Kontinents folgen. Mit dem Schiff, auf kleinen Booten, mit dem Hundeschlitten, zu Fuß.
Über vereiste Bergpässe, durch zerklüftete Schluchten, über reißende Ströme und Flüsse. Bedroht von Kälte, Hunger und wilden Tieren.
**Katja Amberger** (1:27)
Behalte das Fressen immer im Auge, besonders den Speck.
Denn die Hunde sind wie so viele gefräßige Wölfe.
Und das gilt nicht gerade als das Richtige, ohne etwas zu essen dazustehen, in diesem frostgebissenen Land.
**Sebastian Fischer** (1:44)
Das Goldfunde in den USA eine wahre Massenhysterie, eine regelrechte Migrationsbewegung auslösen, das hat es schon öfter gegeben. Am bekanntesten ist der kalifornische Goldrausch von 1848, der zehn Jahre andauerte. Er ist heute Teil der Legende vom wilden Westen der USA. Was aber ab 1897 am Klondike-Fluss geschah, war genau genommen ein Grenzfall. Denn auch wenn viele Goldsucher über den US-Bundesstaat Alaska anreisten, das Zentrum des Goldrausches lag auf kanadischem Gebiet.
Genau genommen am Fluss Klondike, der in den großen Yukon mündet. Dort hat es schon vor dem Goldrausch Goldsucher gegeben. Die meisten der wenigen Bewohner aber waren eingewanderte Holzfäller, Jäger, Pelzhändler und natürlich die indigenen Stämme der Hän. Insgesamt lebten wohl bis Ende der 1880er Jahre dort nur wenige tausend Menschen. Bis ein Ereignis alles änderte.
Im August 1896 fischt George Carmack mit seiner indigenen Frau Chautla, genannt Kate, und den beiden Begleitern Skokom Jim und Dawson Charlie vom Volk der Taggish an der Mündung des Klondike in den Yukon. Er hatte zuvor von einem Goldsucher einen Tipp bekommen, es dort doch auch mal mit dem Schürfen zu versuchen. Deshalb waschen sie mit der Goldpfanne Kies und Sand aus und holen schließlich einen daumengroßen Brocken aus dem Bach. Heute geht die Forschung zwar davon aus, dass nicht George Carmack der Finder des Goldes war, sondern einer seiner indigenen Begleiter. Den Claim, also den Anspruch auf die Schürfrechte in dem Gebiet, meldete er aber auf seinen Namen an. Als weißer Mann hatte er mehr Anspruch und Privilegien. Dieser Fund vom Rabbit Creek, der danach Bonanza Creek heißen wird, wird jedenfalls alles am Klondike verändern.
Ein Jahr nach dem Fund, im August 1897, legt im Hafen von Seattle der Dampfer SS Portland an. Er kommt aus Alaska.
**Katja Amberger** (3:56)
Und der Seattle Post-Intelligenz zertitelt, Gold, Gold, Gold, 68 reiche Männer auf dem Dampfer Portland.
**Sebastian Fischer** (4:05)
Die Zeitung schreibt von Goldsuchern, die mit Nuggets im Wert von 700 Dollar im Hafen angekommen waren.
**Ursula Lehmkuhl** (4:13)
Diese Information, die ja tatsächlich erst mal so nach einem Jahr ankam, verbreitete sich dann aber rasend schnell.
**Sebastian Fischer** (4:20)
Die Historikerin Ursula Lehmkuhl. Sie ist Professorin für Nordamerikanische Geschichte an der Universität Trier.
**Ursula Lehmkuhl** (4:28)
Weil wir eben in den 1880er und 1890er Jahren auch einen wirklich tiefgreifenden Medienwandel hatten. Also die Yellow Press, die Massenpresse, der Journalismus, die entstanden da alle. Wir haben einen Sensationsjournalismus und der trug einfach enorm dazu bei, dass sich diese Nachricht so schnell verbreiten konnte.
**Sebastian Fischer** (4:48)
Der San Francisco-Korrespondent der New York Sun schildert die Begeisterung für die Goldsucher bei der Ankunft der Goldgräberschiffe.
**Katja Amberger** (4:57)
Die glücklichsten unter diesen Goldgräbern sind Herr und Frau TS. Lippe, die im April 1896 von hier aufbrachen.
Sie brachten 60 Dollar zurück. Sie gingen über Juno und den Pass hinein. Und Mrs. Lippe war die erste Frau, die diesen Trail ging. Sie ist eine gute Gewehrschütze und brachte das Geweih eines Elchs mit, den sie erlegt hatte.
**Sebastian Fischer** (5:19)
Der Goldrausch trifft die USA in einer tiefgreifenden Wirtschaftskrise.
**Ursula Lehmkuhl** (5:24)
Es gab Banken- und Eisenbahnzusammenbrüche, Unternehmenspleiten, Massenarbeitslosigkeit etc. etc. Also eine schwierige Zeit im Hinblick auf die wirtschaftliche Lage.
Und das muss man natürlich dann nochmal ergänzen, auch durch die dann dadurch entstehenden sozialen und politischen Konflikte, die ja noch hinzukommen.
**Sebastian Fischer** (5:44)
Der Wert des Geldes war in dieser Zeit in den USA an das Gold gekoppelt. Dieser Goldstandard garantierte jedem Einleger bei seiner Bank, den Betrag in Gold zu bekommen, der auf der Banknote abgedruckt war.
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