**SPEAKER_1** (0:02)
ARD, Sounds, Das Wissen.
**Sarah Schaschek** (0:04)
Im April 2026 startet der größte Windpark der USA in den Testbetrieb. Von New Mexico aus fließt plötzlich massig Strom nach Kalifornien. Aber fast niemand bekommt es mit. Es gibt keine Pressemeldung, keine Party.
Nur ein paar Stromexperten werden stutzig, wie Abby Listina eine von ihnen in einem Podcast erzählt.
**Hannah Hess** (0:31)
Es gab einen riesigen Sprung der Windenergie im kalifornischen Netz.
**Sarah Schaschek** (0:36)
Plötzlich ist Strom für eine halbe Million Menschen zusätzlich geflossen.
Der heimliche Rekord zeigt den Widerspruch, in dem die Energiebranche der USA steckt. Präsident Donald Trump blockiert den Klimaschutz nach Kräften. Gleichzeitig baut die Industrie grüne Energie massiv aus. Nicht nur in liberalen Bundesstaaten wie New Mexico und Kalifornien, sondern noch stärker in Konservativen, dort, wo Trump viele Unterstützer hat.
**Birgit Klaus** (1:09)
Grüne Energie ohne Trump– wie die US-Wirtschaft für Klimaschutz sorgt. Von Sarah Schaschek.
**Sarah Schaschek** (1:17)
Unterwegs zu einem besonderen Ort der amerikanischen Energiewende, tief im republikanischen Mittleren Westen. Stundenlang geht es an Feldern entlang, die bis zum Horizont reichen, nach West Union, Iowa.
Der Ort ist winzig, 2500 Menschen leben hier, aber für die USA sind es Pioniere. Mehrere Ladenbesitzer– ein Friseur, der Fotoladen, die Bank– haben eine Energiegenossenschaft gegründet, um ökologisch zu heizen und zu kühlen. Sie werden von einem Erdwärmennetz unter der Einkaufsstraße versorgt. Ein neues Geschäft wird gerade angeschlossen.
**Ross Merton** (2:00)
Bei mir zu Hause habe ich auch Erdwärme. Ich wusste, dass es im Stadtzentrum diesen Anschluss ans Wärmennetz gibt und dass man dafür einen öffentlichen Zuschuss kriegt. Da ist mir die Entscheidung leicht gefallen.
**Sarah Schaschek** (2:13)
Scott Wiedeman baut das Geschäft, eine ehemalige Sattlerei, ohnehin gerade um.
Rund 40 Dollar kostet ihn den Anschluss ans Wärmennetz, weil der Bundesstaat Iowa einen großzügigen Zuschuss zahlt. Beim Antrag hat ihm der Stadtentwickler Matt Marsala geholfen.
**Jack Johnson** (2:34)
Ich will, dass noch mehr Geschäfte mitmachen.
Die Menschen hier profitieren enorm davon. Sie besitzen ja im Prinzip ihr eigenes Versorgungsunternehmen.
**Sarah Schaschek** (2:45)
West Union hatte Glück, den Bau der Nahwärmeanlage haben sie als Pilotprojekt für den Klimaschutz komplett finanziert bekommen. Die Technik wird auch in Deutschland hoch gehandelt. Sie macht die Menschen unabhängiger von den steigenden Energiekosten.
Erdgas beispielsweise, mit dem die meisten Menschen im mittleren Westen heizen, ist in den vergangenen fünf Jahren um 50 Prozent teurer geworden. In West Union haben sie stattdessen den Wärmepreis gesenkt. Die zweistöckige Bücherei, ebenfalls Teil der Genossenschaft, bezahlt für Heizung und Klimatisierung gerade mal 830 Dollar im Monat, einschließlich des Stroms für die Wärmepumpe. Der nationale Durchschnitt liegt bei 3400 Dollar.
Und in der Genossenschaft bestimmen die Mitglieder.
**Jack Johnson** (3:38)
Das Schöne ist, sobald der Ladenbesitzer den Anschluss hat, kann er über die Tarife und die Richtung mitentscheiden, die wir uns entwickeln. Versuch mal deinem Gasanbieter vorzuschreiben, was er zu tun hat.
**Sarah Schaschek** (3:53)
Auf der anderen Straßenseite, im Keller des Gerichtsgebäudes, ist der Maschinenraum des Wärmenetzes.
Dort erklärt der Ingenieur Larry Lallyfield, wie das Ganze funktioniert. Insgesamt 12 Geschäfte sind angeschlossen. Vor ihrer Tür, etwa zwei Meter unter der Straße, liegen Rohre, in denen ein Wasser-Glykol-Gemisch zirkuliert. Die Flüssigkeit wird durch 132 Sonden gepumpt, die 100 Meter tief in den Boden gebohrt wurden. Dort erwärmt sich die Flüssigkeit auf rund 10 Grad, rund ums Jahr. In den Geschäften machen Wärmepumpen daraus dann die gewünschte Temperatur.
**Adam Sodersten** (4:43)
Das Tolle ist, die Gemeinde kann die Grünfläche über der Anlage nutzen. Wir haben da ein Pavillon und wollen bald ein Amphitheater bauen. Gleichzeitig nutzen wir die ganze Zeit die Energie aus der Erde.
**Sarah Schaschek** (4:59)
Als größte Wirtschaftsmacht der Welt haben die USA enorme Möglichkeiten beim Klimaschutz. Zwar ist der Anteil von grünem Strom mit rund 25 Prozent noch gering, in Deutschland sind es bereits knapp 60 Prozent. Doch Experten des Clean Investment Monitor gehen davon aus, dass Europa und die USA bei der Senkung ihrer Emissionen etwa gleich aufliegen.
Die Regierung unter Präsident Joe Biden hat im Jahr 2022 eins der ambitioniertesten Klimaschutzgesetze verabschiedet, das die Welt bis dahin kannte, den Inflation Reduction Act. Hunderte Milliarden Dollar sind seitdem in grüne Technik geflossen. 43 Gigawatt Solarkraft haben die USA im Jahr 2025 installiert, knapp dreimal so viel wie Deutschland. Für 2026 sind neue Rekorde geplant. Die Batterieindustrie zum Beispiel will 60 Prozent mehr Anlagen bauen als im Rekordjahr 2025 Und das, obwohl Präsident Trump ein offener Klimawandelleugner alles versucht, um den Ausbau zu bremsen.
Ein Gesetz soll weitere Windparks verhindern, kündigte Trump an. Solche Eingriffe seien völlig maßlos, sagt Rachel Cletus, Leiterin der klimapolitischen Abteilung der Organisation Union of Concerned Scientists, die sich für eine wissenschaftlich fundierte Politik einsetzt.
**Birgit Klaus** (6:33)
Und zwar klar, dass uns eine Regierung bevorstand, die Klimawissenschaft und Klimaschutz mit Füßen tritt. Aber sie haben wirklich irre viel zerstört.
Vom ersten Tag an haben sie sich gegen die wissenschaftlichen Grundlagen gestellt und Berichte erstellt, die schlicht die Realität leugnen.
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