Gefährliche Lüge über Merz / Wer wirklich AfD wählt. Mit Julia Becker artwork

Gefährliche Lüge über Merz / Wer wirklich AfD wählt. Mit Julia Becker

RONZHEIMER.

July 8, 2026

Viele Menschen wenden sich von klassischen Medien ab – und genau darüber spricht Paul Ronzheimer mit Julia Becker, Verlegerin und Aufsichtsratsvorsitzende der Funke Mediengruppe.
Speakers: Julia Becker, Paul Ronzheimer
**Julia Becker** (0:01)
Also wenn du auf Döpfner und Merz zielst, dann musst du, finde ich, schon bewaffnet sein und ansonsten lässt du es lieber bleiben.
Ich hatte immer ein Störgefühl, dass Politik und Medien für mein Gefühl an einander gegenüberliegenden Seiten des Tisches sitzen. Und diese Kunglei oder das Selbstverständnis von wir sind auch privat alle gut befreundet.

**Paul Ronzheimer** (0:22)
Zu große Nähe.

**Julia Becker** (0:24)
Viel zu große Nähe. Ich finde, dass Herr Merz eine wunderbare Figur macht, wenn er den Weihnachtsmann im Sauberland schlägt.

**Paul Ronzheimer** (0:31)
Muss ich jetzt nachfragen. Also Friedrich Merz fand sich da blöd getroffen und hat dann dich angerufen.
Ich merke hier immer wieder, was für einen großen Bedarf es gibt, über Medien zu sprechen. Und das nicht nur für Menschen wie mich, die sich jeden Tag mit Medien beschäftigen, sondern ganz viele schreiben uns zuletzt beim Gespräch mit Rainer Esser, dass sie das wirklich interessiert, dass sie es umtreibt. Was ist mit Medien? In welche Richtung geht es? Und genau deshalb habe ich jemanden eingeladen, die sich sehr, sehr gut auskennt mit Medien, denn sie ist Verlegerin. Julia Becker. Sie ist Aufsichtsratsvorsitzenden der Funke Mediengruppe und verlegt Zeitungen wie die Westdeutsche Allgemeine Zeitung, das Hamburger Abendblatt oder die Berliner Morgenpost. Ich möchte mit ihr über die Medien in der Krise sprechen, aber auch über neue Möglichkeiten darüber, wie sich Verlage entwickeln und freue mich, dass sie bei mir ist. Hallo, Julia. Hallo, Paul.

**Julia Becker** (1:25)
Ich freue mich sehr, hier zu sein. Hätte ich glaube ich selber vor ein paar Jahren nicht gedacht, mal bei dir im Gespräch zu sitzen.

**Paul Ronzheimer** (1:31)
Ja, großartig, dass du hier bist. Wenn ich Medienmenschen, Prominente aus der Medienbranche zu Gast habe, mich interessiert immer, was konsumierst du eigentlich selbst? Was ist so dein Go-To-Medium?
Was konsumierst du als erstes morgens und wie sieht so ein Tag aus?

**Julia Becker** (1:53)
Also ich starte meinen Tag tatsächlich, wenn der Wecker klingelt, nämlich das Handy und dann lese ich zwei Newsletter. Das ist der Berliner Newsletter von Jörg Kvoss, also ein eigenes Produkt und dann den Frühdenker Newsletter der FAZ. Und dann gehe ich in den Tag, gehe in die Küche und dann starte ich mit dir. Und deswegen hat mich deine Einladung so gefreut, weil meine Tochter Mia hat mich vor einigen Jahren darauf hingewiesen, als dieses ganze Podcast-Thema natürlich für uns Medienverantwortliche irgendwie immer so ein, jetzt wächst da auch irgendwas, aber das nehmen wir alles noch nicht ernst und konzentrieren uns so auf unsere Hauptkanäle. Und Mia hat immer zu mir gesagt, Mami Ronzheimer, der hat irgendwie so eine gute Art, die Dinge des Tages, die relevantesten Dinge auf eine besonders ansprechende, sympathische und irgendwie coole Art einzuorten. Dann hab ich es angefangen und wie das so ist, jetzt bin ich ja auch schon mittelalt, ich hätte gerne oder ich habe morgens gerne erst mal was Vertrautes um mich rum. Mein Kaffee und deine Stimme und wenn ich mit dir durch bin, dann kommt vieles andere, weil ehrlicherweise diese, ich glaube, es hat was auch mit der Nähe eines Podcastgesprächs zu tun.
Klar, manche Themen, da denke ich dann nach zehn Minuten, okay, jetzt brauche ich was anderes. Also erst mal viel Podcast und dann starte ich in meiner eigenen digitalen Titel, schau an, was alle unsere Zeitungen so machen, womit sie aufmachen, also dann bin ich quasi drin. Aber das Ganze nimmt, würde ich sagen, nicht mehr als eine Stunde morgens ein, weil dann ruft der Tag und dann muss ich mich auf meine anderen Themen konzentrieren.

**Paul Ronzheimer** (3:36)
Das freut mich, das freut uns natürlich sehr. Wenn du breit schaust auf Zeitungen, Zeitschriften dieser Welt, gibt es da eine, von der du sagst, das ist die beste Zeitung, das beste Magazin der Welt?

**Julia Becker** (3:50)
Ich gucke gar nicht so viel ins Ausland, weil ich finde, in Deutschland ist alles da, was, also vor allen Dingen die Vielfalt in Deutschland, unserer Titelprodukte ist so besonders und so einzigartig, dass ich tatsächlich gar nicht so das Bedürfnis habe, jetzt die New York Times zu nennen, die vieles richtig machen, sondern ich finde klar, in Deutschland ist die Zeit ein Paradebeispiel dafür, wie es richtig geht. Das Gespräch, was du mit Rainer Esser geführt hast, war wichtig, auch um aus Zeitsicht nochmal ein Erfolgsmodell zu erklären, was im Kern viel damit zu tun hat, dass sie von Anfang an verstanden haben, die digitale Inhalte zu einem gleichen Preismodell anzubieten, wie das Printprodukt. Also, was diese Branche in Deutschland falsch gemacht hat, war vor mittlerweile ja drei Jahrzehnten, als es World Wide Web zu uns kam, zu denken, das ist ein kleiner Modetrend. Da geben wir mal schön ein bisschen Inhalt for free rein und dann wird sich das schon wieder erledigen. Und genau, das ist nicht passiert. Aber diese Schraube, die es jetzt zurückzudrehen gilt, um unsere Inhalte zu monetarisieren, die wir mal gratis rausgegeben haben, das beschäftigt uns bis heute. Und deswegen ist die Zeit für mich ein wunderbares Beispiel übrigens auch, weil sie ihre Podcasts in einer Portfolio-Strategie schon so weit weiterentwickelt haben, dass auch dort das Pay-Modell einen ganz wichtigen Beitrag liefern wird.

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