**Paul Ronzheimer** (0:02)
Der Vorsitzende der CDU-CSU-Bundestagsfraktion Jens Spahn ist Vater geworden und hat damit eine politische Debatte in Deutschland ausgelöst. Denn der Junge, dessen biologischer Vater Spahn's Ehemann ist, wurde von einer Leihmutter in den USA geboren, während Leihmutterschaft in Deutschland verboten ist. Dafür steht der CDU-Politiker jetzt massiv in der Kritik, auch aus der eigenen Partei und es gibt sogar Rücktrittsforderungen.
Jens Spahn ist jetzt bei mir im Podcast um erstmals nach Bekanntwerden seiner Vaterschaft darüber zu sprechen und Fragen zu beantworten. Es ist auch deshalb ein sehr besonderer Fall, weil es nicht nur um politische Fragen geht, sondern auch um sehr persönliche. Es gibt möglicherweise einen Widerspruch zwischen persönlichen Verhalten und politischer Haltung. Deswegen werde ich auch Fragen stellen, die so privat sind, dass man sie wahrscheinlich sonst nicht stellt. Hallo Herr Spahn, schön, dass Sie da sind.
**Jens Spahn** (0:56)
Hallo Herr Ronzheimer, schönen guten Tag.
**Paul Ronzheimer** (1:00)
Herr Spahn, ich erreiche Sie in den USA.
Sie haben vor zwei Tagen bekannt gemacht, dass Ihr Ehemann und Sie Vater geworden sind. Vorab, wie geht es Ihnen und Ihrem Sohn Georg?
**Jens Spahn** (1:13)
Danke, uns geht es gut, der kleinen Familie geht es gut. Georg geht sehr, sehr gut, macht große Freude. Und ich habe ab Tag 1, Stunde 1 gemerkt, das ist was anderes. Das ist jetzt eine Verantwortung für diesen kleinen Wurm, dass er gut groß werden kann. Der kann ja gar nichts allein logischerweise jetzt am Anfang.
Und das ist einfach toll, das ist ein tolles Gefühl.
**Paul Ronzheimer** (1:36)
Wann haben Sie und Ihrem Mann gemerkt, dass Sie ein Kind möchten? Und wer war es, dem dieser Wunsch wichtiger war? Ihr Mann oder Sie oder zusammen?
**Jens Spahn** (1:45)
Das ist tatsächlich ein gemeinsamer Wunsch. Wir sind beide sehr stark Familienmenschen auch. Uns ist Familie wichtig, uns sind Kinder wichtig. Es gibt nichts Schöneres, merke ich bei den Patenkindern auch, in der Familie auch, Neffen, Nichten, als Kinder groß werden zu sehen und sie beim Großwerden zu begleiten in ein gutes Leben hinein. Und ja, wir haben oft darüber gesprochen, dass wir auch gerne eine Familie gründen wollen, ein Kind, kinder, groß ziehen wollen.
Und wir haben natürlich auch lange miteinander gerungen, wie das möglich sein kann. Für uns ist einfach wichtig, dass wir auch was weitergeben können. Ich merke, ab Tag eins, das ist Stunde eins, das ist eine besondere Verantwortung. Das gibt Sinn, ganz anders Sinn im Leben. Es verrückt was im Sinne des Wortes im Leben.
Und gleichzeitig ist es die Möglichkeit, jemandem zu helfen, hoffentlich ein guter Mensch zu werden, einen Platz im Leben zu finden und auch was weiterzugeben. Das jedenfalls wollen wir gerne gemeinsam unserem Sohn möglich machen. Also wir haben diesen Wunsch eigentlich von Anfang an beide gehabt. Und jetzt sind wir Familie und freuen uns.
**Paul Ronzheimer** (3:00)
Sie sagen, Sie haben gerungen. Über welche Optionen haben Sie da gesprochen? War auch Adoption eine Möglichkeit?
**Jens Spahn** (3:06)
Das war natürlich auch eine Möglichkeit. Aber auch erst seit wenigen Jahren, gehört ja auch zur Wahrheit dazu, dass mein Mann und ich haben heiraten können, dass noch keine zehn Jahre möglich ist. Erst 2017, im Dezember, glaube ich, war es, oder im Herbst 2017 möglich geworden. Auch da, weil ab da erst Adoptionen etwas leichter möglicher, aber es ist ja jetzt auch nicht so, dass das nicht auch mit Hürden und Anforderungen und Folgen verbunden wäre. Und insofern haben wir miteinander abgebogen, die verschiedenen Optionen. Ich habe lange mit mir gerungen, auch was das Thema Leihmutterschaft angeht.
Ich bin ja auch lange zerrissen gewesen. Aber eben über dieses Ringen und sich mit dem Thema beschäftigen, haben wir uns für diesen Weg entschieden.
**Paul Ronzheimer** (3:53)
Wie war das, dieses Ring? Und wann haben Sie gesagt, okay, wir machen es mit der Leihmutter?
Wann ist da die Entscheidung gefallen?
**Jens Spahn** (4:01)
Das kann ich gar nicht an einem Punkt festmachen. Es sind jetzt in den letzten Tagen auch Zitate von mir natürlich da, wo ich vor zehn, elf Jahren mich zu dem Thema geäußert habe in den letzten Jahren.
Im Übrigen möchte ich sagen darf, die Antwort auf eine kleine Anfrage der Bundesregierung 2020, glaube ich, gibt es da was. Das ist die Haltung der Regierung, nicht die persönliche Haltung des Ministers, aber egal.
**Paul Ronzheimer** (4:27)
Muss ich kurz vorlesen, Herr Spahn. Das war eine Anfrage 2020 an das Bundesgesundheitsministerium. Da heißt es, Zitat, die damit verbundenen besonderen Schwierigkeiten der Selbstfindung des Kindes ließen aus Sicht des Gesetzgebers negative Auswirkungen auf dessen Entwicklung im Sinne einer Gefährdung des Kindeswohls befürchten.
Das heißt, davon wussten sie nichts, dass das Gesundheitsministerium so geantwortet hat?
**Jens Spahn** (4:52)
Also die konkrete Antwort nicht, dass es ja auch in der Debatte genau diesen Punkt gibt, das ist natürlich klar.
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