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Europa brennt – aber die Klimakrise lässt uns kalt? (Update)

Was jetzt?

July 30, 2026

Anhaltende Hitzewellen und schwere Waldbrände in Europa machen die Folgen des Klimawandels deutlich sichtbar. Trotzdem gerät die Klimakrise nach akuten Katastrophen oft schnell wieder in den Hintergrund.
Speakers: Erica Zingher, Jonas Schulze Pals, Petra Pinzler
**Erica Zingher** (0:04)
Wenn Kanzler Friedrich Merz etwas zur Chefsache erklärt, dann zeigt das, dieses Thema hat für ihn Priorität. Die EU-Politik zum Beispiel oder ganz konkret die Reform des Bürgergeldes. Den Klimaschutz hat er bislang nicht zur Chefsache gemacht. Warum eigentlich? Darum geht es in diesem Update von Was jetzt? An diesem Donnerstag, dem 30 Juli. Außerdem schauen wir auf die Deutsche Bahn. Der Konzern macht wieder Gewinn und in Polen ist eine mutmaßlich russische Rakete abgestürzt. Ich bin Erica Zingher, Redaktionsschluss für diesen Podcast ist 16 Uhr.
Heute ist Erdüberlastungstag. Das heißt, die Menschheit hat rechnerisch schon jetzt so viele natürliche Ressourcen verbraucht, wie die Erde in diesem Jahr erneuern kann. Für den Rest des Jahres leben wir also auf Pump. Das reiht sich ein beim Blick in die Nachrichten. Eine Negativmeldung für die Umwelt folgt der Nächsten. Wasser wird knapp, Insekten sterben, Extremhitze. Dann ganz aktuell die Brände in Europa, die weiter anhalten. Oder Deutschland, wo das Robert Koch-Institut heute bekannt gegeben hat, dass es in diesem Sommer bereits fast 10 hitzebedingte Todesfälle gegeben hat in Deutschland.
Trotz all dieser Meldungen scheint die Klimakrise politisch gerade nicht die Aufmerksamkeit zu bekommen, man erwarten könnte. Warum eigentlich? Petra Pinzler, Politikredakteurin der ZEIT, treibt genau diese Frage um. Hi Petra.

**Jonas Schulze Pals** (1:27)
Hallo.

**Erica Zingher** (1:28)
Petra, regt uns die Klimakrise nicht mehr genug auf?

**Petra Pinzler** (1:32)
Ich erlebe das Moment als Korrespondentin in Berlin, dass es die große Politik tatsächlich überhaupt nicht interessiert. Es ist einfach kein Thema in Berlin. Aber wenn ich mit Freunden, Bekannten, Familie spreche, dann geht das ganz vielen so, dass sie einfach schockiert sind über das, was im Moment mit unserer Welt passiert. Sie sehen die Bilder aus Frankreich und sind wütend und ärgerlich und sehen, wie die Gärten verdorren. Und dann ist das natürlich vielleicht keine Diskussion über Klimapolitik, aber über die Folgen der Klimapolitik oder der nicht passierenden Klimapolitik auf jeden Fall.

**Erica Zingher** (2:02)
In einem Text, der genau um diese Frage kreist, den du jetzt ganz aktuell geschrieben hast, da beschreibst du ein Gefühl der Fassungslosigkeit darüber. Und ich höre daraus, dass du dir eigentlich auch wünscht, dass Regierung und das Parteien den Schutz von Natur und Klima zur Chefsache machen. Was soll denn besser werden, wenn wir das zur Chefsache machen hier in Deutschland?

**Petra Pinzler** (2:22)
Im Moment ist es so, dass die Bundesregierung eigentlich die Klimapolitik an den Umweltminister delegiert hat und der aber nicht genug Macht hat, das durchzusetzen, wie auch andere umweltpolitische Maßnahmen und anderen umweltpolitischen Schutz nicht. Wenn wir das zur Chefsache machen würden, wie März das ja mit anderen Dingen auch tut, dann könnte das zur Folge haben, dass er bei allen Maßnahmen ein bisschen mehr drauf guckt. Schaden die denn jetzt der Umwelt oder nützen sie ihr? Wir haben in dem letzten Jahr eine ganze Reihe an Entscheidungen, für die auch der Bundeskanzler verantwortlich ist und der Vizekanzler, die gegen das Klima gehen. Da wird Geld aus dem Klimatopf rausgenommen und in den normalen Haushalt gesteckt. Da wird die Flugsteuer gesenkt und man kann noch eine ganze Menge andere Dinge finden. In dem Augenblick, in dem der Chef sagen würde, hey, das ist ein Thema, das ist mir wichtig, weil es viele Leute angeht, würde er vielleicht, so meine Hoffnung, auch andere Politik machen.

**Erica Zingher** (3:10)
Du hast heute Morgen Leserinnen und Leser eingeladen, mit dir in der Kommentarspalte unter diesem Deinen Text zu diskutieren. Wie sind denn die Reaktionen ausgefallen?

**Petra Pinzler** (3:20)
Ich bin total beseelt und beglückt, weil ich ja im Moment unter diesen dröhnenden Schweigen in Berlin so leide und unter diesem Nicht-Hinschauen vieler Politiker auf das Thema. Also die Community ist da ganz anders. Es haben ganz viele Leute reagiert und in großem Maße positiv, weil ich glaube, viele teilen das entsetzend, dass ich im Moment auch spüre, wenn sie diese Bilder sehen und fragen sich, hey, müssen wir nicht jetzt dringend was ändern?

**Erica Zingher** (3:46)
Und gab es da Ideen oder Vorschläge aus der Diskussion, die dich irgendwie überrascht haben oder irgendwas, was du mitgenommen hast?

**Petra Pinzler** (3:53)
Ich habe immer wieder gespürt, eine große Wut, ein großer Ärger oder auch Trauer über das Nicht-Handeln der Bundespolitik. Man kann vielleicht auch sagen der europäischen, wobei die fast gar nicht zur Sprache gekommen ist und dann als Lösung ganz viele lokale Initiativen und das kann ich im Moment gut verstehen und würde das auch bestätigen. Im Lokalen kann man was verändern, im Stadtrat hat man schneller eine Wirkung als im Bundestag. Man kann in lokalen Initiativen sich engagieren, dass das örtliche Naturschutzgebiet mit Pflegen in Solarinitiativen gehen. Also da gibt es ganz viel. Deswegen ist die Empfehlung von ganz vielen. Hey Leute, guckt mal, was in eurer Gemeinde so los ist und fangt da an, was zu tun, dann geht es euch auch besser.

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