**Elise Landschek** (0:05)
In Spanien und Frankreich brennen immer größere Waldflächen. Spanien hat den Notstand ausgerufen, Frankreich die EU um Hilfe gebeten. Warum ist es dieses Jahr so extrem? Und was lässt sich dagegen tun? Das frage ich einen Experten für Waldbrände hier und heute an diesem Sonntag, den 26 Juli. Danach geht es um höhere Strafen für Steuerhinterzieher und die Frage, was da wirklich wirksam ist.
Herzlich willkommen zu dieser neuen Folge von Was jetzt? Ihrem Nachrichten-Podcast der ZEIT. Ich bin Elisela Nchek und jetzt kommen die Kurznachrichten.
Waldbrände in Südeuropa sind ja in der Sommerzeit traurigerweise fast schon normal geworden. Aber dieses Jahr überschlagen sich die Katastrophenmeldungen. In den sozialen Medien sieht man Bilder, die an Dante's Inferno erinnern. Schwarzer Rauch verdunkelt die Sonne fast komplett. Die Landschaft ist in rotes Licht getaucht. Die spanische Feuerwehr sagt, die Brände seien zum Teil unkontrollierbar geworden. Gestern hatten sich mehrere Feuer in der Nähe der spanischen Hauptstadt Madrid zu einer großen Feuerfront vereinigt. Frankreich evakuiert mehr als 100 Menschen, weil ihre Häuser und Wohnungen von den Flammen bedroht werden. Mindestens 32 laufende Brände meldete gestern das französische Innenministerium.
Über die Waldbrände spreche ich jetzt mit dem Experten Alexander Held. Er ist Feuerökologe und Waldbrandexperte vom European Forest Institute. Hallo Herr Held.
**Alexander Held** (1:28)
Hallo.
**Elise Landschek** (1:29)
Wie geht es Ihnen denn, wenn Sie die Bilder aus Spanien und Frankreich gerade sehen?
**Alexander Held** (1:33)
Ich befinde mich ein bisschen so im Zwiespalt zwischen professioneller Sachlichkeit auf ein Phänomen schauen, was wir ja andauernd eigentlich beobachten und dann tatsächlich auch persönliche Betroffenheit, weil wir natürlich Kollegen sowohl in Spanien als auch bei Bordeaux haben, wo jetzt tatsächlich auch die Kommunikation abgerissen ist und dann wird es auf einmal sehr, sehr persönlich.
**Elise Landschek** (1:56)
Haben Sie den Eindruck oder Sie können es bestimmt auch belegen, dass es dieses Jahr besonders schlimm ist oder ist es eine Lage wie eigentlich jeden Sommer?
**Alexander Held** (2:03)
In der Summe der Feuer, in der Anzahl der Feuer, in der Intensität, die jetzt passiert und in der flächigen Ausdehnung und geografisch, also von Portugal bis in die Ukraine quasi, das ist tatsächlich schon ein außergewöhnliches Ausmaß.
**Elise Landschek** (2:18)
Es brennt natürlich an vielen Orten in Europa, aber lassen Sie uns kurz nochmal bei Spanien und Frankreich bleiben. Warum brennt es denn da besonders stark dieses Jahr?
**Alexander Held** (2:26)
Spanien und Frankreich führen uns jetzt vor Augen, was passiert, wenn sich begünstigende Faktoren gegenseitig verstärken.
Nicht eine, sondern mehrere Hitzeperioden. Sehr viel Brennmaterial, teilweise durch Regenfälle, begünstigt im Winter nachgewachsen. Etwas falsche Land- und Forstwirtschaft. Und diese Kombination gibt uns das Ergebnis, das wir jetzt sehen. Extremes Feuerverhalten auf großer Fläche.
**Elise Landschek** (2:53)
Lassen sich diese großen Brände denn überhaupt noch mit menschlicher Kraft löschen? Also wenn man so die kleinen Löschflugzeuge sieht, die da über dem großen Brand in Spanien gerade fliegen, das sieht ja fast schon so aus, als würde da David gegen Goyard kämpfen.
**Alexander Held** (3:05)
Genau so ist es. Die Feuer, die wir jetzt beobachten, die brennen jenseits jeglicher Kontrollschwelle. Und was wir jetzt versuchen, diese verzweifelten Maßnahmen mit Löschflugzeugen, mit noch mehr Einsatz von Ressourcen und Militär et cetera.
Das wird erst zum Erfolg führen, wenn sich die Wetterlage ändert. So traurig das ist.
**Elise Landschek** (3:25)
Jetzt sind ja nicht nur Länder im Süden Europas betroffen, sondern auch in anderen Regionen. Wird das mehr?
Was beobachten Sie da?
**Alexander Held** (3:33)
Also wenn wir jetzt schauen, die Medienaufmerksamkeit im Moment ist natürlich jetzt Frankreich und Spanien. Wir haben aber zeitgleich Brände in Schottland, in Irland, in Norwegen, in Deutschland, in Polen, in Tschechien. Also es ist ein ganz eindeutiger Trend in den letzten zehn Jahren, dass sich die Location, die Geolocation von Feuern verschiebt. Was früher ein rein Mittelmeerproblem war, ist heute eigentlich ein paneuropäisches von Ost bis West, Süd bis Nord. Und dieses Auftreten in Landschaften und vor allem in Gesellschaften, die nicht an Feuer gewöhnt sind, wo es keine Anpassung gibt, also sowohl gesellschaftlicher Art als auch von den Ökosystemen.
Das ist natürlich jetzt ein hochspannender Prozess im Sinne von hier entwickelt sich eine neue Störungsökologie.
**Elise Landschek** (4:22)
Was kann man denn dagegen tun? Also auf lokaler, aber auch auf europäischer Ebene?
**Alexander Held** (4:27)
Ja, sehr gute Frage. Es ist enorm wichtig, dass die verschiedenen Ebenen hier ineinander greifen. Fangen wir mal auf der persönlichen Ebene an.
Im persönlichen Umfeld. Wie gestaltet der Hausbesitzer der Bewohner seinen Garten?
Next Level. Wie gestaltet das Dorf, in dem ich wohne, das Umfeld des Dorfes? Ist es brennbar, ist es zu verteidigen? Haben wir hier Konzepte, die uns widerstandsfähiger machen?
Also von einzelnen Bürger angefangen bis hin zur europäischen Ebene, wo wir sagen müssen, Feuerprävention funktioniert eben nicht im Silo. Also nicht eine Agency, ein Direktorat kann das übernehmen, sondern wir müssen hier die Aufsplitterung der Institutionen überwinden und eine interdisziplinäre Plattform ins Leben rufen, die sowohl Zivilschutz als auch Umweltschutz als auch Tourismus als auch räumliche Planung in einem vereint und auch mandatiert ist und ausgerüstet und ausgestattet, um hier auf oberster Ebene die richtigen Visionen in einer Strategie vorzugeben.
6 more minutes of transcript below
Try it now — copy, paste, done:
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
https://spoken.md/transcripts/1000651996090
Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.
From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire.
Using your own key:
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
https://spoken.md/transcripts/1000778324670