**Tim Röhn** (0:01)
Es gibt ja auch Bilder, die durch die spanischen Medien gegangen sind, zu Beginn des Ansturms, da streiten sich dann Polizisten der Nationalpolizei und der Guardia Civil miteinander, weil irgendwie nicht, weil die einen sagen, wir müssen noch mal hier einschreiten, die anderen eben nicht. Also es muss de facto einfach, möglicherweise um noch schrecklichere Bilder zu verhindern, die Ansage gegeben haben, dort jetzt nicht zu versuchen, diese Massen aufzuhalten. Der Punkt zu sagen, kann man überhaupt 50 Menschen aufhalten, vielleicht geht das ja gar nicht. Guter Punkt, muss man diskutieren. Ich würde aber einfach sagen, von Beginn an, wenn man sieht, wie schwach dieser Teil der Grenze geschützt war, kann man da mit meines Erachtens sicher von dem Versagen der Spanier sprechen.
**Paul Ronzheimer** (0:42)
Ich möchte heute noch einmal über die Ereignisse in Ceuta sprechen, denn das ist das Thema, was ganz viele Menschen in dieser Woche bewegt. Und bislang hat sich jede Annahme, das muss man so sagen, die von Politikern und Aktivisten und teilweise auch von Journalisten getroffen wurde, sehr schnell als falsch oder zumindest politisch verfälscht herausgestellt, feststeht, meistens war es dann doch nicht so wie vor wenigen Stunden behauptet. Weder ist es so, dass 10 Marokkanern es gelungen wäre, auf das spanische Festland und damit in den Schengen-Raum zu kommen, so wie einige behauptet haben, noch ist es der spanischen Regierung gelungen, am Tag des Ansturms bzw. in den Tagen danach alle Migranten wieder zurückzuführen. Wir wissen, dass immer noch offenbar mehrere Tausend in Ceuta sein sollen. Sehr viele Fragen sind offen und weil das so ist, entstehen die verrücktesten und man muss sagen, ja auch gefährlichsten Verschwörungstheorien. Und deshalb finde ich es so wichtig, heute mit jenemandem zu sprechen, der selbst in Spanien gelebt hat und viele Jahre vor allem über die Migrationskrise dort berichtet hat, auch aus Ceuta. Und auch jetzt hat er wieder mit sehr vielen Quellen gesprochen und deswegen sehr objektiv, wie ich finde, vorsichtig und kenntnisreich über die Ereignisse berichtet. Ich freue mich, dass Tim Röhn da ist, Global Reporter, Axel Springer. Hallo Tim.
**Tim Röhn** (2:09)
Guten Abend Paul, danke für die Einladung. Ich freue mich sehr.
**Paul Ronzheimer** (2:13)
Tim, lass uns mal anfangen mit dem jetzigen Stand. Also die spanische Regierung sagt weiterhin, dass die große Mehrheit der Menschen inzwischen nach Marokko zurückgekehrt sei. Aber gleichzeitig sehen wir viele Berichte aus Ceuta. Donach sich weiterhin, zumindest sehr viele, manche sagen mehrere tausend in der Stadt aufhalten könnten. Und das widerspricht wiederum der Darstellung der spanischen Regierung. Was kann man wirklich objektiv über die aktuelle Lage sagen?
**Tim Röhn** (2:45)
Also ich glaube, das, was du am Anfang gesagt hast, die große Mehrheit, das ist definitiv so. Also die große Mehrheit ist jetzt wieder weg. Ich glaube, das, was viele Beobachter, ehrlich gesagt auch mich verärgert hat, war, als der spanische Ministerpräsident am Freitag behauptet hat, es seien praktisch alle wieder weg. Und das war nun mal wirklich nicht der Fall. Und das ist auch bis heute nicht der Fall. Also es werden ein paar tausend sein, die weiter in Ceuta sind. Ich habe eben mit unserem Kollegen Antonio Semperde gesprochen. Der ist aus Ceuta, der hat ein paar Mal schon mit uns gearbeitet und ist auch jetzt eben weiter im Gespräch mit Migranten und Polizisten vor Ort. Der sagte mir jetzt, am heutigen Abend ist es dann passiert, dass das Rote Kreuz zum ersten Mal Lebensmittel an, nennen wir sie Migranten, ausgegeben hat. Also das ist bislang überhaupt nicht passiert gewesen. Also es gibt jetzt Nahrung für die Leute, die da illegal nach Ceuta reingekommen sind. Und wie gesagt, ein paar tausend werden es jetzt noch sein. Man muss aber ganz klar sagen, es hat ja keiner die gezählt, die reinkamen. Ich erinnere mich noch an den ersten Tag, da hieß es dann so bis nachmittags 1, 2, 3 tausend, dann hieß es plötzlich 30.000, 40, 50, 60, 80 Und dann sagte dann das spanische Innenministerium am Samstag, so 48.3 seien jetzt ausgereist. Also ich glaube, wir können uns noch so sehr bemühen, da jetzt konkrete Zahlen anführen zu wollen. Ich glaube, das wird im Moment ziemlich schwer.
**Paul Ronzheimer** (4:13)
Aber wie ist es da vor Ort jetzt abseits der Frage, ob das XY oder XX Menschen vor Ort sind? Also was passiert da tatsächlich?
Versuchen da aktuell die Menschen aus Ceuta auf das spanische Festland zu kommen? Denn das muss man ja immer wieder erklären. Dort, wo sie jetzt sind, haben sie nicht das Asylrecht, was sie innerhalb der Europäischen Union im Schengenraum hätten. Also was hörst du von vor Ort? Was ist die Strategie derjenigen, die aktuell eben vor Ort sind?
**Tim Röhn** (4:46)
Also das ist ein ganz wichtiger Punkt überhaupt, den du ansprichst, ja. Also wer in Ceuta ist, genießt nicht die Schengen-Freizügigkeit. Ich war zum ersten Mal 2017, 2018 in Ceuta und man muss sich das im Hafen so vorstellen. Da versuchen junge Marokkaner, versuchen auf die LKW zu kommen, versuchen irgendwie es illegal auf die Fähren zu schaffen. Das passiert die ganze Zeit.
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