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Die verstörende Reaktion auf den Terror-Anschlag. Mit Ahmad Mansour

RONZHEIMER.

July 28, 2026

In dieser Folge spricht Paul Ronzheimer mit Islamismus-Experte Ahmad Mansour über die politischen und gesellschaftlichen Lehren aus dem Anschlag. Warum konnte ein als Gefährder eingestufter Islamist den Anschlag verüben? Wie radikalisieren sich junge Menschen?
Speakers: Ahmad Mansour, Paul Ronzheimer
**Ahmad Mansour** (0:01)
Das Problem ist enorm groß und das wir vor allem nach dem 7 Oktober immer noch drei Jahre später nicht verstanden haben, was in Schulen abgeht, wie viele Leute mit Deutschland abgeschlossen haben, wie einfach es für Islamisten Menschen für sich zu gewinnen, dann weiß ich nicht, wann wir das verstehen sollten. Das Problem ist riesig und das macht mir Angst und das sollte uns allen Angst machen. Nicht im Modus von Panik machen, sondern im Modus, wie dringend es ist, eigentlich gerade alles zu tun, um französische und englische Verhältnisse zu verhindern in Deutschland, weil wir rasen mit hoher Geschwindigkeit Richtung französische und englische Zustände.

**Paul Ronzheimer** (0:50)
Nach dem islamistischen Terroranschlag auf den CSD in Berlin, diskutiert Deutschland darüber, wie diese Tat passieren konnte. Und die politischen Reaktionen, die fallen sehr unterschiedlich aus.
Heute möchte ich über folgende Fragen sprechen. Wie radikalisieren sich junge Menschen? Wie groß ist die islamistische Gefahr in Deutschland? Und tun sich manche Politiker schwer, diese Frage klar zu benennen? Und darüber möchte ich sprechen, mit dem man, der hier schon häufiger zu Gast war, der sich besonders gut auskennt, der lange erforscht hat, was mit diesen radikalisierten Jugendlichen passiert. Ich freue mich, dass der Terrorismus-Experte, der Islamismus-Experte, vor allem auch Ahmad Mansour bei mir ist. Ich grüße dich, Ahmad.

**Ahmad Mansour** (1:41)
Hallo, vielen Dank für die Einladung.

**Paul Ronzheimer** (1:43)
Ahmad, nach dem, was wir bislang wissen, was ist am Ende schiefgelaufen, nach allem, was wir zu Abdul Balut sagen können?

**Ahmad Mansour** (1:58)
Also erstmal natürlich im Nachhinein sind alle schlauer und trotzdem glaube ich, für die Aufarbeitung und für die Zukunft müssen wir viele kritische Fragen stellen.
Ein Gefährder, der versucht hat, Richtung IS auszureisen, der zurückgebracht wurde nach Deutschland, der auf Social Media islamistische Propaganda betrieben hat, der als Gefährder eingestuft wurde und trotzdem frei gelaufen ist, ein Auto mieten konnte und sogar einen Anschlag durchführen konnte, ist natürlich ein großes Versagen, wenn wir in der Zukunft auch besser sein wollen. Deshalb ist die Frage, warum wurde er nicht von der Polizei beobachtet und wie konnte es so weit kommen? Zweitens, und das ist eine Frage Richtung Justiz, mit aller Respekt gegenüber die unabhängige Justiz, aber jemand, der sich eine Terrororganisation anschließen wollte und nur eine Bewährungsstrafe bekommen hat, der frei sich bewegen konnte, ist etwas, was wir kritisch betrachten sollten. Und dann die dritte Frage, warum eine Deradikalisierungsarbeit, die ich sehr, sehr schätze und nicht wie viele andere heute und gestern, so das lächerlich gemacht haben. Ich mache diese Arbeit auch selber und ich weiß, dass sie Erfolgsgarantie hat, aber sie ist niemals eine Ersatzstrafe. Die muss vor allem und die kann nur vor allem gut funktionieren, wenn sie im Gefängnis stattfindet, wenn sie kooperativ mit den Fachkräften vor Ort und mit der Sicherheitsorgane koordiniert wird und nicht einfach, ja, man besucht irgendwie paar Kurse und dann ist die Sache irgendwie outgesorzt von Justiz. Das halte ich für verantwortungslos und das halte ich für falsch und das halte ich auch übrigens unfair gegenüber, denjenigen, die diese Arbeit machen und jetzt natürlich dastehen und sich fragen, konnte ich, sollte ich vielleicht anders damit umgehen und hätte ich diesen Anschlag vielleicht verhindern können?

**Paul Ronzheimer** (4:15)
Ahmad, es ist ja so, du bist genau in diesen Gefängnissen unterwegs. Du weißt, wie sich Jugendliche radikalisieren.
Du bist selbst als Palästinenser in Israel geboren. Du hast dich selbst mal in der Vergangenheit als jemand eben bezeichnet, der selbst in diese radikale Richtung ja unterwegs gewesen ist. Und jetzt bist du eben jemand, der aufklärt, aber der eben auch versucht, diesen Jugendlichen, den jungen Erwachsenen, Erwachsenen insgesamt zu helfen. Nimm uns mal ein bisschen mit, wie radikalisieren sich aus deiner Sicht muslimische Jugendliche, wie es eben Abdul-Balut gewesen ist.

**Ahmad Mansour** (4:56)
Also vielleicht fange ich mit mir selber an, weil ich glaube, das zeigt auch viele Zuhörer und Zuhörern, wie harmlos das eigentlich alles anfängt und wie dann solche Menschen von Islamisten angesprochen wurden.
Ich bin in einer Familie groß geworden, wo nicht so viele Möglichkeiten gab. Wir waren arm, ich gehörte zu den Streber in der Klasse, habe aber nicht die besten Kleidung gehabt und ich wurde gemobbt in der Schule. Diese Mopping-Situation ist so stark geworden, dass ich irgendwann eine Last gespürt habe, dass ich das Gefühl habe, das kann nicht so weitergehen. Ich war auf der Suche.

**Paul Ronzheimer** (5:35)
Wo war diese Schule, Ahmad?

**Ahmad Mansour** (5:38)
Ich war 13 und das war in Israel, also bei meinem arabischen Dorf sozusagen vor Ort.

**Paul Ronzheimer** (5:44)
Wie ist dann weitergegangen?

**Ahmad Mansour** (5:45)
Als ich mich auf der Suche gemacht habe, habe ich bemerkt, dass der Einzige, der sich kümmern wollte, der wie ein Vaterfigur für mich geworden ist, war der Imam von nebenan, der mich immer auf dem Weg zur Schule gestoppt, angesprochen, versucht zu helfen, versucht zu intervenieren und andere Jugendliche sozusagen dazu zu bewegen, mich nicht mehr irgendwie schlecht zu behandeln. Und irgendwann hat er mich eingeladen zu seiner Koranschule. Und ich konnte mit Religion nichts anfangen. Ich wollte nicht hin. Aber der war für mich so ein Vaterfigur, dass ich ihm nicht nein sagen konnte. Und beim ersten Mal, als ich reingekommen bin in diese Koranunterricht, habe ich eine Gruppe gefunden. Junger Menschen in meinem Alter, die mich nicht gemobbt haben, die mich so akzeptiert, wie ich bin.

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