**SPEAKER_1** (0:03)
Das Wissen.
**Daniela Remus** (0:06)
Gehirn-Computer-Schnittstellen, das sind Verbindungen des menschlichen Gehirns mit einer Maschine, einem Computer. Sie registrieren die elektrischen Signale der Hirnzellen und entschlüsseln damit unsere Gedanken. Klingt nach einem Science-Fiction-Film?
Das auch, aber Gehirn-Computer-Schnittstellen sind in der Wissenschaft die Basis für innovative medizinische Forschungsansätze. Und die machen seit Kurzem rasante Fortschritte.
**Simon Jakob** (0:34)
Ich habe das Gefühl, dass die Hirn-Computer-Schnittstellen so ein Feld sind, wo jetzt wirklich sehr, sehr viel Action gerade ist. Da geht es richtig los und das empfinde ich als sehr tolles Arbeiten im Moment.
**Daniela Remus** (0:45)
Zahlreiche Forschungsgruppen, auch in Deutschland, experimentieren mit Gehirn-Computer-Schnittstellen. Sie können durch Unterstützung mit KI-Systemen zeigen, dass es möglich ist, mit Gedankenkraft zu schreiben, zu malen, zu kommunizieren oder gelähmte Muskeln wieder zu bewegen.
Das bringt die Wissenschaft voran. Aber es kommen auch immer mehr Gehirn-Computer-Schnittstellen als Lifestyle-Angebot auf den Markt.
**Marcello Jänka** (1:12)
Die Kraft der Gedanken.
**Gökdu Alkan** (1:14)
Was können Gehirn-Computer-Schnittstellen?
**Bernhard Meyer** (1:17)
Von Daniela Remus.
**Daniela Remus** (1:19)
Hallo.
Hallo, guten Tag. Ich bin der Daniela Remus. Ich treffe Michael Mehringer, der Michi genannt wird. Er sitzt lächelnd in einem Rollstuhl, umringt von einer Gruppe von wissenschaftlichen Mitarbeitern, in einem Labor der Technischen Universität München. Zweimal pro Woche ist er mit ihnen verabredet.
**Michael Mehringer** (1:42)
Ich komme jeden Dienstag und Freitag her, werde um 10 Uhr zu Hause aufgeholt und dauert meistens bis 2 Uhr.
**Daniela Remus** (1:53)
Vor 10 Jahren ist Michi mit seinem Moped verunglückt. Der Unfall war so schwerwiegend, dass er mehr als 50 Mal operiert werden musste, bis seine Familie aufatmen konnte und wusste, dass er überleben würde.
Seither ist Michi querschnittsgelähmt. Vom Hals abwärts kann er sich nicht mehr bewegen. Seine Zuversicht aber hat er nicht verloren. Und auch seine Lebensqualität soll sich schon bald deutlich verbessern. Denn im Juli 2025 hat Michi einen Schipp ins Gehirn implantiert bekommen, mit 256 Mini-Elektroden. Der soll ihn selbstständiger machen. Er dreht mir seinen Hinterkopf zu.
Dort sehe ich eine Art Stecker, nicht größer als ein Daumennagel, der üblicherweise von einer Schutzkappe verdeckt ist.
**Gökdu Alkan** (2:41)
Das ist die Stelle, wo die Hirn-Computer-Schnittstelle ist. Das geht in die Haut hinein. Deshalb ist es empfindlich für Entzündungen. Das müssen wir gut schützen.
**Daniela Remus** (2:53)
Das ist Gökdu Alkan, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Teil des Michi-Teams. Während er mit mir spricht, steht er hinter Michis Rollstuhl, schraubt die Schutzkappe ab und desinfiziert die Kontaktstelle, sodass Doktorantin Victoria Demova-El-Leva Michis Kopf mit dem Computer über die steckerartige Kontaktstelle verkabeln kann.
**Victoria Demova-El-Leva** (3:15)
Okay, jetzt kann ich dir die Aufgabe zeigen. So darfst du dich gern sehen.
**Daniela Remus** (3:21)
Das Training beginnt. Ich darf zugucken und Aufnahmen machen.
**Victoria Demova-El-Leva** (3:24)
Okay, also heute zum ersten Mal haben wir Interaktion mit Objekten. Heute ist das nur ein Objekt und wir testen die Geschwindigkeit.
**Daniela Remus** (3:36)
Auf dem Bildschirm wird ein animiertes Trainingsvideo abgespielt. Zuerst erscheint ein roter Ball. Dann kommt aus der Ecke unten rechts ein Arm, mit Oberarm, Unterarm, Hand und einzelnen Fingern und greift nach dem Ball. Die Übung ist jetzt die.
In der ersten Runde sieht Michi sich diese Bewegung nur an. In der zweiten Runde soll er die Bewegung mitdenken. Und in der dritten Runde soll er sich vorstellen, dass er selbst mit seiner rechten Hand nach dem Ball greift.
Michi fokussiert sich, blickt konzentriert auf den Bildschirm.
**Michael Mehringer** (4:11)
Ich versuche immer, die Bewegungen in der Kleinigkeit nachzuvollziehen. Insgesamt wollen wir also dreimal zehn Bewegungen vorstellen. Und dreimal zehn Bewegungen versuchen, zu machen.
**Daniela Remus** (4:25)
Während des Trainings ist es im Labor Mucks-Mäuschen-Still. Und auch ich darf nur in den Pausenfragen stellen. Ich versuche, unauffällig zu sein, möglichst wenig zu stören, beobachte und sehe, dass sich Michis Gesicht vor Anstrengung rötlich verfärbt. Er ist hochkonzentriert.
Er weiß, je präziser er die Bewegung denkt, dass er und wie er den Ball greifen möchte, desto besser lernt das KI-System, mit dem sein Gehirn jetzt per Kabel verknüpft ist, seine Gehirnsignale zu dekodieren oder umgangssprachlich, in Anführungsstrichen, zu verstehen.
Und das ist entscheidend dafür, dass Michi in Zukunft sein Smartphone oder sogar einen Roboter-Arm durch Schipp und Gedankenkraft so steuern kann, wie er es möchte. Zum Beispiel, um sich selbst ein Glas Wasser einzuschenken oder einen Schluck Kaffee zu trinken. Das ist das Ziel hinter diesen Experimenten. Seit Oktober trainiert Michi mit dem Team. Die Aufgaben werden von Woche zu Woche komplexer. Nach rund zwei Stunden ist das Training vorbei. Michi ist etwas erschöpft.
**Michael Mehringer** (5:38)
Falls wir uns nicht mehr sehen, wünsche dir eine schöne Zeit. Und genau dein Gefühl zu unterführen, auf mit deiner Zeit.
**Daniela Remus** (5:50)
Ich danke für das Interview. Der Fahrdienst wartet bereits und fährt Michi nach Hause. In sein kleines Dorf, etwa eine Stunde von München entfernt, in dem, wie er mir zwischendurch lachend erzählt hat, mehr Kühe als Menschen leben.
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