**Michael Bröcker** (0:01)
Eine Neuwahl wäre für die SPD existenziell und vor allem für die Parteichefs Bärbel Baas und Lars Klingball das politische Ende. Also würden sie doch lieber die Chance nutzen, einen anderen CDU-Kanzler, im Zweifel sogar einen, der auch gut mit der SPD kann, zum Beispiel Henrik Wüst, der jetzt kein Partei-Schreck für die SPD ist, zum Kanzler wählen, um selbst zu überleben und vielleicht sogar ein Comeback in den nächsten drei Jahren zu schaffen. Das heißt, die große Frage ist Markus Söder, weil Henrik Wüst will. Das ist offensichtlich. Er wollte noch nicht so früh, er will vielleicht jetzt noch nicht, aber wenn es zu drei Wahlniederlagen kommt und sich die Autorität von Friedrich Merz in den nächsten sechs Wochen nicht dramatisch verbessert durch irgendwelche klugen politischen Initiativen, durch eine wahnsinnig tolle Regierungsklausur in Neu-Hardenberg und vielleicht auch Wirtschaftszahlen, die durch die Decke gehen, große Ansiedlungen, Nachrichten, die das Gefühl erzeugen, Mensch, da passiert doch was Gutes in diesem Land und wir haben das mit diesen Personalquerelen längst wieder vergessen. Wenn das nicht passiert in den nächsten sechs Wochen, Paul, wird, glaube ich, die CDU diesem Kanzler nicht noch drei Jahre zusehen wollen.
**Paul Ronzheimer** (1:04)
Es hätte in den vergangenen Tagen schon mehrere Gründe gegeben, eine Folge über Bundeskanzler Friedrich Merz und die CDU zu machen. Aber wir wollten ganz bewusst den Fokus auf den Terroranschlag, auf das legen, was beim CSD passiert ist. Das haben wir gemacht mit drei Folgen, die man sich natürlich alle noch anhören kann. Aber weil heute, also gerade am Mittwoch, die Fraktionssitzung war und da sich die Stimmung entblut und es neue Minister gibt und weiterhin viele Fragen, wie es denn jetzt für Friedrich Merz, dem Bundeskanzler weitergeht, ob das noch lange geht, ob er sich da wieder rauskämpfen kann, machen wir heute eine Folge genau zu diesen Fragen. Und ich freue mich, dass einer der besten Kenner, der CDU wieder bei mir ist. Er ist Chefredakteur von Table Media, hat einen Podcast dort auch, fängt aber bald bei Politico an. Ich freue mich, dass Michael Bröcker wieder bei mir ist. Ich grüße dich, Michael.
**Michael Bröcker** (2:05)
Hallo Paul, danke für die Einladung.
**Paul Ronzheimer** (2:07)
Michael, was ich gerade gesagt habe, weil wir keine extra Folge in den vergangenen Tagen gemacht haben, aber alle haben es ja mitbekommen, was dort passiert ist mit dem Austausch der Minister, was alles schief gegangen ist, wie hast du da die letzten Tage erlebt? Und lass es mal in Richtung Fraktionssitzung schauen. Wie war das für Friedrich Merz in den vergangenen Tagen?
**Michael Bröcker** (2:30)
Ja, aus einer Woche, die mit einem unglaublichen Neustart, einer Chance, einer Offensive für den Bundeskanzler hätte durchaus auch zu Ende gehen können, ist ein beispielloser Autoritätsverlust geworden. Das muss man so sagen. Dabei hat er eigentlich aus einer Situation heraus, der Vorsitzende der Fraktion Jens Spahn tritt zurück, aus meiner Sicht ausreichend Zeit gehabt, das mit einer Offensive an verschiedenen Stellen zu verbinden. Und das ist gründlich von Abes Zedt in die Hose gegangen.
**Paul Ronzheimer** (3:01)
Warum ist das so in die Hose gegangen?
Erklär mal, woran das lag. Denn er hat ja eigentlich relativ viel Zeit gehabt. Jetzt nicht dadurch, dass Jens Spahn dann doch sehr überraschend zurückgetreten ist, aber weil wir im politischen Berlin ja schon länger gehört haben, dass es einen Austausch geben könnte. Es wurde auch immer wieder über den Verkehrsminister Schneider gesprochen. Es wurde über andere Minister gesprochen. Also er muss das ja schon länger im Kopf gehabt haben.
**Michael Bröcker** (3:31)
Es mangelt ihm an politischem Handwerk. Das ist offensichtlich, aber auch an Strategiefähigkeit. Denn Jens Spahn war natürlich mit der Leihmutterschaft, das war durchaus auch für Friedrich Merz eine überraschende Geschichte, weil man dem glauben lassen kann, was Jens Spahn ja auch bei dir im Podcast gesagt hat und der Kanzler und der Regierungssprecher verbreitet haben, sind sie selber von ihm proaktiv informiert worden, dass er das jetzt kommunizieren möchte. Und da hätte schon, und das ist zwei Wochen her, da hätte eigentlich schon die Alarmglocken angehen müssen, wenn man wirklich die Partei gut kennt, hätte man ahnen müssen, Achtung, lieber Jens Spahn, dieses Thema ist nicht irgendeins, dass du mal eben kommunizieren kannst und mit deiner möglichen Strategie nach draußen bringst, sondern da müssen wir drüber reden, was daraus werden könnte. Das muss man testen. Da redet man mit Landesgruppenvorsitzenden, mit Landesvorsitzenden und überlegt, wie das Thema am Ende wirken könnte. Das ist schon mal nicht passiert. Und er hat sich sehr darauf verlassen, dass Jens Spahn auch in der Kommunikation, auch der Podcast Medie, am Ende die Strategie ist, um die Kritiker zu besänftigen. Und das ist in die Hose gegangen. Und mal abgesehen davon hatte er keinen Plan B offensichtlich. Der Plan B war zwar torstenfrei, Paul, das ist ja auch so gekommen, aber mit dem Wechsel von Torstenfrei gehen ja ganz viele andere Personalien einher. Er wollte das Kabinett ohnehin umbilden im September. Dann hätte er sich natürlich bei jeder Position, die er ohnehin umbilden wollte, natürlich auch mögliche Konsequenzen, Nebenwirkungen ausmalen müssen. Und dann wäre alles so nicht gekommen, wie es dann gekommen ist.
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