**Monika Wienfort** (0:02)
ZDF.
**Unknown voice actor/narrator** (0:09)
Wollen sie diese Frau zu ihrer rechtmäßig angetrauten Ehefrau nehmen?
**Unknown voice actor/narrator** (0:20)
Kabiltu. Kabiltu.
**Unknown voice actor/narrator** (0:22)
Kabiltu.
Ich erkläre, dass sie nunmehr kraftgesetzes, rechtmäßig verbundene Eheleute sind. Sie dürfen sich jetzt küssen.
**Mirko Drotschmann** (0:47)
Und genau da enden sie alle, die schönen Märchen und die Hollywood-Streifen. Bei glücklich verheirateten Ehepaaren. Bis das der Tod sie scheidet. Ich bin Mirko Drotschmann, ihr hört Terra X History Der Podcast und in dieser Folge geht es um die Geschichte der Ehe. Übrigens ein Themenvorschlag von euch. Fast jede Kultur der Welt kennt sie. Egal welche Religion, egal in welcher Epoche der Geschichte, die Ehe ist immer dabei.
Sie scheint bis heute so etwas wie die Basis von Gesellschaften zu sein. In unserem Grundgesetz in der Verfassung der Bundesrepublik Deutschland steht in Artikel 6, Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Für viele Menschen ist die Ehe immer noch eines der großen Lebensziele. Mit einem einzigen Menschen in Liebe bis zum Lebensende verbunden sein. Das klingt ziemlich romantisch. Ist es aber teilweise nur für kurze Zeit, denn Romantik trifft auf Realität. Und harte Fakten. Im Jahr 2024 wurden in Deutschland rund 349 Ehen geschlossen. Der niedrigste Stand seit Jahrzehnten. Und davon halten viele nicht. Auch wenn absolut gesehen 2024 einer der niedrigsten Stände an Scheidungen seit der Deutschen Wiedervereinigung verzeichnet wurde, werden nach den derzeitigen Scheidungsverhältnissen etwa ein Drittel aller in einem Jahr geschlossenen Ehen im Laufe der nächsten 25 Jahre wieder geschieden. Die Menschen heiraten auch immer später. Das durchschnittliche Alter bei der ersten Heirat ist seit Mitte der 1970er Jahre in der Bundesrepublik kontinuierlich gestiegen. In der DDR hat man noch bis zu ihrem Ende 1989 eher jung geheiratet. Heute sind in Ost und West bei der ersten Hochzeit die Männer im Schnitt rund 35, Frauen fast 33 Jahre alt. Unter anderem darüber sprechen wir am Ende dieser Folge ausführlicher mit der Soziologin Rosemarie Nave-Herz.
Aber warum brauchen wir überhaupt einen Vertrag, einen Ritual, einen Festakt, um vor aller Welt zu bekunden, dass wir von nun an gemeinsam durchs Leben gehen wollen? Und warum wird gerade die Ehe bei uns vom Gesetz besonders geschützt? Und wann fing das in der Menschheitsgeschichte möglicherweise an mit dem Heiraten? In dieser Folge geht es um die monogame Ehe, also mit nur einem Partner oder einer Partnerin. Viel Ehe oder Polygamie ist in Deutschland verboten. In anderen Teilen der Erde dagegen nicht. In einigen afrikanischen und asiatischen Ländern ist es durchaus erlaubt, mehr als einen Mann oder eine Frau zu heiraten.
**Unknown voice actor/narrator** (3:19)
Der Polterabend Einen der ältesten Hochzeitsbräuche überhaupt soll es schon in vorkristlicher Zeit gegeben haben. Am Abend vor der Heirat darf alles zerschlagen werden. Außer Glas und Spiegel. Der Lärm soll böse Geister vertreiben. Das Zerbrechen von etwas Altem gilt auch als Übergangsritus. Das Ende eines alten Lebensabschnitts.
**Mirko Drotschmann** (3:43)
Die älteste bisher bekannte Quelle, die uns etwas über die Anfänge des Heiratens und Scheidens erzählt, stammt aus dem Ende des dritten Jahrtausends vor Christus. Im Kodex Ur-Nammu aus dem sumerischen Mesopotamien finden sich auch einige rechtliche Regelungen zu Eheschließung oder Ehebruch.
**Unknown voice actor/narrator** (4:00)
Da heißt es zum Beispiel, wenn ein Mann sich von seiner ersten Frau scheiden lässt, muss er ihr eine Mina, also etwa 500 Gramm Silber zahlen.
**Mirko Drotschmann** (4:10)
Die Ehe war also damals schon eine zentrale Form des Zusammenlebens der Menschen und es gab strikte Regeln.
**Unknown voice actor/narrator** (4:16)
Im Kodex Ur-Nammu steht ebenfalls, wenn die Frau eines Mannes einem anderen Mann nachging und dieser mit ihr schlief, soll man diese Frau töten, aber den Mann freilassen.
**Mirko Drotschmann** (4:28)
Was mit untreuen Männern geschah, darüber erzählt uns dieser alte Text nichts. Wir kennen heute noch ein weiteres wichtiges Dokument aus dem antiken Mesopotamien, das die Ehe regelte, nämlich den Kodex Hammurabi. Er entstand um 1760 vor Christus in Babylon.
**Unknown voice actor/narrator** (4:43)
Ohne einen schriftlichen Vertrag ist die Ehe nicht gültig.
**Mirko Drotschmann** (4:47)
Auch andere Dinge wurden vertraglich geregelt. Brautgaben, Mitgift, Scheidung, alles in Keilschrift. Über die Ehe wurde also schon in der ältesten bekannten Schrift der Geschichte geschrieben. Und sie hatte offenbar von Anfang an vor allem eine Funktion. Eigentum sichern, Abstammung klären, Bündnisse schließen.
Liebe? Hm, davon ist zumindest in keiner dieser frühen Quellen die Rede.
Wie das dann in der griechischen Antike aussah, genau dazu forscht der Althistoriker Julian Gabriel Schneider an der Universität Zürich.
**Julian Schneider** (5:20)
Ja, die Ehe war schon in der griechischen Philosophie, beispielsweise bei Aristoteles, die natürlichste Verbindung zwischen Mann und Frau zur Schaffung einer Gemeinschaft. Sie wurde verglichen mit dem Naturrecht und mit dem Verhalten von Tieren, aber durch die Eheschließung zwischen Menschen entstand eben mehr als nur eine temporäre Gemeinschaft zur Zeugung von Nachkommen, sondern eben auch eine dauerhafte Verbindung, die sozusagen die kleinste religiöse, wirtschaftliche und auch soziale Einheit der antiken Gesellschaft bildete.
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