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Die Angst vor dem großen Regierungsknall. Mit Eckart Lohse

RONZHEIMER.

August 5, 2026

Paul Ronzheimer spricht mit Eckart Lohse, Leiter der Parlamentsredaktion der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, über die wachsenden Zweifel an der Autorität des Kanzlers und die Frage, wann aus politischem Druck eine echte Kanzlerkrise werden könnte.
Speakers: Eckart Lohse, Paul Ronzheimer
**Eckart Lohse** (0:00)
Für den Moment sehe ich niemanden. Auch Markus Söder hat in Bayern genug eigenes zu tun, um gegen den Kanzler anzurennen. Weiß natürlich, dass die SPD ihn niemals mitwählen würde zum Nachfolger von März. Also das sind alles limitierende Faktoren, wo ich sage, März ist nicht wirklich stabil, aber er ist noch nicht so instabil, dass er bald abgelöst wird.

**Paul Ronzheimer** (0:24)
Mal wieder ist die sogenannte Sommerpause auch innenpolitisch nicht wirklich eine Sommerpause, denn es wird über vieles diskutiert. Die Rentenreform und was davon übrig bleibt, wer neuer Bundespräsident oder Bundespräsidentin werden könnte und natürlich spielt auch weiter eine Rolle, was bei der CDU, was beim Bundeskanzler passiert und wir wollen heute da einmal tiefer eintauchen mit einem tollen Kollegen, er ist Leiter der FAZ Parlamentsredaktion. Eckart Lohse ist bei uns. Grüße Sie.

**Eckart Lohse** (0:57)
Grüße Sie auch.

**Paul Ronzheimer** (0:59)
Herr Lohse, lassen Sie uns mal mit der sogenannten Bundespräsidentenwahl anfangen.
Das soll am 30 Januar 2027 stattfinden. Dann wird ein Nachfolger von Frank-Walter Steinmeier gewählt. Und nun wird die Debatte konkreter. CSU-Chef Markus Söder hatte die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner ins Spiel gebracht. Und auch aus der SPD kommt Unterstützung. Mit Ihrer Erfahrung, woher kommt diese Kandidatur oder ist es überhaupt schon eine und wie ist das einzuschätzen?

**Eckart Lohse** (1:34)
Also es ist noch keine Kandidatur, weil Frau Aigner sich noch nicht geäußert hat, ob sie will oder ob sie nicht will.
Herr Söder ist sozusagen vorangeschritten vor einem Hintergrund, der heißt, jetzt muss aber doch langsam mal eine Frau ins Schloss Bellevue einziehen. Nur in Klammern, das Schloss Bellevue wird gerade renoviert. Also der Einzug würde nicht ins Schloss geschehen, sondern in das Ausweichquartier. Aber das ist eben der Hintergrund.
Das ist das eine. Es gibt eine breite Kommunikation im politischen Berlin. Jetzt müsste mal eine Frau da sein. Es gibt aber auch immer wieder, wenn man im Hintergrund mit Leuten spricht, auch mit denen, die es zu sagen haben, den Hinweis, na ja, letztendlich kommt es nicht aufs Geschlecht an. Ich weiß nicht, ob der eine oder andere dann vielleicht doch noch an das Vorhaben vom früheren Bundeskanzler Scholz denkt, er sein Kabinett unbedingt paritätisch zusammensetzen wollte und dabei dann auch Fehlgriffe dabei hatte, wo man sagte, vielleicht nehmen wir das Geschlecht nicht als oberstes Kriterium. Aber es ist schon sehr dominant. Insgesamt sind vier Frauen Namen, die immer wieder genannt werden. Manche nennen die auch in einer Hierarchie, in einem Ranking. Und Ilse Eigner steht ganz klar oben auf dieser Liste. Söder hat sie ins Spiel gebracht. März hat so ein bisschen drucksend gesagt, ja, ja, die wäre schon gut. Die SPD sagt, ja, die wäre gut. Jetzt warten alle, ob Ilse Eigner noch etwas dazu sagt. Das ist Teil eins der Geschichte. Teil zwei der Geschichte ist, niemand weiß so ganz genau, was Markus Söder mit seinem politischen Leben noch so vorhat. Jedenfalls wird er nicht sehr scharf daraus sein, in Bayern Konkurrenz von Ilse Eigner zu bekommen. Also der Hintergedanke ist auch immer, vielleicht will Söder ja diese Konkurrentin in Bayern loswerden, indem er sie ins Amt der Bundespräsidentin lobt. Wenn Ilse Eigner jetzt sagen würde, ja, ich will das gerne machen, ich möchte das, dann wäre es ziemlich schwierig, noch eine andere Kandidatin zu finden. Ansonsten stehen auf dieser Liste die derzeitige Bundestagspräsidentin, Julia Klöckner, die aber in einem guten Amt ist und sich bisher nicht irgendwie artikuliert hat. Dann Familienministerin Prien, von der man das Gefühl hat, sie könnte sich das sehr gut für sich vorstellen, Bundespräsidentin zu werden, wo es aber die Frage ist, ob sie eine CDU genug Unterstützung hätte. Und dann so ein bisschen als eine, naja, wie soll man sagen, Randkandidatin Annegret Kramp-Karrenbauer. Das sind so die vier Frauennamen, die da stehen. Und im Moment, wenn man sich schon auf irgendeinen Namen festlegen sollte, würde man sagen, na, vieles deutet auf Israel.

**Paul Ronzheimer** (4:04)
Diese Frau-Mann-Mann-Frau-Frage, die Sie auch angesprochen haben, hat das in den Koalitionsverhandlungen eine Rolle gespielt? Ich hab das auch immer wieder in diesen Tagen gerade so aus SPD-Kreisen gehört, die auch gesagt haben, es müsse jetzt eine Frau werden. Wurde das irgendwo schon mal besprochen, wovon wir wissen könnten?

**Eckart Lohse** (4:25)
Also nicht, wovon wir definitiv wissen könnten. Ich muss ja immer ein bisschen an Jens Lehmann und den Zettel denken beim Fußball und hab den Eindruck, dass Söder im März irgendwo mal bei der Frage, wer der Kanzlerkandidat einen Zettel zugesteckt hat. Und ich könnte mir vorstellen, dass in diesem Zettel steht auch drauf, die CSU hat ein gewisses Vorgriffsrecht beim Thema Bundespräsidenten. Wir wissen ja, was Söder sonst noch so alles auf den Zettel geschrieben hat an Forderungen, Mütterrente und Gastro-Steuer und so weiter. Wissen wir alles. So wie er da vorprescht, hab ich den Eindruck, dass ist das eine Art Konsens ist. Aber das ist nie offen besprochen worden, dass die CSU das Recht hat, eine Kandidatin einen Kandidaten zu benennen.

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