**Till Kössler** (0:05)
Alles Geschichte. Der History-Podcast.
**Franziska Ball** (0:16)
In der grünen Hügellandschaft nordwestlich von Madrid liegt die Gedenkstätte Tal der Gefallenen. Diese unterirdische Basilika ist Spaniens größtes Massengrab. Hier sind fast 34 Menschen begraben, die im Spanischen Bürgerkrieg ums Leben kamen. Am 24 Oktober 2019 schraubte sich hier um die Mittagsstunde ein weißer Armee-Helikopter in die Höhe, stieg zu dem monumentalen Betonkreuz auf dem Bergrücken auf und verschwand hinter dem Horizont.
In dem Helikopter befand sich der Leichnam eines Mannes, der hier Jahrzehnte zuvor beigesetzt worden war.
**Burjard Dabinos** (0:57)
Doch der Tote im Helikopter war nicht in Kampfhandlungen gefallen, er starb nicht während einer Bombardierung, er wurde nicht von feindlichen Kämpfern ermordet. Nein, der Diktator Francisco Franco starb als alter Mann im Jahr 1975 und wurde in der unterirdischen Basilika am Hochalter beigesetzt. Dort ruhte er bis zu jenem Oktobertag, als sein Sarg aus dem Ehrengrab geholt, in den Helikopter verfrachtet und zu einem Friedhof bei Madrid geflogen wurde. Hier wurde Francisco Franco ein zweites Mal in einem Familiengrab bestattet.
Wenige Stunden später verkündete Spaniens Regierungschef Pedro Sanchez, heute hat Spanien seine Pflicht erfüllt.
**Franziska Ball** (1:43)
Nicht alle in Spanien waren seiner Meinung.
Der Umbettung vorausgegangen war ein jahrelanger erbitterter Streit über Francos letzte Ruhestätte und damit ein Streit darüber, wie man Francisco Franco sehen wollte. Den General, der die Spanische Republik in einem blutigen Bürgerkrieg niederrang und dann als Caudillo, als Führer, das Land bis zu seinem Tod mit harter Hand regierte.
**Burjard Dabinos** (2:10)
Geboren wurde Francisco Franco am 4 Dezember 1892 in der kleinen Stadt El Feroz, an der Küste Galiciens. Die spanische Kriegsmarine hatte hier einen flotten Stützpunkt.
Dieses Umfeld, der Garnisonstadt, war prägend für Franco. Womöglich prägender, als die nicht allzu glückliche Atmosphäre in der Familie. So der Historiker, Professor Till Kössler, der an der Universität Köln lehrt.
**Till Kössler** (2:39)
Ich finde es eigentlich viel spannender, Franco tatsächlich in dem Milieu, in dem sozialen, politischen Milieu, in dem er aufgewachsen ist, zu verorten.
Frankos Vorfahren waren alle Militärs gewesen. Und auch für ihn war von vornherein klar, dass er Militär werden würde. Und dieses militärische Milieu prägte sehr stark das Familienleben, aber dann auch bald die Weltsicht von Franco. Das ist, glaube ich, viel entscheidender, als jetzt seine Körpergröße oder besondere Erziehungsstile, die er erfahren hat.
**Burjard Dabinos** (3:10)
Professor Kössler hat eine Biografie über Francisco Franco geschrieben. Dass man den Charakter des Diktators von einem besonders unglücklichen familiären Hintergrund her zu erklären versucht, sein Vater verließ die Familie und er wuchs mit seinen Geschwistern bei seiner Mutter auf, findet er nicht zielführend.
**Franziska Ball** (3:29)
Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Situation in Spanien war schwierig. Im Jahre 1898 verlor Spanien seine letzten Kolonien, eine düpierende Erfahrung für das ehemalige Weltreich und auch für viele Militärangehörige, die plötzlich arbeitslos wurden.
**Burjard Dabinos** (3:48)
Für Francisco Franco, der damals sechs Jahre alt war, zerschlug sich dadurch der Traum von einer Laufbahn in der Marine in El Feroz, wie es Familientradition gewesen wäre. So musste er stattdessen mit 14 Jahren an die Infanterieakademie in Toledo gehen, wo er eine Offiziersausbildung absolvierte.
Dann machte er rasch seine ersten Karriereschritte im Militär, die für ihn prägend wurden, wie Professor Til Küsler erklärt.
**Till Kössler** (4:16)
Wichtig erscheint mir dann eigentlich der koloniale Kontext in Marokko, eines spanischen Protekorats, was Spanien am Anfang des 20 Jahrhunderts zugesprochen wurde und wo sich die spanische Armee in einen blutigen Greakrieg dann sehr schnell verstrickte.
Franco wird als blutjunge Offizier dort eingesetzt und dort bildet sich eine militärische Gewaltkultur heraus, die sozusagen in Abwehr dieser unsichtbaren, diffusen Gefahr des marokkanischen Widerstandes herausbildet. Man ist auch fernab von der Metropole in Madrid und entwickelt eine Überlebensstrategie, aber auch so eine Strategie der eigenen Selbstbestätigung, indem man nun sehr, sehr brutal gegen die einheimische Bevölkerung vorgeht.
**Franziska Ball** (5:07)
Zudem gab es enorme gesellschaftliche Unterschiede in Spanien.
**Till Kössler** (5:11)
Für Spanien selber spielt dann noch eine sehr große Rolle, dass es Teile des Landes gab, die extrem arm waren, eine Armut, die wir im deutschen Kontext, im 20 Jahrhundert, gar nicht mehr kennen. Also wo es wirklich Hungersnöte gab, wo Menschen wirklich von Tag zu Tag sehen mussten, wie sie zu essen bekommen haben. Und während es gleichzeitig dann gerade in den ländlichen Gebieten eben auch Großgrundbesitzer gab, die im Saus und Braus gelegt haben.
Diese starken sozialen Gegensätze und sozialen Spannungen haben so eine Mischung von Sozialprotest gebildet, die sich da immer wieder auch in sehr gewalttätigen Aufständen niedergeschlagen hat. Aufständen, die sozusagen Protesten heraus erwachsen sind, während umgekehrt dann die Großgrundbesitzer, sozusagen die örtlichen Notablen, dann mit extremer Gewalt versucht haben, diese Aufstände dann zu unterdrücken. Und das geht, wenn man weiterguckt, eigentlich in den Bürgerkrieg dann auch über.
**Franziska Ball** (6:07)
Im Sommer 1917 lernte Franco auf einem Jahrmarkt im nordspanischen Oviedo eine junge Frau kennen. Maria del Carmen Polo war die Tochter einer wohlhabenden Familie und Franco war hingerissen.
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