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DER SPANISCHE BÜRGERKRIEG - Ein Trauma bis heute

Alles Geschichte - Der History-Podcast

July 24, 2026

Vor neunzig Jahren begann der Spanische Bürgerkrieg, der eine halbe Million Menschenleben kostete. Bis heute spaltet die Erinnerung an diesen blutigen Konflikt das Land. Ein Podcast von Julia Devlin (BR 2026)
Speakers: Julia Devlin, Paul Ingenday, Gabor Pahl
**SPEAKER_1** (0:05)
Alles Geschichte. Der History-Podcast.

**Julia Devlin** (0:17)
Die Kugel trifft den Mann tödlich. Er kippt hintüber. Sein Gewehr fliegt ihm aus der Hand. In brutaler Unmittelbarkeit ist der Moment seines Todes festgehalten.
Es ist eine der berühmtesten Kriegsfotografien, eine Ikone des 20 Jahrhunderts. Der junge Fotograf Robert Capper nahm sie auf im September 1936
Da war der Spanische Bürgerkrieg erst wenige Wochen alt. Fast drei Jahre währte der Kampf zwischen den Verteidigern der demokratisch gewählten Republik und aufständischen rechtsgerichteten Nationalisten. Und der Mann auf der Schwarz-Weiß-Fotografie ist nur eines der 500 Opfer, das in diesem grausamen Bürgerkrieg sein Leben ließ.

**Julia Devlin** (1:02)
Die Wurzeln des Konflikts reichen weit zurück. Und seine Nachwirkungen sind bis heute in Spanien schmerzhaft präsent.

**Julia Devlin** (1:12)
Spanien litt im frühen 20 Jahrhundert unter starken sozialen Gegensätzen. Eine große Masse verarmter Landarbeiter stand den begüterten Großgrundbesitzern gegenüber.
Die Industrialisierung war nur in wenigen städtischen Zentren fortgeschritten. Zudem war das Militär seit dem Verlust der letzten Kolonien 1898 unterbeschäftigt.
Es kämpfte in einem brutalen Ghariliakrieg in Marokko und führte sich als Staat im Staate auf. Die Weltwirtschaftskrise 1929 tat ihr Übriges. Eine gewaltbereite, aggressive Stimmung machte dem Land zu schaffen.

**Julia Devlin** (1:51)
Diese Gegensätze konnte auch die 1931 neu gegründete Republik nicht überwinden. Sie war mit hochgesteckten Zielen angetreten. Eine Landreform sollte den bäuerlichen Unterschichten ein Auskommen garantieren. Die Macht der Armee und der katholischen Kirche sollte zurückgedrängt werden. Spanien sollte eine moderne Gesellschaft werden.
Dadurch schaffte man sich mächtige Feinde quer durch die Reihen des alten Establishments, aber auch in Teilen der Arbeiterschaft, denen die Reformen nicht schnell und nicht weit genug gingen.

**Julia Devlin** (2:25)
Aus den nächsten Wahlen im Februar 1936 ging die linksgerichtete Volksfront als Sieger hervor, die noch radikalere Ziele verfolgte. Die rechtsgerichteten Kräfte und die Armee akzeptierten diesen Wahlausgang nicht. Die Republik war für sie nicht mehr legitimiert. Und so planten hochrangige Militärs, die Regierung zu stürzen.
Führend waren dabei die beiden Generäle Emilio Mola und Francisco Franco.

**Julia Devlin** (2:54)
Die Militäre-Wolte begann am 17 Juli 1936 in Marokko und griff rasch auf Spanien über.
Doch die Bemühungen der Rebellen im ganzen Land Militäre-Wolten anzuzetteln, waren nur teilweise erfolgreich. Im ländlichen Gebieten konnten sie sich häufig durchsetzen, die politische Macht an sich reißen und das Kriegsrecht verhängen.
In Gebieten mit starker linkspolitischer Tradition stießen die Aufständischen jedoch auf heftigen Widerstand. Auch putschte nicht das gesamte Militär. Viele Offiziere hielten zur Republik. Die Lage war chaotisch.

**Paul Ingenday** (3:33)
Es waren wenige Wochen, in denen die Weichen gestellt wurden. Und da ja die öffentliche Ordnung zusammengebrochen war und auf das Militär kein Verlass mehr war, weil so viele übergelaufen waren und weil so viele geputscht hatten, es ist ganz schwer vorstellbar, welches Chaos das bedeutet für die Ordnung eines Staates, für die politische Ordnung. Also es ist sehr schwer vorstellbar, auch geografisch, weil je nachdem, wohin man schaute, das Panorama ein völlig anderes war. Sevilla hat ein kühner Putschist sich gekrallt, ohne die Macht eigentlich zu haben. Cable de Jano, der General, der mit seinen wüsten Radioansprachen im Grunde die Bevölkerung Andalusiens terrorisiert hat. Aber andere Städte haben sich gehalten, weil es loyale Truppen gab.
Und das war von Ort zu Ort unterschiedlich und war im Grunde unplanbar.

**Julia Devlin** (4:28)
Dr. Paul Ingenday hat als Schriftsteller und Journalist lange in Madrid gelebt.
Er erklärt, dass sehr rasch die aufständischen Hilfe aus dem Ausland erhielten. Denn Franco wandte sich an Nazi-Deutschland und das faschistische Italien.

**Paul Ingenday** (4:44)
Die deutsche und italienische Waffenhilfe erfolgte nach wenigen Tagen schon. Und zwar Ende Juli war ein großer Johannes Bernhardt, das war so ein kleiner Nazi aus Nordafrika, ist mit einer Depeche von Franco zu Hitler nach Bayreuth zu den Wagnerfestspielen gegangen. Allein diese Szene ist kinoreif, dass er in der Pause zur Siegfried-Aufführung den Führer spricht und ihm Frankos Brief übergibt und Hitler begreift sofort, was nötig ist und verdoppelt im Grunde auch die Zahl der Flugzeuge und der Waffen, die Franco erbeten hatte. Und das ist im Grunde der Stein, der alles ins Rollen bringt und der eigentlich am Ende auch den Krieg entscheidet, denn ohne die Luftwaffe der Deutschen, ohne die italienischen Verbände, hätte Franco schwerlich diesen Krieg so gewonnen.

**Julia Devlin** (5:33)
Dank der Militärhilfe aus dem Ausland konnte sich Franco als führender Putschist durchsetzen und als Caudilio, als Führer etablieren.

**Julia Devlin** (5:42)
Auch die bedrängte Republik bat das Ausland um Unterstützung. Doch Frankreich und Großbritannien lehnten ab. Dann kam ein Hilfsangebot aus der Sowjetunion.
Paul Ingenday.

**Paul Ingenday** (5:55)
Und insofern ist, glaube ich, die Hilfe, die der Kommunismus bedeutet hat, irgendwann auch willkommen gewesen, als einzige Chance, nicht überrollt zu werden.
Und tatsächlich waren die Kommunisten jene, die am besten den Krieg organisieren konnten. Und als dann aus Moskau sogenannte Berater kamen, waren das kriegsausgebildete Menschen, die den Spaniern auch gezeigt haben, wie es geht. Und erst recht, als dann die sowjetischen Flugzeuge kamen, gab es dann Hoffnung.

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