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Das Heimspiel zum Endspiel (mit Béla Réthy)

Apokalypse & Filterkaffee

July 19, 2026

48 Mannschaften, viele Hydration Breaks und am Ende geht es doch zu Ende – ob mit Spanien oder Argentinien als Sieger, das wird sich am heutigen Sonntag zeigen.
Speakers: Wolfgang Heim, Béla Réthy
**Wolfgang Heim** (0:00)
Es ist Sonntag, der 19 Juli.

**SPEAKER_2** (0:05)
Apokalypse und Filterkaffee. Heimspiel, das Interview am Sonntag mit Wolfgang Heim.

**Wolfgang Heim** (0:17)
Er war einer der Fußballreporter im deutschen Fernsehen. Er war ZDF-Kommentator bei unzähligen Welt- und Europameisterschaften. Er hat nach der WM in Katar aufgehört.
Und heute Vormittag ist er unser Gast im Heimspiel. Herzlich willkommen, Béla Réthy.

**Béla Réthy** (0:34)
Ja, schönen guten Tag.

**Wolfgang Heim** (0:36)
Béla, wir zeichnen auf.
Mittwochnachmittag, das heißt, das erste Halbfinale ist gespielt. Das zweite Halbfinale kommt heute Abend. Das allererste gestern, Spanien, Frankreich. Ich muss gestehen, ich war total überrascht, wie klar, eindeutig, souverän Spanien dieses hochgelobte Frankreich besiegt hat. Ging es dir ähnlich?

**Béla Réthy** (1:00)
Absolut. Ich bin immer noch fast geschockt, dass mein Weltmeistertipp Frankreich ja so baden gegangen ist gegen Spanien. Das war fast ein Klassenunterschied zeitweise.
Das war schon für mich die zweitbeste Mannschaft die ganze Zeit, aber nicht die beste.

**Wolfgang Heim** (1:20)
Okay, also du meinst die Spanier.

**Béla Réthy** (1:21)
Die Spanier, genau. Das war sehr, sehr überraschend für mich.

**Wolfgang Heim** (1:25)
War Frankreich so schwach oder waren die Spanier so gut? Oder beides?

**Béla Réthy** (1:29)
Wir neigen immer dazu, die Schwächen zu thematisieren, auch bei schönen Toren, weil es auf der Torwart, es war der Schütze. Nee, Spanien war wirklich gut, verdient.
Frankreich schien mir überrascht von der Wucht, von der Präzision, von dem gar nicht so verspielt sein der Spanier, mit dem direkten Zug zum Tor dieses Spiel zu gestalten. Das war schon eine Meisterleistung von della Fuente.

**Wolfgang Heim** (1:57)
Also der für mich überragende Spieler der Spanier, nicht nur gestern in diesem Spiel, sondern eigentlich während des ganzen Turniers ist dieses, ich soll mal das formulieren, dieses lebende Metronom im Mittelfeld, Rodri. Ein großartiger Fußballer. Ich glaube, er hat auch die meisten Ballkontakte aller WM-Spieler in diesem Turnier.
Was fällt dir zu ihm ein?

**Béla Réthy** (2:18)
Gut, er war ja nicht umsonst mal Weltfußballer. In dieser Position werden selten Strategen gewählt oder defensive Spieler gewählt, sondern eher Bohemians und Künstler und Scharlatane.
Und Rodri, also, Guardiola hat ihn vervollkommend. Aber der war vorher schon ein guter Mittelfeldspieler. Und man muss bedenken, dass er unheimlich lange verletzt war. Da war fast ein Jahr raus. Ne, Kreuzmann Dresden kann vorderen Nachteile haben. Man fährt ausgeruht zu einer Weltmeisterschaft. Und zeigt dann, was er gezeigt hat.
Bei ihm war das wirklich ein Vorteil, dass er auch nicht in den Premier League Alltag eingebunden war und praktisch fit seinen Job machen konnte. Großer Spieler. Ich glaube, der letzte defensive Spieler, der mal Weltfußballer oder Ballon d'Or gewonnen hat, ich kann das nicht auseinanderhalten, war Fabio Cannavaro, war ein Innenverteidiger aus Italien 2006, in Deutschland Weltmeister wurde. Normalerweise fanden die gar nicht in die Kategorie rein.

**Wolfgang Heim** (3:23)
Klar. Jetzt das Spiel heute Abend, England gegen Argentinien. Was erwartest du?

**Béla Réthy** (3:28)
Hoch politisiert das Ganze. Argentinien hat beantragt, statt im traditionellen hellblau-weiß Albe Celeste in diesen blauen, dunkelblauen Trikots zu spielen, die sie damals 1986 in Mexiko trugen, aus Aberglauben. Damals gab es ja zwei Superlative in dem Spiel. Die berühmte Hand Gottes, also mit VOR war das nie passiert. Und dann wieder das schönste Tor, der WM, dieser Alleingang von Maradona, an dem er, glaube ich, zehn Engländer aussehen ließ, wie Schafe.
Und dann das Tor erzielt, das war auch dieses Spiel in Astéka, das war glaube ich das Viertelfinale damals. Hoch, hoch aufgeladen, natürlich lassen die Protagonisten auch kein Superlative aus, um das Ganze noch brisanter zu machen.

**Wolfgang Heim** (4:18)
Lass uns ins Spekulative gehen. Es gibt Leute, die sagen, eigentlich sowohl die FIFA als auch der allmächtige Präsident der Vereinigten Staaten, Donald Trump, haben ein großes Interesse daran, dass Argentinien nicht nur die Engländer weghaut, sondern schlussendlich auch das WM-Finale gewinnt und Weltmeister wird. Was denkst du?

**Béla Réthy** (4:38)
Argentinien ist, ich weiß nicht, ob man einem Schiedsrichter sagen kann, für Argentinien, man kann das auch zwischen den Zeilen machen. Also, wir finden es nicht schlecht, wenn Argentinien weit käme, Bipa Podis, hingegen Ägypten, klar verpfiffen worden, finde ich, die Ägypter. Also, Argentinien hat zwei Nullen hinten gelegen, Dorf von Ägypten wurde nicht anerkannt, was in der Mittellinie irgendwo mal in Faul vorausging. Es war so ziemlich lächerlich und ich glaube, dass man das schon wünscht. Vielleicht will man auch wieder einen Titelverteidiger haben. Es gab ja keinen seit 1962 mit dem damals 21-jährigen Pelé.
Damals hat Brasilien zu einem Mal den Titel gewonnen. WM-Feindes gab es schon, also hintereinander in Deutschland, agitativ, aber gerade Weltmeister.

**Wolfgang Heim** (5:31)
Wie geht es dir jetzt, also die erste Fußballweltmeisterschaft nach Jahrzehnten, bei der du nicht aktiv als Kommentator, als Reporter im Einsatz warst, sondern, keine Ahnung, zu Hause auf dem Sofa sitzt, wo auch immer diese WM verfolgt? Mit wie viel Melancholie und mit wie ausgeprägten Phantomschmerzen?

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