**Azadê Peşmen** (0:05)
Dieser Vorfall zeigt deutlich, dass wir noch mehr tun müssen, um unsere Grenzen an den besonders schwachen Stellen zu stärken. Das hat EU-Kommissionspräsidentin Osola von der Leyen in einem Brief an den Ministerpräsidenten Spaniens Pedro Sanchez geschrieben. Gemeint ist die Grenze zwischen Marokko und der spanischen Enklave Ceuta, die viele Menschen versucht haben, schwimmen zu erreichen. Wir schauen gleich auf die Lage vor Ort.
Außerdem blicken wir auf den aktuellen Stand im Krieg zwischen Iran und den USA. All das und noch mehr heute im Update von Was jetzt? Ich bin Azadê Peşmen, heute ist Montag, der 3 August und Redaktionsschluss für diesen Podcast war 16 Uhr.
Spätestens seit letztem Freitag kennen viele Menschen den Namen Ceuta. Zehntausende Menschen haben versucht, in die spanische Enklave zu kommen, die an Marokko grenzt. 67 Menschen sind bei dem Versuch ums Leben gekommen. Inzwischen hat sich das marokkanische Innenministerium geäußert. Es geht davon aus, dass falsche Informationen in den sozialen Medien den Ansturm ausgelöst haben. Demnach könnten die Menschen geglaubt haben, dass sie nicht zurückgeführt werden dürfen, wenn sie auf See aufgegriffen werden. Mein Kollege Miguel Helm ist gerade in Ceuta und ich habe ihn als erstes gefragt, wie die Situation gerade vor Ort ist.
**Miguel Helm** (1:25)
Es ist eine ziemlich bizarre Situation hier. Einerseits hat man den Eindruck, der ganze Ort ist zur Normalität zurückgekehrt. Die Läden, die die letzten Tage geschlossen hatten, haben alle wieder aufgemacht jetzt. Es gibt hier mehrere Strandabschnitte. Und dann eine, an dem wir gerade vorbeigefahren sind, da waren Touristen, die Bahaden waren, die Beachball gespielt haben, die in Restaurants abhingen. Andererseits gibt es hier eine enorme Polizeipräsenz. Jetzt sitzen wir gerade auf einer Küstenstraße, fahren mehrere Militär-Trucks an uns vorbei.
**Azadê Peşmen** (1:56)
Fast alle derjenigen, die in Ceuta angekommen sind, mussten die spanische Enklave wieder verlassen. Was ist mit denjenigen, die noch dort sind?
**Miguel Helm** (2:04)
Geblieben sind einige hundert Menschen, davon super viele Jugendliche und Kinder. Man sieht die schon überall in den Parks, man sieht die auf den Straßen, man sieht die aber auch in den Büschen. Gerade sind wir auch an einem Kreisverkehr vorbeigefahren. Da war einfach ein Jugendlicher im Busch und hat sich versteckt vor der Polizei. Ich habe die getroffen auf Felsen. Für die ist die Situation ziemlich hoffnungslos. Die wissen einfach nicht wohin mit sich. Und es gibt auch keine humanitäre Hilfe, hier gibt es keine Ärzte, hier gibt es keine NGO, die Wasser verteilt oder Lebensmittel. Ich laufe an diesen jungen Leuten vorbei und die zeigen auf ihre leeren PET-Flaschen, sprechen mich an und fragen, ob ich Wasser habe, ob ich Lebensmittel habe.
Gerade eben waren wir bei einem Auffangzentrum, das war total voll, also hunderte Kinder, barfuß vor diesem Auffangzentrum und die Mitarbeiterin hat gesagt, hey, wir können hier niemanden mehr aufnehmen, wir sind voll, wir wissen auch nicht, was wir mit diesen Jugendlichen machen sollen.
**Azadê Peşmen** (3:07)
Die Lage in Ceuta wird morgen auch die EU-Innenminister beschäftigen. Das ist ein Thema morgen früh bei Was jetzt? Dabei geht es auch um die Frage, welche Erwartungen Spanien an die Mitgliedstaaten stellt.
Der DAX ist heute erstmals auf über 26 Punkte gestiegen und liegt damit auf einem Rekordhoch. Das liegt zum einen an den starken Zahlen der Technologieunternehmen wie Microsoft, aber auch an den Hoffnungen, die die AnlegerInnen haben, dass der Konflikt zwischen den USA und Iran gelöst wird. Das hat die Ölpreise sinken lassen. Am Wochenende ist eine angekündigte neue Angriffswelle seitens der USA ausgeblieben. Stattdessen hat US-Präsident Donald Trump erklärt, dass es wieder neue Verhandlungen zwischen den Kriegsparteien geben solle. Der Iran hat das dementiert.
Über diese ganzen Widersprüche spreche ich mit Jörg Lau. Er ist außenpolitischer Korrespondent im Hauptstadtbüro der Zeit. Hallo Jörg.
**Jörg Lau** (4:03)
Hallo Azadê.
**Azadê Peşmen** (4:05)
Es gibt offenbar unterschiedliche Auffassungen darüber, ob es nun Gespräche gibt oder nicht. Was ist da los?
**Jörg Lau** (4:12)
Ja, das ist ein großes Chaos. Ich glaube, niemand weiß, ob man Trumps Ankündigung, dass es jetzt wieder Gespräche geben soll, wirklich trauen kann. Er hat ja zugleich auch gesagt, der Iran würde jetzt angegriffen. Er hat schon fünfmal, glaube ich, angekündigt, dass er vernichtende Schläge durchführen wird. Und immer wieder hat er diese Ankündigung nicht wahrgemacht und zurückgezogen.
Also im Moment sieht es mir so aus, als suche er eigentlich nach einem gesichtswahrenen Ausweg. Den gibt es aber im Moment nicht. Und die Iraner wissen das und quälen ihn.
**Azadê Peşmen** (4:51)
In den vergangenen Wochen wurde immer wieder über einen Forever War, also einen endlosen Krieg, diskutiert.
Laut Washington Post fehlen den USA zunehmend die Kapazitäten. Müssen die USA also auf Verhandlung setzen, weil sie militärisch nicht mehr können?
**Jörg Lau** (5:08)
Ja, das ist wohl so. Das Problem ist, dass diese Verhandlungen ohne richtigen Druck, denn die Eskalation durch die USA ist kaum denkbar im Moment, wahrscheinlich in einer Art Demütigung enden würden. Denn die Kriegsziele kann Trump so nicht erreichen. Und deshalb glaube ich, haben wir im Moment dieses Hin und Her zwischen Krieg und Frieden und einem Zustand, der weder das eine noch das andere ist.
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