**Peter Neumann** (0:01)
Wir wissen auch, dass es einer, der war wegen Gewaltdelikten bereits vorbestraft. Also der hat bereits eine Geschichte gehabt mit Gewaltdelikten, mit Körperverletzung, heuberischer Erpressung. Und wir wissen zusätzlich noch, dass das einer war, der in Social Media, also auf den sozialen Medien, mit Waffen posiert hat, als Islamist mit Waffen posiert hat.
**Paul Ronzheimer** (0:24)
Es ist ein schreckliches Wochenende in der deutschen Hauptstadt. Am Samstagabend hat ein mutmaßlicher Islamist ein Fahrzeug in eine große Gruppe von Menschen gefahren, die den CSD, also Christopher Street Day, gefeiert haben. Eine Frau starb, Dutzende Menschen wurden verletzt, teilweise schwer.
Und der Täter war auf der Flucht, starb aber nun offenbar bei einem Polizeizugriff. Bild meldet, dass der Täter tot ist. Es gab einen Polizeiansatz in einer Gartenlaube in Berlin-Spandau, mehrere Spezialkräfte verstellten die Parzelle, wenig später erfolgte der Zugriff, es sollen Schüsse gefallen sein. Das ist der Stand um 19.25 Uhr, das ist wichtig zu betonen, weil die Lage noch sehr dynamisch ist. Aber während die Ermittlungen zu einen Hintergründen jetzt auf Hochtouren laufen, stellen sich bereits jetzt sehr heikle Fragen nach möglichen Behördenfehlern. Über den Anschlag, den Täter und die Arbeit der Sicherheitskräfte habe ich mit dem Terrorismus-Experten Peter Neumann gesprochen. Das war wenige Minuten, bevor in Berlin der Zugriff gegen den Attentäter erfolgte. Deshalb jetzt die kurze Aktualisierung. Und hier kommt das Gespräch mit Peter.
**Peter Neumann** (1:33)
Hallo, schön dich zu sehen, Paul.
**Paul Ronzheimer** (1:36)
Peter, wie ist ein solcher CSD geschützt und gegen welche Art von Angriff?
**Peter Neumann** (1:42)
Das Land Berlin hat ein ausführliches Sicherheitskonzept erarbeitet, waren 2200 Polizistinnen und Polizisten im Einsatz, 100 private Sicherheitskräfte, knapp 300 Sanitäter. Die gesamte Route wurde im Prinzip abgesperrt, auch die Bühne, wo dann die Abschlussveranstaltung stattfand.
Aber hier ist der Punkt. Der Anschlag, der war ja nicht direkt auf die Veranstaltung, also der fand nicht direkt auf die Route oder auf die Bühne, wo die Abschlussveranstaltung stattgefunden hat, statt, sondern außerhalb. Das ist immer das Problem, dass so gut du auch ein bestimmtes Event schützen kannst. Also vor den Sicherheitskontrollen gibt es ja auch Menschenansammlungen, die da rein wollen. Und die kannst du dann eben nicht so gut schützen. Und das ist offensichtlich hier passiert. Das war ungefähr 400 Meter, ich hab mir das auf dem Stadtplan angeschaut, ungefähr 400 Meter entfernt von der eigentlichen Route. Und da gab es noch keine Sicherheitsmaßnahmen. Da konnte man also ungehindert noch in eine Menschenansammlung von Leuten, die ganz offensichtlich zu der Veranstaltung wollten, da konnte man die sozusagen noch in Anführungszeichen abfangen.
**Paul Ronzheimer** (2:53)
Wie ist dieser Anschlag abgelaufen? Also wo, wann und wie hat Abdul Ballout sein Auto in die Menschenmenge gesteuert?
**Peter Neumann** (3:00)
Also so viele offizielle Erkenntnisse darüber haben wir noch nicht. Wir wissen, dass es um ungefähr 22 Uhr passiert ist, dass es in der Léné-Straße passiert ist, also das ist eine Straße, die ist so an der Grenze vom Tiergarten, dass dieser weiße Transporter offensichtlich in diese Menschenansammlung reingefahren ist, dass der Täter oder die Zweitäter, das ist noch nicht ganz klar, wie viele Leute beteiligt waren, dann anschließend ausgestiegen sind aus dem Transporter und offensichtlich nach einigen Zeugenberichten noch mit Stichwaffen, einige Berichte sprechen sogar von einer Maschete, weitergemacht haben sollen, bevor sie geflohen sind. Das war der Anschlag ungefähr 22 Uhr gestern. Seitdem wissen wir natürlich über den Aufenthaltshort der Geflüchteten aktuell nicht.
**Paul Ronzheimer** (3:51)
Diese Aussagen in Richtung der Machete, was genau ist da bekannt? Das hat ja auch Minister Alisdana Dobrindt, glaube ich, auf der Pressekonferenz angesprochen.
**Peter Neumann** (3:59)
Genau das ist meine Quelle auch. Also, dass nachdem der Transporter dann zum Halten gekommen ist, dass die Attentäter oder der Attentäter dann ausgestiegen sind und dann versucht haben, weiterzumachen mit dieser Stichwaffe. Und ich halte das auch nicht für unplausibel, denn wir wissen ja, dass das genau die zwei Methoden sind, mit der islamistische Attentäter in den ganzen letzten Jahren ein Großteil, die große Mehrheit der Anschläge verübt haben. Das waren entweder Anschläge mit Fahrzeugen oder Anschläge mit Stichwaffen, mit Messern oder Macheten.
Und in diesem Fall haben offensichtlich die Attentäter versucht, beides zu kombinieren. Also einen Anschlag mit einem Fahrzeug in eine Menschenmenge rein und dann weitergemacht oder versucht, weiterzumachen mit einer Stichwaffe.
**Paul Ronzheimer** (4:52)
Du sagst uns gerade, es sind möglicherweise mehrere Täter gewesen. Was ist darüber bekannt? Es wurde ja offenbar jemand gefunden, der möglicherweise in dem Auto mit gesessen haben soll.
**Peter Neumann** (5:06)
Aktueller Stand stand jetzt in Deutschland 17.45. Das ist die große Frage. War es ein Einzeltäter oder waren es zwei Attentäter?
Ich war nach den ersten Berichten über zwei Attentäter erst mal skeptisch. Häufig ist es so bei solchen Ereignissen, dass Zeugen berichten, sie haben mehrere Personen gesehen und am Ende stellt sich dann eben heraus, es war nur eine einzige Person. Das passiert in sehr, sehr vielen dieser Vorfälle. Aber nun haben wir eine Situation, wo es offensichtlich eine Festnahme gab. Offensichtlich ein iranischer Staatsbürger, der verhaftet wurde und bei dem darüber berichtet wird, er könnte diese zweite Person gewesen sein. Ob das stimmt, das werden wir wahrscheinlich im Laufe des Abends noch herausfinden. Die Person wird gerade dem Ermittlungsrichter vorgeführt. Also es könnte auch sein, dass es tatsächlich zwei Personen waren, dass es nicht ein Einzeltäter war, nicht nur dieser Abdul B., von dem der ganze Tag bereits berichtet wurde, sondern eben auch eine zweite Person.
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