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Beste Bildung - DER Bildungstalk der Stiftung Bildung - Folge 11: Bertrand Stern

Beste Bildung - DER Bildungstalk der Stiftung Bildung

January 15, 2025

In der neuen Folge von "Beste Bildung - DER Bildungstalk der Stiftung Bildung" ist Bertrand Stern unser Gast. Sein Leben verlief anders: Aufgewachsen an verschiedenen europäischen Orten, denen er seine Mehrsprachigkeit verdankt, besuchte er in seiner Jugend 13 verschiedene Schulen.
Speakers: Jürgen Rickert, Bertrand Stern
**SPEAKER_1** (0:00)
Entdecke die Zukunft der Bildung. Podcast-Host Jürgen Rickert, früher Schulverweigerer, später Schulleiter und heute vielseitiger Bildungsexperte, begibt sich im Podcast der Stiftung Bildung auf die Suche nach innovativen Lehr- und Lernmethoden. Dabei spricht er mit seinen Gästen, von Kindern und Jugendlichen bis zu PolitikerInnen, über die Herausforderungen und die Wirkung einer chancengerechten, inklusiven und zeitgemäßen Bildung. Die zentrale Frage jeder Folge ist, wie muss das Bildungssystem transformiert werden, damit alle Kinder und Jugendlichen Zugang zu bester Bildung erhalten?

**Jürgen Rickert** (0:33)
Herzlich willkommen zu unserem Podcast Beste Bildung, der Bildungstalk der Stiftung Bildung. Mein Name ist Jürgen Rickert, ich bin ehrenamtlicher Mitarbeiter der spendenfinanzierten Stiftung Bildung. Und mein heutiger Gast ist Bertrand Stern, der sich gleich vorstellen wird. Herzlich willkommen Bertrand. Wir haben vor der Vorstellung immer eine Eingangsfrage, die jeder, der hier zu Gast ist, gestellt bekommt. Und auch wenn ich mir bei dir schon die Antwort vorstellen kann, aber ich bin trotzdem gespannt. Mit Blick auf deine eigene Schulzeit, warst du eher Schulsprecher oder eher Schulverweigerer?

**Bertrand Stern** (1:14)
Ich war eher Schulverweigerer, aber ein unerfüllter Verweigerer. Ich war jemand, der sich dadurch verweigert haben musste, indem ich mich entzog, dem dramatischen Verlauf, der mir aufgebürdet worden wäre, wenn ich mich gefügt hätte. Aber ich war nicht ein Schulverweigerer in dem Sinne, dass es mir gelungen wäre, nicht zur Schule zu gehen. Und zwar deshalb, weil meine Eltern, die ihrerseits auch schulkritisch waren, nicht die Durchsetzungskraft hatten, um mir dieses Elend zu ersparen. Und infolgedessen habe ich meine Form der Schulverweigerung dahingehend verwirklicht, dass ich sehr viele verschiedene Schulen in verschiedenen Ländern, ja man sagt auf Deutsch, besucht habe.

**Jürgen Rickert** (2:06)
Da haben wir eigentlich im Grunde das Thema schon fast am Wickel sozusagen. Du bist ja, wenn ich das sagen darf, du bist geboren nicht in Deutschland, sondern in Frankreich oder in der Schweiz?

**Bertrand Stern** (2:18)
Nein, ich bin zwar formal juristisch in Frankreich geboren, aber das war mehr ein Zufall als sonst etwas. Ich hätte auch auf einem Schiff geboren werden können. Also damit verbindet mich nicht gerade sehr viel und ich sehe meine Wurzelehe hier in Deutschland.

**Jürgen Rickert** (2:36)
Da sind wir bei deiner kurzen Vita. Die könnte man natürlich ganz lang ausbreiten, aber vielleicht so drei zentrale Sätze. Du bist, wenn ich das mal zusammenfassen schon mal sagen darf, du bist Philosoph.

**Bertrand Stern** (2:49)
Ich bin sogar freischaffender Philosoph und da lege ich sogar großen Wert darauf, weil das freischaffend im doppelten Sinne zu verstehen ist. Einerseits dahingehend, dass ich an keine Institution gebunden bin, aber das freischaffende auch im Sinne des Freiheitsschaffenden. Das heißt, ich fühle mich verpflichtet als Philosoph dafür zu sorgen, dass der Mensch das Subjekt tatsächlich ein selbstbestimmtes, dass ich das für sich anspringen kann, dass seine Würde, seine Selbstbestimmtheit und seine Kompetenz respektiert und akzeptiert wird.

**Jürgen Rickert** (3:26)
Und nicht ein fremdbestimmtes Objekt.

**Bertrand Stern** (3:28)
Eben.

**Jürgen Rickert** (3:29)
Natürlich müssen wir ein bisschen zuspitzen, weil sich sonst der Bogen zu weit ziehen würde. Ein zentraler Aspekt deiner persönlichen Überzeugungen, für die du auch seit vielen Jahren unterwegs bist, ist ja die Abschaffung der Schulpflicht.
Bist du damit nicht ein Schreckgespenst von allen KultusministerInnen?

**Bertrand Stern** (3:52)
Also, ich habe vor Jahren in der Tat sozusagen im Sinne von Ivan Illig von der Abschaffung der Schulpflicht gesprochen. Inzwischen ist sie mir ziemlich wurscht geworden. Erstens würde ich davon ausgehen, dass ein solcher Gedanke dem Abzuschaffenden viel zu viel der Ehre erweisen würde. Und zum anderen geht es mir nicht darum, den zentralen, den Fokus auf die Schulpflicht zu legen, sondern auf den Menschen. Und dann kommt noch etwas anderes hinzu. Es ist immer die Frage, wer pflichtig ist, wer steht in der Pflicht? Ist es jetzt der zum Objekt gemachte Mensch oder ist es die öffentliche Hand, die wir noch als Staat bezeichnen? Wenn der Staat eine Verpflichtung hat, Schulen aufrechtzuerhalten, ich aber nicht verpflichtet bin, dahin zu gehen, ist mir das ziemlich egal. Es ist mit der Schulpflicht so ungefähr, wie mit der Bahn oder mit den Straßen. Da ist die öffentliche Hand, und ich wiederhole, ich gebrauche liebe den Begriff öffentliche Hand oder Gemeinwesen als Staat, weil der Begriff Staat inzwischen doch sehr autoritär geworden ist, oder da so geprägt. Aber wenn die öffentliche Hand oder das Gemeinwesen eine Verpflichtung eingehen muss, zum Beispiel laut Artikel 7 des Grundgesetzes, das gesamte Schulwesen steht unter der Aufsicht des Staates, habe ich gegen diese Pflicht nichts, solange es nicht mich verpflichtet. In einer Demokratie sind aber nicht die Menschen verpflichtet, sondern das System, also in dem Fall wie gesagt das Gemeinwesen. Und da lege ich großen Wert darauf. Deshalb also ist der Gedanke der Abschaffung der Schulpflicht, den ich vor Jahren selbstverständlich beibpflichten konnte, für mich heute nicht mehr aktuell. Für mich ist aktuell die Betonung der Subjekthaftigkeit des Menschen. Der steht im Mittelpunkt und das umschreibe ich mit einem von mir vorgezogenen Begriff, nämlich mit dem Begriff Freisicht bilden.

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