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BAföG, Stipendien, Kredite – Die Reform der Studienfinanzierung

Das Wissen | SWR

August 29, 2026

Viele Studierende beantragen kein Bafög aus Angst vor Schulden. Aber 500 Euro für ein WG-Zimmer muss man sich leisten können. Fachleute fordern eine Reform der Studienfinanzierung.
Speakers: Johanna, Lina Seitzel, Ulrich Müller, Stefan Grob, David Wolf, Beate Hötgen, Willy Brandt, Barbara Leindecker

Topics: Science

**SPEAKER_1** (0:06)
2 von 3 Studierenden in Deutschland gelten als Armutsgefährdet. Eigentlich soll das BAföG helfen, ein Studium zu finanzieren.

**Johanna** (0:14)
Ich glaube schon, dass es viele Leute gibt, die da Bedenken haben und die deswegen vielleicht auch eine Hürde sehen, erstmal BAföG zu beantragen und es vielleicht deswegen nicht machen.

**SPEAKER_1** (0:22)
Johanna studiert in Köln. Sie bekommt pro Monat rund 850 Euro BAföG, um im Studium über die Runden zu kommen.

**Lina Seitzel** (0:29)
Das BAföG ist ein absolutes Erfolgsmodell. Es war einer der zentralen Elemente dafür, dass Menschen ihren Bildungsweg so gestalten konnten, wie sie ihn wollten, unabhängig vom Elternhaus. Und es gibt viele Menschen, auch im Deutschen Bundestag, viele Kolleginnen und Kollegen, die ohne BAföG nicht da gewesen wären, wo sie jetzt sind.

**SPEAKER_1** (0:48)
Lina Seitzel ist Bildungspolitikerin der SPD.
Sie war am Beschluss der Bundesregierung im Sommer 2026 beteiligt, das BAföG zu reformieren. Denn das BAföG ist längst nicht mehr nur ein Erfolgsmodell.

**SPEAKER_4** (1:02)
BAföG, Stipendien, Kredite.

**Ulrich Müller** (1:05)
Die Reform der Studienfinanzierung. Von Britta Mersch und Armin Himmelrath.

**SPEAKER_1** (1:13)
Welche Möglichkeiten haben Studierende, ihr Studium zu finanzieren? Wie tragen das BAföG und andere Hilfen dazu bei oder nicht? Das erzählen wir in dieser Folge von Das Wissen. Umfragen und Studien zeigen, Studierende benötigen mindestens 1000 Euro pro Monat für ihren Lebensunterhalt. Der größte Kostentreiber ist die Miete.
Ein Zimmer in einer Unistadt kostet durchschnittlich 512 Euro monatlich. In Städten wie München oder Hamburg kann die Miete auf mehr als 800 Euro steigen.
Und das ist ein Problem, weil es keine ausreichende Studienfinanzierung in Deutschland gibt. Darauf verweisen Beobachter immer wieder. Wer nicht von seinen Eltern monatlich ausreichend Geld erhält, muss andere Wege finden. Glück haben Studierende, die ein vergleichsweise günstiges Zimmer in einem Wohnheim ergattern und alle, die BAföG bekommen. So wie Johanna. Sie ist 21 Jahre alt und studiert Sonderpädagogik in Köln. Sie wohnt in einem Studierendendorf außerhalb von Köln in einer Wohnanlage des Kölner Studierendenwerks, die im Grünen liegt.

**Johanna** (2:17)
Also hier bezahle ich jetzt 290 gerade, weil es halt im Wohnheim ist und relativ weit weg von der Uni. Das ist, glaube ich, die billigste.
Ich kenne keine Person, die weniger zahlt als ich. Aber ich kenne ganz viele, die 400 Euro aufwärts zahlen und da hätte ich dann schon gucken müssen, wie das klappt.

**SPEAKER_1** (2:35)
Johanna ist einverstanden, dass ihre Stimme zu hören ist und will erzählen, wie sie ihr Studium finanziert. Sie hat uns aber gebeten, ihren Nachnamen nicht zu nennen.
Ihre Eltern haben auch studiert, verdienen aber nicht so viel, dass sie das Studium von Johanna komplett finanzieren können. Deshalb hat die Studentin beim Kölner Studierendenwerk BAföG beantragt. Zahlungen nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz mit einem elektronischen Antrag.

**Johanna** (3:02)
Genau, dann erstellt man sich da ein Konto und dann muss man da jede Menge Sachen hochladen von wie ist mein Konto stand, was verdienen meine Eltern. Meine Eltern mussten auch jede Menge Sachen ausgraben und hinschicken. Von meiner Schwester, wie lange die noch zur Schule geht, wie alt sie ist, was ich noch für Sachen irgendwie am Vermögen habe.
Und genau, das muss man alles hochladen.

**SPEAKER_1** (3:24)
Es habe etwas gedauert, sagt sie, bis alle Dokumente und Bescheinigungen vorlagen und die Prüfung ihres Antrags abgeschlossen war. Dann kam per Post der ersehnte Bescheid, dass Johanna BAföG in Höhe von rund 850 Euro pro Monat bekommt. Inklusive einer Wohnkostenpauschale von derzeit noch 380 Euro.
Für Johanna reicht das Geld. Die pauschale Auszahlung dieser Summe benachteiligt aus ihrer Sicht aber Studierende, die deutlich mehr Miete zahlen müssen.

**Johanna** (3:53)
Ich glaube das erste, was mir wichtig wäre, ist, dass die Wohnkosten nicht so eine Pauschale sind, sondern geguckt wird, wie viel bezahlt man. Das kann man ja auch nachweisen im Mietvertrag. Und das ist einfach so, dass die meisten Studienstädte ja ziemlich teuer sind.
Und dass man quasi die Wohnkosten auf jeden Fall schon mal sicher hat und nicht von dem restlichen Geld dann irgendwann noch was für die Wohnkosten abzwacken muss. Ich glaube, das war mir so als erstes auf jeden Fall wichtig.

**SPEAKER_1** (4:17)
Doch so weit geht die Novelle, auf die sich die Koalitionsparteien CDU und SPD nach langem Hin und Her im Sommer 2026 geeinigt haben, nicht. Auch wenn die Lücke zwischen Pauschale und Zimmermiete kleiner werden soll, sagt Lina Seitzl, bildungspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion.

**Lina Seitzel** (4:35)
Zum Sommersemester 27 steigt die Wohnkostenpauschale von derzeit 380 auf 440 Euro. Das ist eine Steigerung um etwa 16 Prozent. Wir reagieren damit auf die Realität, auf angespannten Wohnungswerten, weil eben gerade auch für Studierende die Wohnkosten einfach sehr hoch sind.

**SPEAKER_1** (4:54)
In einem zweiten Schritt sollen die Bedarfsätze stufenweise steigen. Also die Beträge, die die Lebenshaltungskosten abdecken. 2029 sollen sie auf dem Niveau der Grundsicherung liegen. Das sind 563 Euro pro Monat, ein Plus von 18 Prozent gegenüber heute.

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