**SPEAKER_1** (0:01)
SRF Audio.
**Yves Bossart** (0:11)
Herzlich willkommen. Ich habe im Vorfeld dieser Sendung das hier ausgefüllt. Meine Patientenverfügung für den Fall, dass ich schwer krank werden sollte oder ich einen Unfall habe und nicht mehr ansprechbar bin. Da drin steht, wie ich medizinisch behandelt werden möchte und wie nicht und letztlich auch, wie ich sterben möchte.
Mein heutiger Gast findet wir alle, sollten uns diesen schwierigen Fragen rund um Leben und Tod stellen und uns mit ihnen auseinandersetzen, egal wie alt oder wie gesund wir sind. Alena Buyx ist Ärztin, Philosophin, Professorin für Medizinethik und sie war viele Jahre lang Vorsitzende des deutschen Ethikrats. Frau Buyx, herzlich willkommen.
**Alena Buyx** (0:52)
Hallo, freu mich sehr.
**Yves Bossart** (0:54)
Wie möchten Sie denn sterben, wenn Sie sich das jetzt wünschen könnten?
**Alena Buyx** (1:00)
Ich sage das, was mir die meisten Menschen sagen, wenn ich die Frage stelle, das mache ich nämlich häufig, also auch im Hörsaal zum Beispiel. Ich möchte gerne sanft einschlafen, umgeben von den Menschen, die ich liebe.
**Yves Bossart** (1:15)
Der letzte Satz ist wichtig. Umgeben von den Menschen, die ich liebe.
**Alena Buyx** (1:19)
Genau, das ist meine Wunschvorstellung. Wenn ich z.B. meine Studenten frage, dann sagen die, ich würde gerne beim Skifahren umfallen.
**Yves Bossart** (1:28)
Abrupt und dann einfach tot.
**Alena Buyx** (1:29)
Abrupt bei etwas, was man gern tut. Oder aber einschlafen und morgens einfach nicht mehr aufwachen. Das ist auch ein häufiger Wunsch. Es gibt auch ab und zu mal Menschen, die sagen, sie wollen ganz allein sein. Was niemals jemand sagt, ich frage seit 20 Jahren Menschen danach, weil ich das ja auch beruflich mache, ist, ich möchte gerne mit einem Schlauch im Hals auf der Intensivstation sterben.
**Yves Bossart** (1:52)
Und trotzdem sind das 10, 15%, denen es so geht. Und viele sterben auch in Gesundheitseinrichtungen, in Spitälern und so weiter. Also nicht zu Hause im Bett umgeben von den Liebsten.
**Alena Buyx** (2:04)
Ganz genau. Und deswegen ist das auch so eine wichtige Frage am Anfang. In Deutschland sind es 70% der Menschen, die in Einrichtungen des Gesundheitswesens sterben. Und 11%– das ist eine ganz aktuelle Zahl, eine sehr gute Studie aus 2024– 11% der Deutschen sterben künstlich beatmet.
Und das wünscht sich kaum jemand. Das ist eine grosse Segnung, die künstliche Beatmung. Die will ich gar nicht verdammen. Aber das ist nicht das, was die Menschen sich für ihre letzte Phase wünschen. Und ich glaube, da sollten wir ran.
**Yves Bossart** (2:39)
Genau. Und das ist ein Hilfsmittel, um sozusagen ein bisschen Selbstbestimmung, Autonomie zurückzuholen für den Fall, dass man nicht mehr entscheiden kann, ist eben das hier, so eine Patientenverfügung.
Weil Sterben heute immer auch eine Entscheidung ist, wie man das machen möchte. Und das hat sich stark verändert. Ich selbst habe das ausgeführt. Es ist kein leichter Prozess, finde ich. Also, das braucht Zeit. Ich habe das dann mit meiner Partnerin besprochen. Man empfiehlt aber, dass man das mit Expertinnen, Experten, mit einer Ärztin vielleicht auch bespricht. Soll man das lieber alleine machen oder mit befreundeten Menschen? Was empfehlen Sie da?
**Alena Buyx** (3:19)
Oh, da habe ich gar keine Empfehlung, die für alle gilt. Weil das ist ein ganz individueller Prozess. Wichtig ist, glaube ich, zweierlei. Einmal, dass man sich klarmacht, das ist nicht mit, ich fülle das einmal aus und dann lege ich es weg und dann muss ich mich damit nie mehr beschäftigen getan, sondern das ist etwas, was man in der Tat, wo man viel Information braucht und was sich auch im Lauf des Lebens ändern kann. Und das Zweite, was ich immer sage, ist, man sollte keine Angst davor haben. Natürlich denkt man, wenn man so jung ist wie sie, denkt man nicht darüber nach. Normalerweise im Alltag, die meisten Menschen denken leider viel zu spät dran, wenn sie wirklich schon sehr schwer krank sind. Oder wenn auf einmal was Schlimmes passiert und ein Wechselfall des Lebens ereilt und man ist ohnehin schon überfordert und muss dann auch noch über sowas nachdenken.
Mir sagen viele Menschen, die das in Ruhe machen, ohne großen Druck, dass das auch was Sinnstiftendes haben kann. Ich muss einmal meine wunderbare Oberärztin für Klinische Ethik an der TU München zitieren. Die Dr. Katrin Knochel, die sagt immer jedes Gespräch über das Sterben. Es ist auch ein Gespräch über das Leben. Jedes Nachdenken über das Sterben ist auch ein Gespräch. Ein Nachdenken über das Leben. Wer bin ich? Was will ich?
**Yves Bossart** (4:32)
Was ist mir wichtig?
**Alena Buyx** (4:34)
Was bedeutet mir was im Leben?
**Yves Bossart** (4:37)
Diese Fragen sind auch drin. Was macht das Leben für mich lebenswert?
**Alena Buyx** (4:41)
Richtig. Das hat für viele, das sagen wir immer wieder, seit vielen Jahren Leute, die sagen, ich habe eigentlich keine Lust gehabt und das alles so schrecklich. Und natürlich möchte man nicht über den Tod nachdenken.
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