**Julia Haungs** (0:03)
Das Wissen. Viele Frauen erinnern sich an ihren ersten Bikini.
**SPEAKER_2** (0:09)
Der war also rosa-weiß gewürfelt, so ein Pepita-Muster und am Höschen waren weiße Spitzen. Der war toll, der war knallrot mit so einem blauen Hand.
**SPEAKER_3** (0:22)
Und hatte Körbchen natürlich.
**SPEAKER_4** (0:24)
Ja, das war so ein buntes Teil. Dann hab ich mir heimlich gekauft, weil mein Vater mir jedes Haar vom Kopf gerissen hätte. Also heimlich in die Badetasche und dann in zwei Bad.
**Julia Haungs** (0:35)
Zunächst als vulgärer Fetzen verboten, wird der Bikini in den 1960er-Jahren zum Symbol für die Befreiung von rigiden Moralvorstellungen.
Allerdings setzt der Bikini seitdem auch viele Mädchen und Frauen unter Druck, unrealistischen Schönheitsidealen zu entsprechen. Die sozialen Medien mit ihren perfekt inszenierten Bildern verstärken das Gefühl, nie zu genügen.
**Elisabeth Lechner** (1:00)
Wenn es um die Disziplinierung von weiblichen Körpern geht, dann ist der Bikini ein Aushängeschild für den Kampfplatz Frauenkörper.
**SPEAKER_6** (1:10)
80 Jahre Bikini. Skandal Freiheit, Schönheitsdruck von Julia Haungs.
**Julia Haungs** (1:19)
Wer wissen will, wie es dem Bikini 80 Jahre nach seiner Erfindung geht, bekommt einen Eindruck auf Instagram. Fitness-Influencerinnen präsentieren ihren gestellten Körper in knappen Bikinis. Lifestyle-Influencerinnen räkeln sich darin am Strand, damit der Vibe ihres Luxuslebens im warmen Licht noch besser rüberkommt. Mode-Influencerinnen werben für die aktuellsten Modelle mal edel, mal trashig.
Der Bikini ist Marketing-Instrument, Ware, Statussymbol. Und er ist das zentrale Element einer Selbstinszenierung, die den weiblichen Körper vor allem als hochwertige Oberfläche zeigt, mit viel Brust, Po und sehr wenig Stoff. Der Bikini ist die Uniform der Perfektion.
Raum für Abweichung vom normschönen dünnen Körper gibt es offenbar wenig. Daran hat auch die Body Positivity Bewegung nichts Grundlegendes geändert.
**Elisabeth Lechner** (2:16)
Da gab es ganz tolle Postings aus der Body Positivity Bewegung, wo Menschen, die vielleicht nicht klassischerweise im Bikini erwartet werden, sichtbar wurden. Aber wir haben dann sehr schnell auch gesehen, dass auch widerständige Sichtbarkeit ein sehr zweischneidiges Schwert ist.
**Julia Haungs** (2:31)
Sagt die Kulturwissenschaftlerin Elisabeth Lechner von der Universität Wien. Sie forscht seit Jahren zur Body Positivity.
Die Bewegung bekämpft unrealistische Schönheitsideale und bestärkt Menschen, sich in ihrem Körper wohlzufühlen. Allerdings?
**Elisabeth Lechner** (2:47)
Wenn nicht norm schöne Körper sichtbar werden, werden die ganz oft mit Hass und Ausgrenzung konfrontiert. Das ist immer die Frage, unter welchen Rahmenbedingungen werden welche Körper sichtbar und was wird dann mit dieser Sichtbarkeit gemacht? Oder was ist in diesen Systemen überhaupt möglich?
**Julia Haungs** (3:01)
Wie ist der Bikini vom Symbol weiblicher Befreiung zu einem Kleidungsstück geworden, das neue Zwänge schafft? Und warum sind es ausgerechnet diese zwei Stückchen Stoff, an denen sich der Kampf um weibliche Rollen und Körperbilder so entzündet?
Darum geht es in dieser Folge von Das Wissen.
**Carolin Kratsch** (3:19)
Haben Sie ja schon irgendwie eine Vorstellung?
**SPEAKER_8** (3:22)
Ach, immer was. Farbiges.
**Carolin Kratsch** (3:24)
Und Bügel, nicht Bügel, Schale?
**SPEAKER_8** (3:26)
Bügel, ja. Er soll gut halten.
**Carolin Kratsch** (3:29)
Auch mit einer Fütterung so?
**SPEAKER_8** (3:30)
Er umgefüttert, sodass er schnell trocknet.
**Carolin Kratsch** (3:33)
Und die Hose ein bisschen schmaler, ein bisschen breiter?
**SPEAKER_8** (3:36)
Also schon eine existierende Hose, würde ich mal sagen.
**Julia Haungs** (3:41)
Wie unterschiedlich Frauen mit dem Thema Bikini umgehen, erlebt Carolin Kratsch jeden Tag. Seit über 30 Jahren ist sie Inhaberin der beiden Dessus- und Bademoden-Boutiquen körpernah in Berlin. In der Charlottenburger Filiale hilft sie einer Kundin, die etwas Neues für den Urlaub sucht.
Mit entschiedenem Griff zieht sie fünf Bügel mit verschiedenen Modellen raus. Die Kundin probiert einen moosgrünen Bikini mit Wellenmuster an und betrachtet sich zufrieden im Spiegel.
**SPEAKER_8** (4:12)
Es ist ein Sitz jedenfalls, dafür, dass irgendwie alles drin ist, ohne dass es rauszubildet. Mir gefällt das Muster, mir gefällt die Farbe irgendwie. Okay, dann gucken wir weiter.
**Julia Haungs** (4:26)
Bei Körpernah führt Carolin Kratsch Bikinis in allen Schnitten und Größen, bis hin zum L-Cup. Seit in den 2010er Jahren die Body Positivity Bewegung für diversere Körperbilder in der Werbung sorgte, sind auch die großen Größen nachgefragter.
Die Unsicherheit der Frauen sei in den letzten Jahren aber eher wieder gewachsen, beobachtet Kratsch, und zwar unabhängig von der Größe.
**Carolin Kratsch** (4:51)
Immer wieder den Frauen zuzureden, dass sie toll aussehen und dass sie ihren Körper lieben sollen. Das ist unsere Hauptaufgabe. Nicht die Beratung nur der Größe, sondern wir machen sehr viel psychologische Unterstützung.
**Julia Haungs** (5:08)
Das Gefühl, dass es erst mal Überwindung kostet, sich im Bikini zu zeigen, begleitet das Kleidungsstück seit seiner ersten Präsentation am 5 Juli 1946 im Pariser Schwimmbad Molitor.
Im Rahmen einer Misswahl will Lohi Rea seine neue Modeschöpfung vorführen. Erstaunlich hochgeschnitten, bedruckt mit Zeitungsschlagzeilen, zusammengehalten nur von zwei dünnen Kordeln.
Allerdings weigern sich die Mannequins, das skandalöse Kleidungsstück zu tragen. Sie fürchten um ihren Ruf. In seiner Not verpflichtet Rea die Striptease-Tänzerin Micheline Bernardini. An ihren Auftritt erinnert sie sich später so.
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