Topics: Philosophy, Society & Culture, Religion & Spirituality
**Manuel Schmid** (0:03)
MindMaps, der Philosophie-Podcast. Wege und Weichen unseres Denkens.
Hier sind wir wieder bei MindMaps in unseren Jubiläumsbeiträgen zum 300 Geburtstag von Immanuel Kant. Wir sind letztes Mal eingestiegen mit einer Folge, in der wir den Kantchen Vernunftsbegriff auch kritisch auseinandergenommen haben und gezeigt haben, wo er auch autoritäre Züge trägt, wo er einen Gottesstandpunkt einnimmt, der einerseits ungebührlich ist und andererseits auch dann sich gegen Kritik droht zu immunisieren. Heute nehmen wir noch einmal Anlauf und sprechen über Kants Moralphilosophie, über Kants Ethik. Peter, herzlich willkommen zuerst einmal. Lass mich vielleicht da einsteigen. Wir sind in, würde ich sagen, für viele zumindest doch überraschend, kriegerischen Zeiten wieder angekommen. Ukraine-Krieg läuft länger, als die meisten gedacht haben und hat viele auch überrascht, dass so etwas in doch bedrohlicher Nähe auch zum deutschsprachigen Raum vorkommen kann. Und seit einem Jahr eskalieren die Verhältnisse auch in Palästina, in Israel weiter. Und es ist kein Ende in Sicht, eher noch werden noch mehr Staaten verwickelt in diese Auseinandersetzungen. Und irgendwie man hat das Gefühl, es ist schon alles probiert worden die letzten Jahrzehnte. Und die richtig erfolgsversprechenden Lösungen sind nicht auf dem Tisch. Vielleicht wäre das ja eine Gelegenheit und das wurde ja auch jetzt anlässlich des Kant-Jubiläums immer wieder gemacht, sich zu erinnern an diese eine Schrift von Kant über den, wie heisst das, über den, zum ewigen Frieden, genau, zum ewigen Frieden, wo er ein Programm entwirft, wie eben Nationalstaaten in Frieden leben könnten. Und das wäre ja vielleicht ein Einstieg in Kant's Moralphilosophie, Peter. Liegen hier die Lösungen auf dem Tisch. Also würden wir gut daran tun, uns an Kant zu orientieren, hat er die Lösungen für unsere verzweifelten Konflikte eigentlich längst schon artikuliert.
**Heinzpeter Hempelmann** (2:51)
Ja, das hat man zu seiner Zeit gedacht, als er diese Schrift veröffentlicht hat, die einen solchen Erfolg hatte, dass sie in kurzer Zeit dreimal aufgelegt und dann auch übersetzt wurde. Wir sind jetzt hier tatsächlich schon im Bereich der Spätphilosophie eine relativ späte Schrift von Kant geschrieben, während der Europa ja im 18 Jahrhundert ständig begleitenden kriegerischen Auseinandersetzungen, in die ja gerade auch sein Heimatstaat Preußen verwickelt war. Und nach dem Separatfrieden zwischen Basel und Preußen hat er dann seine Überlegung, die er aber vorher schon niedergelegt hatte, gewagt zu veröffentlichen. Sonst wäre das vorher wahrscheinlich eher auch politisch missverstanden worden, als ein nicht geziemenes Wort eines Königsbergers Dozenten.
Wir sind hier im Bereich der Spätphilosophie, im Bereich der praktischen Vernunft. Das ist aber kein völlig neues Kapitel gegenüber der ersten Folge, sondern es geht jetzt hier um die Konsequenzen aus diesem Begriff der theoretischen Vernunft. Was bedeutet es, dass wir den Menschen verstehen als ein Wesen, das über sich selbst reflektieren kann, das zur Reflexion in der Lage ist. Das war ja sozusagen die anthropologische Voraussetzung in dem Ganzen. Und was bedeutet das jetzt für seine Ethik? Und vielleicht darf ich ganz frech auf deine Frage antworten. Praktizierter Kantianismus haben wir, den haben wir erlebt einige Wochen vor dem Ausbruch des Ukraine-Konfliktes, des Ukraine-Kriegs. Wir alle haben das Bild vor Augen, wie Putin seine Gäste empfängt und die an einem unendlich langen Tisch sitzen. Ich war also auf der einen Seite, rechts sitzt Putin, links sitzt Scholz zum Beispiel, das hab ich noch im Kopf. Und man hat bis zum Vorabend der Invasion noch mit Putin telefoniert. Und man war nachdem der Krieg dann in Anführungsstrichen völlig überraschend, natürlich völlig überraschend, kam, war man basserstaunt über den Zerbruch der europäischen Friedensordnung. In all dem ist ganz viel Kant schon drin. Lass uns miteinander vernünftig reden, dann finden wir vernünftige Lösungen und müssen nicht auf Konflikt ausweichen, schon gar nicht auf kriegerische Konflikte. Es gibt Dissense, es gibt Interessengegensätze, aber mit den Mitteln der Vernunft, mit dem Mittel des Gesprächs, mit dem wir setzen uns an Tische, lange Tische, reden miteinander und kommen zu einem Interessenausgleich. Das ist im Prinzip ein kantianischer Grundsatz, der dann vor allen Dingen auch für den Bereich unserer Gesellschaft ja von Jürgen Habermas umgesetzt worden ist und der ein Grundgesetz unserer gegenwärtigen liberalen Demokratie ist, Theorie des kommunikativen Handelns ist, das eigentlich in Reinkultur, was wir hier haben. Mit dieser Antwort, mit dieser Teilantwort habe ich dann ja aber auch schon einen sehr kritischen Akzent gesetzt. Denn wir wissen ja, wie erfolgreich diese Palawa letzten Endes waren. Sie haben Herrn Putin dazu geholfen, seine Truppenaufstellung noch einmal zu verbessern. Und seine Position durch die Gespräche, mit denen er versucht hat, andere hinzuhalten, konnte er seine Position auf dem Schlachtfeld noch verbessern.
**Manuel Schmid** (6:39)
Also während er seine Empfänglichkeit für vernünftige Argumente signalisiert hat, unterläuft er die bereits mit dem Truppenaufmarsch, die dann eben zum Ausbruch des Krieges geführt haben.
Ja. Also vielleicht kannst du jetzt doch nochmal entwickeln, was schlägt Kant denn vor? Weil seine Schrift zum ewigen Frieden, wenn ich das richtig verstanden hab, ist eigentlich quasi eine Anwendung seiner individuellen Moral und Ethik, die er ja im kategorischen Imperativ zum Ausdruck bringt. Darüber haben wir vor einem Jahr in den Kantfolgen auch schon gesprochen. Und jetzt wendet er das in dieser Spätschrift an, nicht nur auf das einzelne Individuum und seine Pflichten gegenüber anderen Menschen, sondern auf Nationalstaaten, auf Kollektive quasi. Und versucht eigentlich dieselben Vernunftprinzipien anzuwenden für das Miteinander von Nationalstaaten. Wie stellt er sich das vor? Magst du das mal kurz umreißen?
36 more minutes of transcript below
Thousands of transcripts fetched by people building searchable podcast archives
Try it now — copy, paste, done:
curl -H "x-api-key: pt_demo" \
https://spoken.md/transcripts/1000651996090
Works with Claude, ChatGPT, Cursor, and any agent that makes HTTP calls.
From $0.10 per transcript. No subscription. Credits never expire. Prices exclude VAT, added at checkout for EU customers. Not what you expected? Email us within 14 days with 20 or fewer credits used and we refund the pack in full.
Using your own key:
curl -H "x-api-key: YOUR_KEY" \
https://spoken.md/transcripts/YOUR_EPISODE_ID